Bad Säckingen Der Citybus fährt mit Natur-Strom

Die Städtische Linie verkehrt künftig mit Elektroantrieb. Das Citybus-Fahrzeug ist unterwegs mit Energie aus Wasserkraft.

Die Stadt Bad Säckingen will in Sachen Elektromobilität eine Vorreiterrolle im Land spielen. Dem Ziel ist sie jetzt einen großen Schritt näher gekommen: Gestern vormittag wurde im Rahmen einer kleinen Rundfahrt der elektrische Citybus in Betrieb genommen – und es sei der erste städtische Elektrobus im Linienverkehr auf dem Lande, wie mehrere Redner betonten. Bad Säckingen hat in Sache Elektromobilität in der letzten Zeit schon einige Pflöcke eingeschlagen: Es gibt seit letztem Jahr das E-Bürgerauto zum Ausleihen, den Tesla als E-Taxi bei Gregor Döbeles Taxi Kohlbrenner, und auch Südbadens schnellste Stromzapfsäule steht nicht irgendwo, sondern beim Festplatz in Bad Säckingen.

Jetzt haben sich auch die Stadtwerke Bad Säckingen und das Busunternehmen Zimmermann entschieden, den städtischen Citybus umzurüsten. Für Bürgermeister Alexander Guhl ist gerade die Kooperation zwischen der Stadt und den Stadtwerken beispielgebend, hinzu komme die Zusammenarbeit mit Bad Säckinger Firmen wie dem Busunternehmen Zimmermann oder Taxi Kohlbrenner, die beim Thema Elektromobilität mit der Stadt an einem Strang ziehen, so Guhl.

Die Stadtwerke Bad Säckingen sind bekanntlich der Betreiber der Stadtbus-Linie, Zimmermann Reisen das beauftragte Unternehmen. Firmenchef Thomas Zimmermann informierte bei der gestrigen Inbetriebnahme über einige Daten und Fakten zum 20-sitzigen E-Bus. Der Mercedes-Bus wurde ursprünglich in der Diesel-Variante gebaut und fuhr als solche schon etliche Jahre. Die Firma EFA-S aus Zell unter Aichelberg hat den Bus im den vergangenen sechs Monaten zum Elektrofahrzeug umgebaut. Kosten: 86.000 Euro. Thomas Zimmermann sagte, das baden-württembergische Verkehrsministerium habe sich mit einem 50-prozentigen Zuschuss beteiligt. Der Elektromotor des Citybusses hat wie der Diesel eine Leistung von rund 125 PS und eine Reichweite von bis zu 140 Kilometer. Laut Zimmermann werde der Bus in der Mittagspause nachgeladen, wodurch dann die komplette Linie am Tag mit dem Elektro-Bus bedient werden kann.

Der Vertreter des Ministeriums, Christoph Erdmenger, Leiter der Abteilung nachhaltige Mobilität, freute sich, dass das Thema in Bad Säckingen solchen Widerhall findet. Er bescheinigte der Stadt eine Vorreiterrolle bei der Elektromobilität im ländlichen Raum. Er ist sich sicher, dass das Thema Elektrofahrzeuge in den nächsten Jahren stark vorankommen werde. Das Mobilitätsverhalten der Bürger ändere sich noch langsam, werde aber Fahrt aufnehmen. Denn schon jetzt wisse die Landesregierung aus Umfragen, dass 90 Prozent der Bürger zum Thema Elektromobilität Initiativen des Landes erwarten. Christian Klaiber, Leiter der Initiative Zukunftsmobilität, hat das ÖPNV-projekt in Bad Säckingen gemanagt. Er sagte, die Stadt Bad Säckingen sei mit diesem Schritt dem Ziel einer emissionssärmeren Stadt näher gekommen.

An der offiziellen Rundfahrt des neuen Bad Säckinger Elektro-Citybusses nahmen unter anderem auch Grünen-Stadtrat Franz Stortz, CDU-Stadtrat Wolfgang Lücker teil, die Ortsvorsteher von Wallbach, Fred Thelen, von Rippolingen, Friedrich Schupp, und von Harpolingen, Franz-Martin Sauer, Pro-Bad Säckingen-Vorstand Jürgen Albiez, der städtische Umweltbeauftragte Ralf Däubler sowie Martin Ritter, technischer Leiter der Stadtwerke, und Gregor Döbele von Taxi Kohlbrenner.

Projekte zur Elektro-Mobilität in Bad Säckingen

  • Stadtwerke: „Wir wollen in der Öffentlichkeit als Vorbild wahrgenommen werden“, erklärt Martin Ritter, der Technische Leiter der Stadtwerke Bad Säckingen. Denn das Unternehmen selbst ist bereits mit Elektro-Autos unterwegs und verfügt auch über E-Bikes. Weiter sind die Stadtwerke Betreiber der Ladesäulen für Elektro-Autos beim Bahnhof, im Parkhaus Lohgerbe und von der neuen Schnell-Ladesäule am Festplatz. Doch nicht nur für die Elektromobilität arbeiten die Stadtwerke zukunftsorientiert: Seit vielen Jahren arbeiten die Stadtwerke mit regenerativer Energie.
  • Schnell-Ladesäule: Die einzige Schnell-Ladesäule zwischen der Ortenau und dem Bodensee steht in Bad Säckingen und ist die erste im Landkreis Waldshut. „Die E-Mobilität wird funktionieren, wenn es schnell geht“, ist sich Bürgermeister Alexander Guhl sicher, der das „Bad Säckinger Vorzeigeprojekt“ vorgestellt hat. „Wenn man den Leuten die Angst nimmt, ist schon viel erreicht“, so Guhl weiter. Dieses soll mit dem Bürgerauto erreicht werden. „Dieses Auto wird gut genutzt und richtet sich an die Leute, die über eine Fahrkarte verfügen, aber trotzdem hin und wieder ein Auto nutzen möchten.“
  • AwoAmbulanter Pflegedienst: Seit einem Jahr nutzt die Arbeiterwohlfahrt für ihren ambulanten Pflegedienst ein Elektro-Fahrzeug. Die Mitarbeiter sind täglich zwischen Wehr und Murg unterwegs. „Wir sind sehr zufrieden damit“, erklärt Irmgard Rolli von der Awo. Das Elektroauto wird genauso genutzt wie die anderen Fahrzeuge auch. Eine Strecke von rund 130 Kilometern können die Mitarbeiter mit einer Stromtankfüllung zurücklegen.
  • Taxi Kohlbrenner: In Bad Säckingen gibt es auch das erste Elektro-Taxi im Landkreis Waldshut. Die Anschaffungskosten lagen 97 000 Euro für den Tesla. Vom Land hat Gregor Döbele vom Taxiunternehmen Kohlbrenner einen Zuschuss von 15 000 Euro erhalten. „Ein Mercedestaxi hätte auch 40 000 Euro gekostet“, erklärt Döbele. Die Reichweite des Tesla liegt bei 400 Kilometern bei einer Laufleistung von 6000 Kilometern im Monat. „Wir sparen 500 Liter Diesel im Monat, also rund 550 Euro Betriebskosten“, so Döbele weiter. Der Hersteller gibt auf Auto und Batterie eine Garantie für acht Jahre.
Susanne Kanele

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