Zwei barocke Kantaten von Dietrich Buxtehude und Gottfried Stölzel standen im Mittelpunkt des Adventskonzerts am Sonntag in der Heilig-Kreuz-Kirche. Der Kammerchor Bad Säckingen unter der Leitung von Wolfgang Haller hatte ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das die verschiedenen Vorlieben der zahlreichen Zuhörer bediente und bei den leichteren Werken immer wieder Gelegenheiten zum Mitsingen bot.

Mit den Gästen und den Schülern des Georg-Büchner-Gymnasiums Rheinfelden versammelte sich zeitweise eine beträchtliche Anzahl von Sängern auf der Bühne. Doch dem Leiter gelang es, für ein stets ausgewogenes und transparentes Klangbild zu sorgen. Mit von der Partie war auch ein Orchester, das mit schlanker Besetzung überaus differenziert spielte, aber genügend Volumen aufbrachte, um in den Forte-Passagen Akzente zu setzen. An der Orgel und am Cembalo war Stephan Kreutz zu hören und dieses Mal wirkten auch zwei Solisten mit: Neben der Sopranistin Elisabeth Haller war dies der Dirigent selbst, der die Tenorpartie in Stölzels Kantate „Das Volk, so im Dunkel wandelt“ übernahm.

Dieser Komponist war ein Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs, und es war ihm gelungen, ein klangprächtiges und ausdrucksvolles Werk zu schaffen. Die Chorpartie war mit Koloraturen geschmückt, und wie zur Bekräftigung der Heilsgewissheit kommentierte der Chor die Erzählungen der Solisten, die teils rezitativisch, teils arios wirkten und von den Sängern mit klaren, schlanken Stimmen, sicheren Höhen und guter Textverständlichkeit gemeistert wurden. Den gleichen Text hatte der Romantiker Albert Becker für eine A-Cappella-Komposition genutzt: Die Männer begannen mit einem zaghaften Gesang, der die Unsicherheit des Volkes symbolisierte.

Dann stimmten die Soprane machtvoll den Choral „Vom Himmel hoch“ an und animierten die anderen Stimmen, nach und nach die Melodie zu übernehmen – es war ein schönes Bild, wie der Glaube über die Angst siegt. Aus der Frühzeit des Barock stammte die nicht minder eindrucksvolle Kantate „Alles, was ihr tut“ von Dietrich Buxtehude mit ihrem Wechsel von homophonen und kontrapunktischen Abschnitten. Das Orchester trat nicht nur als Begleiter, sondern in den Zwischenspielen auch als Dialogpartner hervor, der tröstliche wie spannungsgeladene Stimmungen erzeugte.

Ideal zum Mitsingen und zur Einstimmung auf die besinnliche Adventszeit waren die beiden Choräle von Melchior Vulpius, ebenso wie Prätorius‘ „Es ist ein Ros‘ entsprungen“. Die Kunst romantischen A-Cappella-Gesangs zeigte der Chor auch in Carl Loewes „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herze“, das sehr klangschön, mit weit geschwungenen Legatobögen und differenzierter Dynamik dargeboten wurde – und auch mit einer subtilen Textausdeutung, denn das Schlüsselwort „Tröste“ wurde mit dem nötigen Nachdruck betont.

Zwei Werke von Brahms leiteten zum 20. Jahrhundert über: Etwa zu John Rutters Weihnachts-Wiegenlied, das in voller Orchesterbegleitung und mit eingängigen Melodien erstrahlte, und dem zurückhaltenden „In The Bleak Mid-Winter“ von Harold Darke. Lebendig dank der Orgel-Stakkati und des schnellen Chor-Parlandos wirkte Mack Wilbergs „Ding! Dong!“. Schließlich bot sich dem gesamten Publikum im Choral „Macht hoch die Tür“ eine von schönen Orgelzwischenspielen begleitete Mitsinggelegenheit, bevor das Konzert prachtvoll mit dem „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saëns ausklang.