„Ich glaube, nichts bleibt so, wie es ist“, sagte Anna-Maria Huber. Die 19-jährige Görwihlerin hat klare Vorstellungen darüber, wie sich die Arbeitswelt der Zukunft nicht entwickeln wird – nämlich statisch. „Was die Zukunft angeht, ist heute irgendwie alles vorstellbar.“ Die junge Frau studiert Maschinenbau an der Dualen Hochschule in Lörrach und sie fragt sich, wann Veränderungen in der Wirtschaft an ihre Grenzen stoßen werden. Im Moment kann sie diese Grenzen noch nicht erkennen. Im Gegenteil: Vor allem Digitalisierung und Globalisierung der Arbeitswelt werden in rasantem Tempo weitergehen, ist sie überzeugt. Das bringe enorme Auswirkungen auf die Ausbildung des Nachwuchses und neue Herausforderungen für Auszubildende wie Studenten gleichermaßen.

Das sieht Christian Mathesius (49) genauso. Mathesius ist Geschäftsführer bei Franke Food Service in Bad Säckingen, des weltweit führenden Anbieters von Küchen für die Systemgastronomie. Mathesius ist eine gute Generation älter als die junge Görwihlerin und schon Jahrzehnte im Geschäft. Dennoch zeigen beide im Blick auf die Zukunft völlig unabhängig voneinander erstaunliche Parallelen: „Die Arbeitswelt wird sich am gravierendsten in Bezug auf die Technik verändern“, sagte Mathesius, „sie wird an Komplexität zunehmen, auch das Wissen der Mitarbeiter wird immer umfassender.“

Die Anforderungen für den Nachwuchs werden steigen. Sowohl die angehende Maschinenbauerin, die ihren Praxisteil beim O-Ringe-Hersteller Freudenberg in Oberwihl absolviert als auch der „alte Hase“ Mathesius sehen die zunehmende Digitalisierung als einen der Kernpunkte der künftigen Entwicklung. Genau das müsse künftig aber auch noch mehr in Lehrbüchern von Berufs- wie auch von Hochschulen abgebildet werden.

Neben dem Schulischen sieht Mathesius freilich noch andere Herausforderungen, nämlich Sekundärtugenden wie Flexibilität, Kooperations- und Kompromissbereitschaft – und dann auch den unbedingten Willen zur Leistungsfähigkeit. „Da werden sich die Europäer noch ganz lang machen müssen“, ist sich Mathesius vor dem Hintergrund seiner internationalen Erfahrung sicher. Er sieht durch den Wandel der Arbeit auch die Gesellschaft im Wandel. Durch die zunehmende Automatisierung werde die Einbeziehung von Menschen bei Standardprozessen abnehmen. Will sagen: Standards erledigt künftig der Automat. Gleichzeitig sei es aber wichtig, die Prozesse weiterhin zu verstehen. Deshalb seien künftig andere Fähigkeiten notwendig, um mit den automatisierten Systemen zu arbeiten und vor allen Dingen, um diese künstliche Intelligenz zu steuern und zu beherrschen.

Denselben Gedanken hegt die junge Görwihlerin, auch wenn sie es anders auf den Punkt bringt: „Der Mensch muss sich anstrengen, um mit der Maschine mitzuhalten.“ Wer bei dieser Entwicklung nicht dranbleibe, werde schlechte Karten haben. Sie geht davon aus, dass einfachere Arbeiten sukzessive durch Automatisierung übernommen und ganz verschwinden werden. Huber: „Für diejenigen, die in die Arbeitswelt einsteigen, bedeutet das, je höher die Qualifikation, desto besser die Chancen.“ Diese Regel gelte zwar heute schon, doch sie werde in Zukunft noch unerbittlicher, ist sie überzeugt.

Neben der Digitalisierung ist die Globalisierung einer der Zukunftsmotoren der Wirtschaft. Was bedeutet das für die Ausbildung künftiger Mitarbeiter? Neben der grundsätzlichen Bereitschaft zu internationaler Mobilität und Flexibilität hält der Chef von Franke Food Service eine Stärkung der Fremdsprachen in der Ausbildungsphase für geboten. Zur internationalen Kommunikationskompetenz gehört zuvorderst ein gutes Englisch. Anna-Maria Huber sieht neben Fremdsprachen auch die Kenntnis und vor allem das Verständnis von anderen Kulturen als entscheidende Fähigkeiten junger Menschen beim Karriere-Einstieg.

Raphael Schopp, Schulleiter der Gewerbeschule Bad Säckingen, sieht den Trend zur Bereitschaft für höhere Qualifizierung und Weiterbildung schon angekommen. Die Gewerbeschule, einst der klassische Hort für Berufsschullehrlinge, bietet heute mit ihrem Berufskolleg und der Technischen Oberschule Ausbildungsmöglichkeiten bis zur Fachhochschulreife und zum Abitur und somit den Zugang zu den Hochschulen. Das sind Zweitbildungswege, die von Jugendlichen angenommen werden, sonst würden sie nicht mehr angeboten. Auf der anderen Seite registriert Schopp außerdem, dass diese Mehrgleisigkeit der Ausbildung – also zuerst den Lehrberuf und danach Abitur und Studium – gerade von Unternehmen zunehmend nachgefragt wird. Nach seiner Erfahrung „sind das dann gefragte Leute“.

Hinzu komme in der Region erschwerend der zunehmende Fachkräftemangel auch durch die Grenznähe zur Schweiz. Der bereits jetzt herrschende Mangel an Auszubildenden werde sich seiner Ansicht nach in den nächsten Jahren noch verschärfen. Fachkräftemangel ist nicht eben eine angenehme Aussicht für Arbeitgeber – aber vielleicht winken dagegen goldene Zeiten für Arbeitnehmer? Für Anna-Maria Huber sind die künftigen Aussichten auf mehr Arbeitsplätze als Bewerber jedenfalls kein Grund zum Ausruhen. Im Gegenteil fällt ihr bei dem Stichwort eine ganz andere Tugend für den Mitarbeiter der Zukunft ein: „Schnelligkeit“. Denn wer Produkte herstellt, müsse meist schnell auf den Wandel von Trends reagieren, sagt sie. Und die ändern sich heute oft noch schneller als die Mode.