Bad Säckingen Der lange Weg der Bad Säckinger Fridolinsglocke zurück in den Turm

Seit 1948 schlägt sie wieder im Münster: Die 1752 gegossene Fridolinsglocke. Eigentlich hätte das gute Stück im Zweiten Weltkrieg, wie viele andere Glocken, eingeschmolzen werden sollen. Doch 1947 fand der Kaufmann Josef Röslin sie auf einem Glockenfriedhof in Hamburg – und brachte sie in die Heimat zurück.

Das Rätsel ist gelöst! Wobei es für die alteingesessenen Bad Säckinger eigentlich kein Rätsel ist. Die Rede ist von der großen Fridolinsglocke, die im Münster die Stunden schlägt und nur an hohen Festtagen geläutet wird.

Der Filmemacher Gusty Hufschmid hat die 1752 gegossene Fridolinsglocke im Rahmen seiner Dreharbeiten zur zweiten Ausgabe des Bad Säckinger Films aufgenommen, was da schon eine kleine Sensation war. Denn niemals zuvor ist die Glocke gefilmt oder fotografiert worden. Die Fridolinsglocke im Turm des Münsters wurde damals im zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihren Schwestern im Glockenturm abgehängt und sollte – wie es damals üblich war – eingeschmolzen werden. Nach dem zweiten Weltkrieg, entdeckte ein Kaufmann aus Bad Säckingen die Glocke 1947 auf einem Glockenfriedhof in Hamburg und brachte sie 1948 zurück nach Bad Säckingen. So die Geschichte. Allerdings war Gusty Hufschmid nicht bekannt, wie dieser Kaufmann hieß.

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„Ich weiß wer dieser Kaufmann war“, meldete sich nur ein Tag nach Erscheinen des Berichtes im Südkurier (7. Juni), der Bad Säckinger Winfried Ays. Und auch Stadthistorikerin Adelheid Enderle wusste Bescheid, um wen es sich dabei handelte. Winfried Ays selbst war als kleiner Junge sogar dabei, als die Glocke 1948 mit viel Aufwand wieder zurück an ihren angestammten Platz im Münsterturm zurückkam.

Die Eltern von Winfried Ays führten nämlich von 1935 bis 1961 ein Lebensmittelgeschäft auf dem Münsterplatz in dem Haus, wo heute das Ofengeschäft Richert untergebracht ist. „Darum hatte ich quasi einen Logenplatz, als es soweit war“, erinnert sich Ays heute. In der Stadt war die Rückkehr der großen Glocke eine Sensation, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete und von der sogar der Südkurier im Februar 1948 berichtete. Von einem großen Festzug zum Münsterplatz wurde geschrieben, der von der Stadtmusik angeführt worden ist. Mit Hilfe der Firma Eisenbau aus Grenzach-Wyhlen wurde die 2605 Kilogramm schwere Glocke ein paar Tage zuvor mit aus heutiger Sicht primitiven Mitteln Meter für Meter zurück in den Turm gehievt. Zum ersten Mal geläutet hat sie dann zum Fridolinsfest 1948.

Das Münster erhielt seine 1752 gegossene Fridolinsglocke im Jahr 1948 wieder zurück, nachdem sie im Krieg abgehängt worden war und eingegossen werden sollte.
Das Münster erhielt seine 1752 gegossene Fridolinsglocke im Jahr 1948 wieder zurück, nachdem sie im Krieg abgehängt worden war und eingegossen werden sollte. | Bild: Justus Obermeyer

Und die Größe der Glocke dürfte nach Meinung von Winfried Ays wohl auch dafür gesorgt haben, dass sie nicht eingeschmolzen wurde, aber auch wiederentdeckt worden ist. Und hatte damit mehr Glück, als die anderen Glocken, die damals ebenfalls im Münsterturm läuteten.

Gefunden hat die Glocke der Bad Säckinger Kaufmann und Gastwirt Josef Röslin. Röslin war der Besitzer des Gasthaus Adler auf dem Münsterplatz und eben auch von diesem Haus, in dem das Lebensmittelgeschäft der Familie Ays untergebracht war. „Röslin entdeckte die große Glocke zusammen mit einigen anderen Glocken aus unserer Gegend auf einem Lagerplatz in Hamburg“, berichtet auch Stadthistorikerin Adelheid Enderle. Auf die Initiative und eigene Kosten des Kaufmanns hin, kam die Glocke zurück nach Bad Säckingen. Josef Röslin war 1881 in Säckingen geboren, seine Eltern betrieben die Gastwirtschaft Adler auf dem Münsterplatz. Sein Bruder war der bekannte Architekt Röslin. Josef Röslin starb 1957 in Hamburg – am Fridolinstag, 6. März.

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