Hell und lichtdurchflutet die Innenräume sowie eine behagliche Atmosphäre. Vor rund einem Jahr wurde die Suchtmedizinische Tagesklinik im Maisenhartweg in Bad Säckingen in Betrieb genommen. Hier werden Patienten mit Suchtproblemen aller Bereiche therapiert. Das Konzept: Die Patienten halten sich hier von 8 Uhr bis 16.30 Uhr auf, den restlichen Tag und das Wochenende verbringen sie in ihrer häuslichen Umgebung. Die Behandlung ist auf rund fünf Wochen ausgelegt.

„Das Konzept hat sich bewährt, die Tagesklinik ist sehr gut angelaufen“, resümiert Sandra Schleusener, Oberärztin und Klinikleiterin, nach einem Jahr. Derzeit werden 14 Patienten therapiert, rund 100 Patienten wurden im vergangenen Jahr behandelt. „Wir kooperieren sehr gut mit den Fachstellen Sucht der Landkreise Waldshut und Lörrach“, so Schleusener. Hauptsächlich Patienten mit Alkoholproblemen oder Drogensucht (Cannabis) kämen in die Klinik, weniger mit nicht stoffgebundenen Süchten, wie beispielsweise der Spielsucht, erklärt Schleusener. Bedingt durch die fortgeschrittene Entwicklung der Suchtmedizin in Bezug auf Medikamente und Psychotherapie, sei ein stationärer Aufenthalt, abhängig von der jeweiligen Vorgeschichte, meist nicht mehr erforderlich.

Die große Herausforderung für die Patienten liege in der Umsetzung dessen, was tagsüber in der Klinik erlernt wurde, wie zu Hause Stress vermieden werden kann, sagt Schleusener. Die Patienten erlernen einen strukturierten Tagesablauf und wie schwierige Situationen ohne Suchtmittel gemeistert werden können. Der Vorteil: „Am nächsten Tag können die Patienten über ihre Erfahrungen reden. Gemeinsam mit der Fachgruppe Sucht wird ein Behandlungskonzept erstellt, wie Situationen anders gemeistert werden können.“ Die Patienten erlernen beispielsweise eine suchtmittelfreie Lebensführung, den Umgang mit Stress, das Vorbeugen von Burn-Out, erhalten psychologische Betreuung, Bewegungs- und Musiktherapien sowie Ergotherapie, Yoga und Entspannungstechniken.

Oberärztin Susanne Schleusener, Georg Stamm, Chefarzt am Psychiatrischen Behandlungszentrum Waldshut, und ein weiterer Arzt werden hierfür unterstützt von einem Psychologen und den jeweiligen Therapeuten. Die Patienten schätzen „die warme, familiäre Atmosphäre, das Wohlfühlen bei uns“, sagt Schleusener. Dass es einmal während des fünfwöchigen Aufenthaltes zu Rückfällen komme, sei normal.

Dann werde analysiert, welche Situation dafür verantwortlich war. Doch es gebe auch Patienten, die es nach den fünf Wochen geschafft hätten. Die Alkoholsucht betreffe meist Männer und Frauen im Alter von Mitte 40 oder Anfang 50, sowohl Berufstätige als auch Erwerbsunfähige. Cannabissüchtige seien eher Mitte 20, eher selten Mitte 30, oft ohne Schulausbildung oder berufliche Ausbildung, sagt Schleusener. Eine Entgiftung ist in der Tagesklinik mit medizinischer Unterstützung möglich.

Wartelisten werden in der Klinik zu vermeiden versucht. Patienten werden so lange ambulant begleitet, bis ein Therapieplatz zur Verfügung steht. Auch für Patienten, die berufsbedingt nicht fünf Wochen dem Arbeitsplatz fernbleiben können, biete sich die ambulante Behandlung an.

Die Nähe zum Spital schafft Synergieeffekte: Die Tagesklinik nutzt Laborleistungen, die Patienten essen im Spital zu Mittag. Oberärztin Schleusener kümmert sich um Patienten des Spitals bei psychischen Problemen oder Entgiftungen. „Wir brauchen das Spital nicht zwingend“, sagt die Klinikleiterin. „Die Kooperation mit Suchthilfenetzwerken und dem Spital aufrecht zu erhalten, ist das Ziel der nächsten Jahre.“

Voraussetzungen und Kontakt

  • Das Gebäude:Das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau, zu dem die Klinik auf dem Areal des Spitals Bad Säckingen hinter der Notaufnahmeeinfahrt gehört, hatte im vergangenen Jahr rund 1,6 Millionen Euro in den Bau in Modulbauweise investiert. Die Module können nach Bedarf wieder abgebaut und weiterverwendet werden. Die Spitäler Hochrhein GmbH ist Grundstückseigentümerin, mit ihr wurde ein Erbbaurechtsvertrag auf 40 Jahre abgeschlossen, der am 31. Dezember 2056 endet.
  • Die Klinik: Die Tagesklinik wurde auf zwölf Plätze ausgelegt und ist jederzeit auf 18 Plätze erweiterbar, aktuell hat die Klinik 14 Patienten. Hier werden Patienten mit Suchtproblemen aller Bereiche therapiert. Chefarzt ist Georg Stamm, Klinikleiterin und Oberärztin Sandra Schleusener.
  • Das Konzept: Kein stationärer Aufenthalt, die Patienten sind hier über eine Dauer von fünf Wochen von Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 16.30 Uhr, zur Behandlung in der Tagesklinik, verbringen den Rest des Tages sowie das Wochenende zu Hause. Die Patienten erlernen einen strukturierten Tagesablauf und, schwierige Situationen ohne Suchtmittel zu meistern.
  • Kostenübernahme: Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bei Akutproblemen. Die Überweisung in die Klinik erfolgt durch Haus- oder niedergelassene Ärzte oder die Suchtberatungsstelle. Für eine Aufnahme in die Suchtmedizinische Tagesklinik Bad Säckingen ist eine Verordnung für die Krankenhausbehandlung (Einweisung) erforderlich. Suchtkranke können sich auch selbst bei der Klinik melden.
  • Kontakt: Suchtmedizinische Tagesklinik Bad Säckingen, Maisenhartweg 14, 79713 Bad Säckingen, Telefonnummer 07761/999 38 80.