Der Patient Rehaklinik ist auf dem Weg der Besserung. Nachdem das Insolvenzverfahren beendet werden konnte, zeigen Prognosen eine nachhaltige Erholung. Geschäftsführer Peter Mast stellte die Zahlen jetzt im Gemeinderat vor. Stadtrat Hartmut Fricke, als Geschäftsführer des Franzikusheimes mit dem Gesundheitswesen nicht ganz unvertraut, lobte die Leistungen Masts nach den schwierigen Jahren 2017 und 2018. Mast hatte als neuer Geschäftsführer das Haus mitten in der Insolvenz im Mai des letzten Jahres übernommen und es auf Kurs gebracht. Der Gemeinderat stimmte dem Wirtschaftsplan zu. Der Beschluss ist somit klarer Marschbefehl für die Stadträte, die in der Gesellschafterversammlung der Rehaklinik sitzen.

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  • Der Weg aus der Insolvenz: Einer der wichtigsten Faktoren sind die Verbesserung und Stabilisierung der Belegzahlen, sagte Peter Mast auf Nachfrage unserer Zeitung. Als weiteren Grund nannte er die Bereitschaft der Stadt, die Mehrheit (76 Prozent) an der Klinik für drei Millionen zu übernehmen und eine Bürgschaft für 1,5 Millionen zu gewähren. Als dritten Faktor sieht Mast die Treue der Belegschaft: "Dass die Mitarbeiter geblieben sind, war wichtig für die Zukunft des Hauses.

"Dass die Mitarbeiter geblieben sind, war wichtig für die Zukunft des Hauses."Peter Mast, Geschäftsführer Rehaklinik
"Dass die Mitarbeiter geblieben sind, war wichtig für die Zukunft des Hauses." Peter Mast, Geschäftsführer Rehaklinik | Bild: Gök-Consulting
  • Ergebniszahlen: Die Rehaklinik schafft für 2018 ein positives Betriebsergebnis von 105.000 Euro. Allerdings sind hierin sowohl Steuern als auch Abschreibungen nicht eingepreist. Vor allem die Abschreibungen schlagen ins Kontor mit 406.000 Euro. Deshalb steht das Jahresergebnis mit 303.000 im Minus. Das Betriebsergebnis werde sich in den kommenden Jahren weiter leicht im Plus bewegen, so Mast, das Jahresergebnis leicht im Minus. Auf Frage von Stadtrat Hartmut Fricke sagte Mast, mit einem leichten Minus im Jahresergebnis werde noch bis 2022 zu rechnen sein. Ziel sei es, bis dahin neben den Rentenversicherungen auch die Kassen vermehrt als Kostenträger zu gewinnen.
  • Wer zahlt die Reha? Ein Manko der Rehaklinik ist laut Mast die Abhängigkeit von hauptsächlich nur einem Kostenträger. Denn 85 Prozent der Rehabilitationen werde von den Rentenversicherern getragen, so Mast. Der Geschäftsführer will das ändern. Dabei strebt er mehr Rehas an, die von Krankenkassen übernommen werden. Zum einen ist das die geriatrische Reha, die fest in der Planung des künftigen Campus ist. Zudem müsse die Zahl der Anschluss-Heilbehandlungen (AHB) gesteigert werden. Diese Rehas, beispielsweise nach Unfall und Krankenhausaufenthalt, werden ebenfalls von den Kassen bezahlt.
  • Belegung: Von 2016 auf 2017 kam es zu einem extremen Abfall der Belegung. Die Belegtage rutschten von 67.550 auf 58.242 und die Klinik in Planinsolvenz. Letztes Jahr konnten die Abwärtsspirale gestoppt und die Bettenbelegung um rund 1200 Tage auf 59.535 gesteigert werden. Dies habe zusammen mit Bettenreduzierung und Personalabbau zur Stabilisierung geführt, so Mast. Im Zuge der Insolvenz wurden 13 Vollzeitstellen abgebaut. Derzeit beschäftigt die Klinik 126 Mitarbeiter auf 84 Vollzeitstellen. Die Bettenzahl liegt bei 160, vor der Insolvenz bei 185.

Das Kurwesen und die Chronik des Niedergangs

Vor 23 Jahren begann der Abstieg des Bad Säckinger Kurwesens. Die Parkklinik entließ 1996 sieben Mitarbeiter. Seitdem ging es bergab. Von den einst 1000 Arbeitsplätzen im Kurbereich ist heute weniger als die Hälfte übrig. Das wirtschaftliche Standbein "Kurwesen" hat an Bedeutung verloren.

