Während die Schüler in Baden-Württemberg sechs Wochen süßes Nichtstun genießen durften, stecken die Schulleiter der Schulen bereits wieder in den Vorbereitungen für das kommende Schuljahr. Die dringlichste Frage kurz vor dem Schuljahresstart: Sind genügend Lehrkräfte vorhanden? Diese Frage treibt auch Bad Säckingens Schulleiter um.

Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Ganztagsschule

Die Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Ganztagsschule startet das Schuljahr 2018/2019 mit 350 Schülern und 16 Klassen. Drei Klassen bilden die 58 neuen Fünftklässler. Die Lehrerversorgung verursacht bei Michael Maier Bauchschmerzen: 33 Lehrer stehen zur Verfügung. „Es ist niemand auf dem Markt. Wir machen nur einen vorläufigen Stundenplan.“

Die Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Tagesschule platzt trotz Container und Anbau bereits wieder aus allen Nähten.
Die Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Tagesschule platzt trotz Container und Anbau bereits wieder aus allen Nähten. | Bild: Marion Rank

Schon vor Beginn der Sommerpause hätten ihm Stunden gefehlt, erklärt Maier. Hinzu komme der Ausfall zweier Deputate durch Erziehungsurlaub und Krankheit. „Wie ich das lösen soll, weiß ich nicht“, sagt Maier. Es bestehe „grundsätzlich an allen Schulen Lehrermangel“, sagt er. Dass es aber insbesondere schwierig sei, Lehrkräfte für Gemeinschafts- und Ganztagsschulen zu bekommen, dahinter könnte der enorme administrative Arbeitsaufwand stecken, kann sich Maier vorstellen. Die Lehrerversorgung ist nicht Maiers einziges Problem.

Der linke Bereich (rote Fenster) wird sowohl von der Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Ganztagesschule als auch von der Werner-Kirchhofer-Realschule (WKRS) genutzt. Mittig ist die neue Sporthalle zu sehen, rechts die WKRS.
Der linke Bereich (rote Fenster) wird sowohl von der Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Ganztagesschule als auch von der Werner-Kirchhofer-Realschule (WKRS) genutzt. Mittig ist die neue Sporthalle zu sehen, rechts die WKRS. | Bild: Marion Rank

Improvisation ist das Zauberwort an seiner Schule. Maier spricht von „Notlösungen“, wenn es um die Anzahl der Klassenräume geht. Mancher Raum ist als Klassenzimmer oder Fachraum eingeplant, aber nur auf dem Papier. Ein dringend benötigtes Klassenzimmer etwa dient aktuell als provisorische Mensa, bis die neue Mensa in der Sporthalle bezogen werden kann. Hier soll ein Fachraum für das gymnasiale Profilfach Bildende Kunst entstehen. Geht die neue Sporthalle in Betrieb, wird aus dem bisherigen Gymnastikraum ein Musikraum mit Bühne.

Kurz vor Schulbeginn ist auf dem Gelände der Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Ganztagesschule noch eine große Baustelle: Links Container, die als Klassenzimmer dienen, dann das Hauptgebäude, als Nächstes der noch nicht fertige Anbau, rechts die Gebäude, die teilweise von beiden Schulen genutzt werden.
Kurz vor Schulbeginn ist auf dem Gelände der Hans-Thoma-Gemeinschaftsschule und Ganztagesschule noch eine große Baustelle: Links Container, die als Klassenzimmer dienen, dann das Hauptgebäude, als Nächstes der noch nicht fertige Anbau, rechts die Gebäude, die teilweise von beiden Schulen genutzt werden. | Bild: Marion Rank

Der Stundenplan für den Sportunterricht ist bereits auf die Hallennutzung ausgerichtet. Es bleibt Maier nichts anderes übrig, als „optimistisch“ zu bleiben, die Inbetriebnahme des Ganztagspavillons mit Mensa ist ab November geplant. „Nach Fertigstellung der Sporthalle und der neuen Mensa müssen die Anschlussarbeiten noch im ersten Schulhalbjahr erledigt werden“, so Maier. Doch die Probleme gehen weiter: Vier als Klassenräume genutzte Container verschwinden nach 2019. Maier fehlen 600 Quadratmeter, ein weiteres Gebäude für sechs Klassen. Das Auslaufen der Werkrealschule verursacht weiteren Platzbedarf für zwei Klassen.

