Er ist seit 33 Jahren im Geschäft, erhielt goldene Schallplatten, den „Echo“ und trat im Vorprogramm der Rolling Stones auf: Der „Entdecker der Langsamkeit“, Stand-Up-Comedian Rüdiger Hoffmann, trat im Gloria-Theater in Bad Säckingen auf. Er begeisterte vor fast vollen Rängen mit seiner Best-of-Show. Das Publikum entließ den 54-jährigen Paderborner erst nach Zugaben von der Bühne.

Trockener Humor und stoische Ruhe

Rüdiger Hoffmann muss eigentlich gar nichts tun: Sein Erscheinen auf der Bühne reicht. Das Publikum liebt den großen Mann mit Glatze vom ersten Moment an, jubelt, wartet sehnsüchtig auf seine lakonisch gesprochen Worte – Doch er lässt seine Fans zappeln, erzählt von der Essig-Diät: „Ess ich oder nicht?“ Dann endlich kommt sein „Ja, hallo erst mal“ und es folgt: „Ich weiß gar nicht, ob Sie's wussten...“ Die Lacher sind auf Hoffmanns Seite, der betont langsam, mit stoischer Ruhe, trockenem Humor und unschuldig-verschmitztem Blick loslegt.

Eine Kostbarkeit fehlt – so was von egal

Die Pointen sind noch nicht gesagt, da kringelt sich das Publikum bereits vor Lachen. Etwa, wenn Hoffmann vom Chinesen erzählt: Er nutzt den Umstand, dass bei den „Acht Kostbarkeiten“ eine Zutat fehlt, schamlos aus. Er gibt sich als Ordnungsamt-Mitarbeiter aus und stockt so Haushalt und Bar auf. Dem Inder wird demnächst das gleiche Schicksal blühen.

Die dicke Liebste

Hoffmann nimmt auch die Damenwelt aufs Korn, die nie genug Komplimente von ihrem Liebsten einheimsen könne. Urkomisch, wie er mit der Körperfülle seiner Liebsten und deren Frage, ob sie zu dick sei, spielt. Seine Liebesbeweise: Stuhlrückenlehne entfernt, damit die Gute darauf passt, Stuhl mit T-Stahlträger verstärkt, Lastenaufzug eingebaut. Ihr Kleid schließt er mit der Hilfe von Schraubzwingen, gibt ihr zu verstehen, dass sie Krähenfüße hat.

Der pubertierende Sohn

Auch Sohn Benny, stinkender Pubertierender mit Pickeln, die ihm das Aussehen einer Pizza Funghi verleihen, kriegt sein Fett weg. Hoffmann meint „es doch immer nur gut“, so regelt er das Leben des Mitbewohners, „redet“ mit dessen Eltern. Infolgedessen darf dieser jetzt nachts vor der Uni jobben und ist die beiden Freundinnen los. Köstlich sein Auftritt als 54-jähriger Jammerlappen, seines Zeichens Anwalt: Seine Eltern wollen ihn zum Monatsende vor die Tür setzen und aus seinem Kinderzimmer werfen. „Ooooh“, bedauern ihn die Zuschauer. Hoffmann überlegt sich, einen Präzedenzfall oder Vergleich zu schaffen: „Die Mutter kommt zum Kochen und Putzen.“

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Das Publikum fällt von einer Lachsalve in die Nächste, etwa wenn Hoffmann aus seinem Liebesleben erzählt. Da wird mal ein Päuschen eingelegt, eingekauft, das Auto gewaschen, dann geht es weiter. Oder eben nicht. Wenn die enttäuschte Liebste sagt, das sei „ein Gefühl, wie wenn der Bus vor der Nase weggefahren ist“, rächt sich Hoffmann mit: „Tja, da muss man halt mal zu Fuß gehen.“ Er umschreibt schlüpfrige Dinge auf elegante Weise, deutet an und überlässt den Rest dem Kopf der Zuschauer. Hoffmann, der sich und seine heiter-bissigen Lieder am Klavier begleitet hat, wird mit Riesenapplaus und Jubel gefeiert und darf nicht ohne Zugaben von der Bühne, bis das Publikum in Hochstimmung das Theater verlässt.