Die deutschen Fussballfans wurden durch das WM-Aus bei dieser Fussball-WM rechtzeitig aus ihren Titelträumen gerissen. Ein anderer Traum zweier Deutschen ging allerdings gestern auf dem Roten Platz von Moskau in Erfüllung: Die Langstreckenradler Axel Ebner und Rainer Martin erreichten, bei angenehmen Temperaturen von 22 Grad, Moskau, den Austragungsort des WM-Finales zwischen Frankreich und Kroatien.

3084 Kilometer zurückgelegt

Seit dem Start vom Campingplatz in Waldshut am 14. Juni, legten die verwegenen Hochrheintäler, in weniger als einem Monat, exakt 3084 Kilometer in das ferne Russland zurück. Auf Grund der spärlichen Informationen, (laut Martin dem „schwierigen Internet“ geschuldet), weiß diese Zeitung, dass bei diesem Experiment, mit einem handelsüblichem Fahrrad vom Hochrhein bis in die russische Metropole zu radeln, viel Hindernisse zu überwinden waren.

Radler meistern Herausforderungen

Die Reiseroute verlief zunächst relativ problemlos von Waldshut in Richtung Augsburg, dann der Donau folgend in Richtung Wien, so Martin. Die mit einem Drei-Mann-Zelt im Gepäck völlig autark reisenden Martin und Ebner, konnten beim Stift Melk ein erstes Mal auf einem Campingplatz übernachten. Zu einer wahren Herausforderung entwickelte sich laut Martin allerdings die Fahrt nach Bratislava, über die Ausläufer der Karpaten in nordöstlicher Richtung zur ukrainischen Grenze, da zunehmend die Straßenverhältnisse schwieriger wurden, und darüber hinaus der Straßenverkehr fast keinerlei Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen schien. Dazu kamen auf den schmalen und schlammigen Seitenstreifen heftiger Sturzregen.

Defektes Tretlager

Etliche Pannen waren die Folge. Bei ihrer Ankunft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew glaubten Rainer und Ebner das Schlimmste überstanden zu haben, bis das Tretlager bei dem Lastenfahrrad von Martin streikte. Nach mühsamer Suche in Kiew nach der passenden Achslänge und Gehäusebreite des wichtigen Ersatzteiles, kam das mitgebrachte Spezialwerkzeug erfolgreich zum Einsatz und die Reise konnte fortgesetzt werden.

Freunde verfolgen die Reise

Um etwas Zeit aufzuholen, entschieden sich die Abenteurer notgedrungen, wegen des etwas besseren Straßenbelages, auch einige Kilometer auf der auf dem äußersten rechten Pannenstreifen der gebührenpflichtigen Autobahnen zu fahren. Die Reise wurde in einem Chat von 76 Freunden gebannt verfolgt und entsprechend kommentiert: „Wahnsinns-Mega Leistung, bin beeindruckt! Und dann noch Autobahngebühren! Das ist der Hammer!“

Die Langstreckenradler benützen die gebührenpflichtige Autobahn in Russland wegen des besseren Strassenbelages.
Die Langstreckenradler benützen die gebührenpflichtige Autobahn in Russland wegen des besseren Strassenbelages. | Bild: Bild: privat

Alle freuen sich laut Aussagen im Chat „@ Moskau“ schon auf Erzählungen von Übernachtungen in den riesigen Getreidefeldern der Ukraine, oder von der verzweifelten Suche nach Tankstellen in Russland, um Getränke zu kaufen. Zunächst ist bei der Fangruppe noch etwas Geduld angesagt, denn nach Moskau wollen die beiden Abenteurer noch weiter nach St. Petersburg in nördlicher Richtung, um ihr endgültiges Ziel Helsinki anzusteuern. Dann erst ist ihr Traum restlos in Erfüllung gegangen und die Heimat am Hochrhein darf sich auf spannende Reiseberichte freuen.