Ab sofort fährt der Citybus zwei zusätzliche Haltestellen in Bad Säckingen an. Die Haltestellen sind in der Rhein-Au: Eine befindet sich direkt beim Awo-Kinderhaus, die zweite beim Festplatz. Sie wurden am Montag offiziell von Martin Ritter, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Säckingen, im Beisein von Bürgermeister Alexander Guhl, eingeweiht. Damit fahren die drei Linien des Citybusses 55 Haltestellen an. Die Linie 1 Ost Obersäckingen-Lohgerbe 19 Haltestellen, die Linie 2 Kur Lohgerbe-Kurgebiet 14 Haltestellen und die Linie 3 West Lohgerbe-West 22 Haltestellen. Rund 30 000 Personen im Jahr benutzen laut Martin Ritter den Citybus. Er fährt von Montag bis Samstag, unter den Passagieren sind viele Schüler und ältere Menschen, die ansonsten nicht mobil wären.

Anni Größlein nutzt gern den Citybus.
Anni Größlein nutzt gern den Citybus. | Bild: Marion Rank

Die Idee, in der Rhein-Au Haltestellen zu schaffen, sei von den Bürgern aus dem Neubaugebiet, in dem auch viele ältere Menschen leben, angeregt worden, so Ritter. Die Stadtwerke, die den Bus betreiben, haben auf die Anfragen reagiert und im September 2018 eine Umfrage in allen Haushalten der Rhein-Au gestartet, um das etwaige Interesse abzufragen. Von der „sehr guten Resonanz“ war man überrascht. „Man merkte, die Leute wünschen sich das“, erklärte Ritter, „67 Prozent Rückmeldungen – das ist sensationell!“ Der überwiegende Anteil der Rhein-Au-Bewohner habe sich für die Haltestellen ausgesprochen, so Ritter. Damit die beiden neuen Haltestellen in den zeitlichen Ablauf eingefügt werden konnten, fiel die Haltestelle Rheingrüttäcker, bei der niemand zustieg, weg. Noch sind die Haltestellen Provisorien, nach einer Testphase von einem halben Jahr sollen fixe Haltestellen folgen“, erklärt Ritter. „Primäres Ziel ist es, die Leute in die Innenstadt zu bekommen, aber ohne Auto.“

Werner Scholtz ist dankbar dafür, dass es den Citybus gibt.
Werner Scholtz ist dankbar dafür, dass es den Citybus gibt. | Bild: Marion Rank

„Die Stadtwerke Bad Säckingen finanzieren den Citybus mit. Es ist kein gewinnbringendes Geschäft. Doch die Stadtwerke Bad Säckingen freuen sich, dass über 90 Prozent der Bad Säckinger bei den Stadtwerken Kunden sind, weil wir ein kommunales Unternehmen sind und das Geld wieder an die Stadt und damit an die Bürger zurückfließt, beispielsweise in Form von Kindergärten, des Waldbades“, so Ritter. Die Stadtwerke arbeiten mit dem Busunternehmen Zimmermann Reisen zusammen, die den Fahrer stellen und das Organisatorische abwickeln.

Anna Weber ist auf den Citybus angewiesen.
Anna Weber ist auf den Citybus angewiesen. | Bild: Marion Rank

Seit 1990 fährt Vincenzo Lombardo den Citybus. Sein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr und endet um 17 Uhr. Die Fahrgäste kennen und mögen ihn. Auch die Schüler, obwohl er sie manchmal rüffelt, wenn sie nicht nach hinten durchgehen, sondern im vorderen Bereich des Busses bleiben. Denn wenn die Schule aus ist, wird es schlagartig voll im Citybus. Einige ältere Schüler steigen beim Gloria-Theater ein, vor allem aber bei der Weihermattengrundschule strömen die Kinder um kurz nach 13 Uhr in den Bus, der sich bei der Lohgerbe etwas leert.

Vincenzo Lombardo fährt seit 1990 den Citybus.
Vincenzo Lombardo fährt seit 1990 den Citybus. | Bild: Marion Rank

Dort steigt Hannah Arnold mit einem Kind im Kinderwagen zu. Sie zog vergangenes Jahr nach Bad Säckingen, bringt und holt ihren dreijährigen Sohn täglich zum/vom Kindergarten in Obersäckingen. „Der Citybus ist eine gute Einrichtung. Man weiß, dass er pünktlich ist, anders als andere Busse und die Zeiten passen auch für mich. Man hat immer den gleichen Fahrer, das ist sympathisch. Auch Johnny Tarantino, 18, Gewerbeschüler, benutzt täglich den Citybus für den Schulweg oder wenn er Freunde besucht. „Die Haltestelle ist direkt vor der Haustüre und bringt mich direkt in die Stadt.“

Abwarten beim Kurgebiet

Bürgermeister Alexander Guhl weiß von „Beschwerden“, dass es nicht genügend Verbindungen zum Kurzentrum gebe. „Dafür wurde ein Rufbus eingerichtet, der allerdings wenig benutzt wurde.“ Doch er möchte abwarten, wie sich die 100 neuen Wohneinheiten im Kurgebiet auswirken werden. Noch immer besteht laut Guhl das Angebot des Landratsamts, gemeinsam mit dem Waldshuter Tarifverbund WTV, dass Senioren, die freiwillig ihren Führerschein abgeben, für ein Jahr kostenlos mit dem Bus oder Citybus fahren können. Informationen erhalten Interessierte laut Guhl bei der Führerscheinbehörde der jeweiligen Zulassungsstelle.

Tickets für den Citybus sind im Bus selbst oder in der Mobilitätsagentur beim Amt für Kultur und Tourismus in Bad Säckingen erhältlich. Der Einzelpreis pro Fahrt beträgt 2,25 Euro, die Monatskarte kostet 27 Euro. Fahrpläne finden Sie hier.

Das sagen die Nutzer über den Citybus

  • Anni Größlein, 89, Bad Säckingen: „Ich kann nicht mehr so weit laufen. Gott sei Dank fährt der Citybus. Leider fährt er nur in die Stadt, nicht zum Brennet-Areal, dass ich dort einkaufen kann. Ich besitze keinen Führerschein, seit mein Mann gestorben ist, bin ich auf den Citybus angewiesen. Teilweise fahre ich jeden Tag mit ihm, wenn ich Arzttermine habe, ansonsten etwa zweimal pro Woche.“
  • Anna Weber, Obersäckingen: „Ich fahre seit etwa fünf Jahren mit dem Citybus. Die zeitlichen Abstände finde ich sehr gut, gerade wenn man älter ist. Auch für Schulkinder, mein Sohn benutzte ihn früher auch. Der Citybus ist ein Vorteil für alle Bewohner von Bad Säckingen und Obersäckingen. Ich habe keinen Führerschein, bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Mein Mann ist älter als ich, muss oft zum Arzt und ist ebenfalls auf den Citybus angewiesen.“
  • Werner Scholtz, 86, Bad Säckingen, fährt seit etwa drei Jahren täglich, immer von Montag bis Freitag mit dem Bad Säckinger Citybus. Er sagt über das Angebot: „Es ist ideal für mich, denn so brauche ich kein Auto. Ich bin wirklich dankbar dafür, dass es den Citybus gibt. Ich steige in der Nähe meines Hauses in den Winklen ein und fahre bis zur Lohgerbe.“