Im Alter von 83 Jahren ist der Trompeter, Musikwissenschaftler und Hochschulprofessor Edward H. Tarr gestorben. Rund 20 Jahre lang leitete er das Trompetenmuseum im Schloss Schönau in Bad Säckingen, gab unzählige Konzerte auf der ganzen Welt sowie in der Region, und dank seiner Arbeit und Beziehungen war Bad Säckingen Austragungsort wissenschaftlicher Tagungen und internationaler Musikwettbewerbe.

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Ein Höhepunkt für die Stadt war die Erstaufführung von Verdis „Adagio“ im Jahr 1997 mit dem Orchesterverein unter der Leitung von Josef Polyak und Edward H. Tarr als Solisten. Der US-Amerikaner wurde im Jahr 1936 in Norwich (Connecticut) geboren. Als sein Lehrer die Schulklasse zum Erlernen eines Instrumentes ermuntern wollte, entschied sich Edward H. Tarr spontan für die Trompete: Dies war nicht nur Liebe auf den ersten Blick, sondern wurde auch zu einer lebenslangen Liaison. Von einem seiner Lehrer in den USA, Don Pratt, lernte er, nicht nur auf die korrekte, virtuose Technik zu achten, sondern auch das Trompetenspiel mit Ausdruck zu erfüllen.

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1959 kam er nach Europa, um in Basel Musikwissenschaft zu studieren: Dort fand er gute Bedingungen, um seinem Interesse an der Geschichte der Trompete und der historischen Spielweise nachzugehen, da die Stadt über eine bedeutende Musikinstrumentensammlung und mit der Schola Cantorum Basiliensis über eine Ausbildungsstätte für Alte Musik verfügt.

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Während seines Forscherlebens beschäftigte sich Edward H. Tarr mit der Frage, wie die barocke Musik zur Zeit ihrer Entstehung geklungen hatte, und mit den Möglichkeiten, historische Museumsstücke nachzubauen. Zu seinen Publikationen zählen Bücher über Bläserartikulation in der Alten Musik und über die Geschichte der Trompete von der Antike bis zur Gegenwart. Daneben spielte er unzählige Werke auf der barocken und romantischen Trompete ein, gab Urtextfassungen bekannter Trompetenkonzerte heraus, förderte Raritäten zutage und widmete sich auch der zeitgenössischen Musik.

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Als Glanzperiode seiner Trompeterlaufbahn bezeichnete er die Zeit der 1960er und 70er Jahre, als er große Konzerte unter Karl Richter mit dem Münchner Bach-Chor und Orchester gegeben hatte.

Von 1972 bis 2001 war Edward H. Tarr Dozent an der Schola Cantorum Basiliensis und unterrichtete moderne Trompete an der Musikhochschule der Stadt Basel. Seit 2001 lehrte er an der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe, ab 2004 als Professor. Gastprofessuren und Meisterklassen führten ihn in zahlreiche Länder, und zu seinen bekannten Schülern zählen etwa Reinhold Friedrich, Niklas Eklund oder Hakan Hardenberger. Trotz seiner internationalen Karriere blieb der in Eichsel lebende Musiker seiner Heimatregion stets verbunden. Nachdem die Stadt Bad Säckingen im Jahr 1985 die berühmte Instrumentenkollektion des Basler Sammlers Ernst Buser angekauft hatte, lag es nahe, Edward H. Tarr die Stelle des Museumsdirektors anzubieten.

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In seiner fast 20-jährigen Amtszeit veranstaltete er wichtige Ausstellungen, Wettbewerbe wie die Internationalen Trompetentage und wissenschaftliche Kolloquien, mit denen er dem Museum Anerkennung im In- und Ausland verschaffte. Besonders wichtig war auch die Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau, der Konzertorganistin Irmtraud Tarr. Auch nach seiner Pensionierung gab das Duo zahllose Konzerte in den Kirchen der Region, und die Silvesterkonzerte in Eichsel sowie die Neujahrskonzerte (beispielsweise in Bad Säckingen oder Luttingen) waren Fixpunkte im Kalender der Musikfreunde.