1996 begann die beispiellose Krise, die die Reha-Häuser in Bad Säckingen erschütterte. Das örtliche Kurwesen hatte sich bis dahin von einst 620 Betten auf 972 Betten aufgebläht. Die Blase platzte. Nach der Parkklinik kündigte 1996 auch Hochrheinklinik-Chef Reinhold Matthes Personalabbau an. Im Dezember ging dem Schweizerblick, Fachklinik für rheumatische Erkrankungen, die Luft aus. 42 Mitarbeiter standen auf der Straße. Die Parkklinik krankte 1997 erneut: Sie rettet sich durch reduzierte Pachtzahlungen immerhin bis ins Jahr 2000. Dann war sie zahlungsunfähig und es kam zur ersten Insolvenz.

Im Dezember 1997 versuchte auch der Schweizerblick als Panoramaklinik (Neurodermitis) wieder in Betrieb zu gehen. Nach der Eröffnung blieb jedoch die Kassenzulassung aus. Mit neuem ganzheitlichen Konzept startete am selben Standort das Penta-Klinikum. 2009 übernahm die Rhein-Jura-Klinik, eine private Akutklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, das Gebäude der Penta und ist bis heute dort ansässig.

Im Jahr 2003 legte die Parkklinik die zweite Pleite hin. Geschäftsführer Peter Gaupp gründete im Januar 2005 eine eigene Betreibergesellschaft, die "Park-Klinik-Verwaltungsgesellschaft". Die dritte und letzte Insolvenz folgte im Mai 2007 (erneut 60 Mitarbeiter ohne Job). 2008 öffnete in der Parkklinik das Sigma-Zentrum, ebenfalls private Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Auch das Sigma-Zentrum ist bis heute am selben Standort ansässig.

2003 war der Umbruch für die Hochrheinklinik. Sie wurde an den Hegau-Bodensee-Hochrhein-Klinikverbund verkauft, der ein Jahr später noch das Kreiskrankenhaus Bad Säckingen übernahm. Beide gibt es heute nicht mehr.

Auch das Rehaklinikum (früher Rheumaklinik) hat eine unbeständige Geschichte. Allerdings hatte das Haus eine solvente Stütze in Form der Landesversicherungsanstalt Rheinland-Pfalz, die lange die Belegung garantierte. In 2004 war dennoch die Axt am Baum, und die LVA Rheinland-Pfalz schickte Sanierer Udo Wankelmuth. Etliche Vorgänger waren gescheitert und einer wegen Untreue vor Gericht gelandet. Wankelmuths Auftrag: Die Klinik zum Verkauf aufpeppen. Erfolgreich. Der St.Vincentiusverein unterschrieb die Verträge zum Eigentumswechsel 2009. Seit Anfang 2019 gehört die Rehaklinik nach zweijähriger Planinsolvenz nun mehrheitlich (76 Prozent) der Stadt Bad Säckingen.

Die 2006 fusionierte Hochrhein-Eggbergklinik (HEK) musste 2008 erneut 40 Stellen abbauen. Doch die Schulden wurden nicht weniger. Der gesamte Hegau-Bodensee-Hochrhein-Klinikverbund kam 2009 ins Straucheln und entging nur knapp der Insolvenz. Die HEK wurde 2011 verkauft an die Deutsche Kliniken Holding (DKH) mit Geschäftsführer Peter Paul Gardosch von Krosigk. Gardosch von Krosigk fehlte es nicht an vollmundigen Ankündigungen. Wegen Zahlungsunfähigkeit musste er aber zwei Jahre später Insolvenz beantragen. Nach vergeblichen Verhandlungen mit neuen Interessenten schließt die HEK 2014. Im selben Jahr noch kauft Investor Karl-Heinrich Drux mit seiner GRE Immobilienverwaltung GmbH & Co das Gebäude der Hochrheinklinik. Er will dort ein Senioren- und Gesundheitszentrum errichten. Passiert ist nichts. Seither verfällt das Haus.

Arg gebeutelt wurde das Kurwesen auch im Jahr 2007 durch die Insolvenz des Kurmittelhauses Aqualon. Mit der drohenden Schließung stand der Verlust des Bad-Prädikates auf dem Spiel. Im Mai wurde den 110 Beschäftigten gekündigt. Nach Übernahme durch die Kurbetriebe Bad Zurzach fanden immerhin wieder 50 Beschäftigte einen Job. Zunächst pachtete Zurzach die Immobilie. 2010 kauften die Schweizer Kurbetriebe dann das Aqualon und betreiben es noch heute.

Andreas Gerber