Die Sorge um die Zukunft der Krankenhausversorgung ist auch beim Demografie Strategischen Forum (DSF) Bad Säckingen ein wichtiges Thema. Daher hat das DSF die Entscheidungsträger im Kreis kontaktiert und um Stellungnahmen zur Spitalfrage gebeten. Die Ergebnisse wurden jetzt vorgestellt. Die Resonanz ist aus Sicht von Forum-Initiator Hartmut Fricke ernüchternd ausgefallen: "Konkrete Antworten auf die von uns gestellten Fragen hat es nicht gegeben." Die Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein GmbH sowie die Kreistagsfraktion der Freien Wähler und der FDP hätten auf das Schreiben nicht einmal reagiert. Immerhin gab es aber reichlich Gesprächsangebote. Diese möchte das DSF aufgreifen und Vertretern des Kreises, des Kreistages und des Gesundheitswesens in der Region im Rahmen einer großen Diskussionsrunde auf den Zahn fühlen. Diese soll bereits im Herbst stattfinden.

Konkret ging es in den Anfragen um die Umstrukturierungen und die Zukunft des Spitals Bad Säckingen, schilderte Fricke in der jüngsten Sitzung des DSF: "Anlass waren die Verlegungsabsichten für Labor und Sterilisation nach Waldshut sowie die Information, dass auch altersmedizinische Betten nach Waldshut verlegt werden." All dies sei aus Sicht des Forums "schwer nachvollziehbar" und stehe "im Widerspruch zu den Gremienbeschlüssen". Diese Bedenken konzentrierten die Mitglieder des Forums im Zusammenspiel auf die Fragen: "Woran ist erkennbar, dass eine Schwerpunktbildung für beide Häuser erfolgt? Woran ist erkennbar, dass das Spital Bad Säckingen nicht abgewickelt wird?" Entsprechende Schreiben mit dieser Fragestellung wurden an Landrat Martin Kistler, die Kreistagsfraktionen und die Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein versandt.

Antwortschreiben gab es vom Landrat und den Kreistagsfraktionschefs Martin Albers (CDU), Karin Rehbock-Zureich (SPD) und Ruth Cremer-Ricken (Grüne). Diese wurden im Sinne der Transparenz den DSF-Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Der entstandene Schriftwechsel liegt unserer Zeitung vor (siehe unten stehenden Beitrag).

Da die Antworten nicht die Erwartungen des DSF erfüllt haben, soll eben eine Diskussionsrunde mit möglichst breit angelegtem Teilnehmerfeld weitere Informationen und Aufschlüsse darüber geben, wie es weitergeht. Großen Wert legt das DSF darauf, dass eine solche Veranstaltung "souverän" moderiert wird, um einen "echten Erkenntnisgewinn" zu gewährleisten.

Stellungnahmen zur DSF-Anfrage

Landrat Martin Kistler: Am Kreistagsbeschluss, verbunden mit der Leistungsabgrenzung und Schwerpunktbildung an den Standorten werde nicht gerüttelt, er sei jedoch nicht "eins zu eins zu exekutieren, sondern lässt ganz bewusst und richtigerweise Gestaltungsspielräume offen." Vor allem gelte es diese ökonomisch und medizinisch zu nutzen, denn die Spitäler Hochrhein GmbH generiere "fortgesetzt Verluste". Kistler wirbt dafür, "sich konstruktiv und loyal in diesen Prozess einzubringen." Bad Säckingen stelle einen "elementaren Bestandteil" der Gesundheitsversorgung im Kreis dar, und alle sollten daran mitarbeiten, dass dies auch so bleibe.

Martin Albers (CDU) zweifelt den Wert der Informationen an, die dem DSF vorliegen.
Zudem sei der Kreistagsbeschluss in der Öffentlichkeit falsch verstanden worden, nämlich, dass Bad Säckingen "bis auf Weiteres im Wesentlichen als Spital der Grundversorgung erhalten wolle. Das ist aber nicht richtig." Der im Beschluss zum Tragen kommende Kompromiss lasse Missverständnisse durchaus zu. Tatsächlich gehe es aber um eine "Übergangszeit bis eine zentrale Lösung umgesetzt sei", und das koste mehrere hunderttausend Euro pro Jahr. Albers: "Aus meiner Sicht eine falsche Entscheidung. Ein klarer Schnitt wäre besser gewesen." Die Atmosphäre sei laut Albers von einem "Feinddenken" geprägt, das einer Zusammenarbeit hinderlich sei. Dem DSF bescheinigt er aber, nicht "Teil einer Kampfgruppe zum Erhalt des Spitals" zu sein.

Karin Rehbock-Zureich (SPD) berichtet aus dem Umsetzungsausschuss, dass Bad Säckingen einen geriatrischen Schwerpunkt erhalten wird. Außerdem: "In den Standort Bad Säckingen muss investiert werden, die Gelder sind im Haushalt eingestellt." Zudem sei der Erhalt des Labors an beiden Standorten in der Diskussion. "Eine Notfallambulanz kann nur funktionieren mit Labor." Die Personalgewinnung bleibe aber ein großes Problem.

Ruth Cremer-Ricken (Grüne) konstatiert, dass ihre Fraktion den Beschluss unterstützt hat und "dessen zu erfolgende Umsetzung für uns nicht infrage steht". Es gelte, ein tragfähiges Konzept zu fassen. Konsens in der Grünen-Fraktion sei, dass denn Spitälern an beiden Standorten im Kreis eine "erfolgreiche Basis" geboten werden müsse. (msb)