Werner-Kirchhofer-Realschule

Die Werner-Kirchhofer-Realschule startet mit rund 590 Schülern und 23 Klassen, einer Klasse mehr als im vergangenen Jahr. Die Schüler kommen aus Hasel, Wehr, Schwörstadt, Bad Säckingen, Niederhof, Rickenbach. Mit 122 neuen Schülern werden die fünften Klassen fünfzügig. Die Klassenstufen sechs, sieben und acht sind vierzügig. Der Klassenteiler liegt in den Klassen sieben, acht und neun bei 29/30 Schülern. „Die Klassen sind randvoll“, sagt Ricarda Hellmann.

Die Werner-Kirchhofer-Realschule erhält auf der rechten Seite, wo bisher die Fahrradständer platziert waren, zwei Container als Klassenzimmer gegen die Raumnot.
Die Werner-Kirchhofer-Realschule erhält auf der rechten Seite, wo bisher die Fahrradständer platziert waren, zwei Container als Klassenzimmer gegen die Raumnot. | Bild: Marion Rank

Die WKRS hat für das neue Schuljahr 38 Lehrer, davon sind drei Krankheitsvertretungen nur ein Jahr an der Schule. Noch hat das Schuljahr nicht begonnen: „Es besteht immer noch Hoffnung“, sagt Ricarda Hellmann, dass der Schule nicht ganz zuletzt doch noch eine weitere Lehrkraft zugeteilt wird. „Wir sind sehr knapp versorgt, können den Kernunterricht versorgen.“ Zusätzlich angeboten werden Bläserklasse, Chor-AG, Jugend trainiert für Olympia, Sanitäter, Schulband und Streitschlichter. „Alles, was zum Schulportfolio gehört“, so Hellmann. Eine Klasse pro Jahrgang wird bilingual unterrichtet.

Informatik als neues Angebot

In Klassenstufe sieben wird erstmals ein Aufbaukurs Informatik angeboten, der verbindlich für alle siebten Klassen ist. In Klassenstufe acht kann Informatik als Wahlfach gewählt werden. Um auf dieses Angebot optimal vorbereitet zu sein, werde ein Kollege ein Kontaktstudium besuchen, sagt Ricarda Hellmann. Dass die WKRS künftig neben den Profilen Sprache und Naturwissenschaft auch Informatik anbieten kann, freut die Schulleiterin: „Wir entwickeln uns weiter.“ Die Klassenzimmer reichen laut Hellmann „knapp“, doch alle Schüler seien verteilt. „Es gibt eine Wanderklasse, die in einem Fachraum untergebracht werden kann“, so Hellmann. Ein ehemaliger Computerraum wird derzeit zu einem Klassenzimmer umgestaltet, zwei Container kommen hinzu. „Wir arrangieren uns“, meint Hellmann, um gleich darauf zu betonen: „Wir sind dankbar, dass der Schulträger so schnell auf unsere Raumsituation reagiert hat.“

Scheffel-Gymnasium

Das Scheffel-Gymnasium startet mit 920 Schülern, 38 Klassen und 80 Lehrern. Neu an die Schule kommen 117 Fünftklässler in vier Klassen. „Der Pflichtunterricht kann abgedeckt werden“, sagt Rieckmann, „darüber hinaus können wir noch ein paar AGs anbieten.“ Angeboten werden die Fairtrade-AG, Bigband, Gospelchor, Unterstufenchor, Orchester, Theater AG, Schulsanitätsdienst, Schülerzeitung, Gymnastik oder Tanz AG.

Beim Scheffelgymnasium werden aktuell die Fenster des Altbaus saniert. Im Hintergrund ist der Anbau zu sehen, der seit 2003 für Entspannung in der Raumsituation sorgt.
Beim Scheffelgymnasium werden aktuell die Fenster des Altbaus saniert. Im Hintergrund ist der Anbau zu sehen, der seit 2003 für Entspannung in der Raumsituation sorgt. | Bild: Marion Rank

Neu dabei ist Bouldern, das Klettern ohne Kletterseil oder Klettergurt an einer künstlichen Kletterwand in Absprunghöhe. In Bezug auf die Anzahl der Räume zeigt sich Bernd Rieckmann zufrieden. „Sie reichen aus", sagt er. Aktuell werden im Altbau der Schule die Fenster saniert, außerdem steht die Dachsanierung im selben Gebäude an.