Zu sechs Monaten und zwei Wochen Haft auf Bewährung mit einer Bewährungszeit von zwei Jahren, dazu 40 Stunden Arbeitseinsatz hat Richterin Susanne Schröder einen 24-Jährigen, der sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Bad Säckingen verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Christoph Jauer, hatte für eine Strafe von sieben Monaten und zwei Wochen und einen Arbeitseinsatz von 40 Stunden plädiert.

Fahrraddiebstahl als Auslöser

Der 24-Jährige war vor vier Jahren aus seiner Heimat geflüchtet und lebte zum Tatzeitpunkt in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Säckingen. Einer der Mitbewohner soll damals sein Fahrrad gestohlen haben. Er habe ihn damit unterwegs erwischt und zur Rede gestellt, erklärte der Angeklagte. Dieser habe ihm als Antwort die Nase blutig geschlagen. Ein paar Tage später waren die beiden Kontrahenten im Trockenraum der Unterkunft aufeinandergetroffen. Hier kam es zum Eklat.

Der Tathergang

Der 24-Jährige hatte den anderen in den Schwitzkasten genommen und seinen Kopf mehrmals gegen die Wand und einen Trockner geschlagen. Später hatte er seinem Gegner auch das Knie ins Gesicht gerammt, sodass dieser eine Platzwunde am Auge davongetragen hatte. Der 24-Jährige soll auch ein Küchenmesser in der Hand gehabt haben, das aber wohl nicht als Waffe benutzt worden war. Er sei krank, erklärte der 24-Jährige. Er sei in stationärer psychiatrischer Behandlung und seit einigen Jahren auch in ambulanter Behandlung. Der Arzt habe bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine wiederkehrende depressive Erkrankung diagnostiziert. Wie der Angeklagte dann selbst einräumte, sei er leicht reizbar und kaum belastbar, könne sich oft nicht selbst kontrollieren. Das Messer habe er nie gegen den anderen benutzen wollen.

Rache als Motiv

Bei der Polizei habe er damals gesagt, er habe sich rächen wollen, das sei so üblich in seiner Kultur, hielt ihm die Richterin vor. Auch ein Gutachten war zum selben Resultat gekommen und bescheinigte dem Angeklagten die volle Schuldfähigkeit und Rache als Motiv. Das habe er gesagt, stimmte der 24-Jährige zu, aber jetzt sehe er das anders.

Was Zeugen sagen

Die drei geladenen Zeugen, ein Hausmeister und zwei Sozialarbeiterinnen, die zum Tatzeitpunkt in der Nähe gewesen waren, erklärten, sie seien einem Geräusch in der Nähe nachgegangen und hätten eine Schlägerei zwischen den beiden Männern beobachtet. Sofort hätten sie die Polizei gerufen und versucht, die Beiden zu trennen.

Die Urteilsbegründung

Der Vorwurf habe sich bestätigt, der 24-Jährige habe den anderen bewusst verletzt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Das Geständnis des Angeklagten sei glaubhaft und decke sich mit den Zeugenaussagen. Die Tat sei brutal, die Verletzungen gefährlich, aber nicht erheblich gewesen. „Es ist nicht in Ordnung, sich zu rächen“, hielt Schröder dem 24-Jährigen vor. Er hätte den Vorfall mit dem Fahrrad der Polizei melden sollen. Mit der Feststellung: „Es hätten auch schlimmere Verletzungen passieren können“, schloss die vorsitzende Richterin die Sitzung.