Radio auf der Bühne und Kino im Kopf. Die „SWR3 Live Lyrix“ sorgten mit ihrem neuen Programm am Donnerstag im Gloria-Theater in Bad Säckingen für ausverkauftes Haus. Die deutschen Interpretationen fremdsprachiger Popsongs, unter der Regie von SWR-Moderator Ben Streubel, von den Schauspielern Alexandra Kamp und Ronald Spiess nachgesprochen und szenisch eindrucksvoll nachgespielt, begeisterten.

Unterhaltsame Interpretationen

Wir hören die Popsongs täglich im Radio, doch kennen wir auch deren Bedeutung? Der vermeintliche Gute-Laune-Song „Vamos á la Playa“ von Righeira ist sozialkritisch: Ein Atombombenabwurf am Strand setzt radioaktive Strahlung frei. Nicht jeder Song oder Titel seien einfach zu übersetzen, sagt Streubel: Etwa „Shotgun“ (Beifahrer) von George Ezra, von Kamp und Spiess unterhaltsam interpretiert. Abhängigkeit, Angst, Neugier, Zweifel.

Vamos á la Playa: Wohl eher nicht, wie „SWR3-Live Lyrix“ Regisseur Ben Streubel (links) und Schauspieler Ronald Spiess (rechts) mit einem Publikumsgast (Zweiter von links) auf makabre Art als Gerippe bewiesen: Gummitier und Plastikpalme können nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der vermeintliche Gute-Laune-Song Vamos á la Playa von Righeira in Wirklichkeit ein sozialkritischer Song ist.
Vamos á la Playa: Wohl eher nicht, wie „SWR3-Live Lyrix“ Regisseur Ben Streubel (links) und Schauspieler Ronald Spiess (rechts) mit einem Publikumsgast (Zweiter von links) auf makabre Art als Gerippe bewiesen: Gummitier und Plastikpalme können nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der vermeintliche Gute-Laune-Song Vamos á la Playa von Righeira in Wirklichkeit ein sozialkritischer Song ist. | Bild: Marion Rank

In „Babooshka“ von Kate Bush spielt Spiess einen Ehemann, dessen Frau seine Treue unter einem Pseudonym auf die Probe stellt, verdreht Kamp in „Romeo and Juliet“ von den Dire Straits als Bordsteinschwalbe á la Pretty Woman dem liebestollen Freier Spiess den Kopf, befindet als Melania Trump über Ehemann Donald Trump in „Walk on water“ von Thirty Seconds to Mars: „Mit dem Teufel ins Bett zu gehen, tut ganz schön weh.“ Spiel und Kostüme beeindrucken: Kamp als eine Art Vogelscheuche in „Natural“ von Imagine Dragon, als Lady Gaga mit Spiess als Bradley Cooper im Oscar-prämierten Hit „Shallow“. Das Publikum ist begeistert.

Romeo und Julia einmal anders: In der Version „Romeo and Juliet“ von den Dire Straits verdreht Alexandra Kamp in breitestem Berlinerisch als Bordsteinschwalbe á la Pretty Woman ihrem liebestollen Freier Ronald Spiess den Kopf.
Romeo und Julia einmal anders: In der Version „Romeo and Juliet“ von den Dire Straits verdreht Alexandra Kamp in breitestem Berlinerisch als Bordsteinschwalbe á la Pretty Woman ihrem liebestollen Freier Ronald Spiess den Kopf. | Bild: Marion Rank

Die Zusammenstellung der 14 Songs war nicht einfach: „Ein Mix aus alten Songs und aktuellen Chart-Hits, Klassiker, Sozialkritisches, Politisches“, so Streubel. Steht die Auswahl der Songs, geht es an die Umsetzung, das in Szene setzen auf der Bühne. Welche Requisiten werden benötigt? Das Licht, die Videoeinspielung, denn zu jedem Stück laufen im Hintergrund Filmsequenzen. Eine Million Träume braucht Kamp als Pink in „A Million Dreams“ aus „The Greatest Showman“, Spiess ist in „Irony“ von Christopher immer perfekt unter der Oberfläche, „aber was da wirklich ist, kriegt niemand zu sehen“, Kamp und Spiess mit langen Bärten als ZZ Top und „Sharp Dressed Man.“ Süß, aber verrückt, zeigt Kamp in „Sweet but Psycho“ von Ava Max die Abgründe der Schizophrenie.

Humorvoll: Alexandra Kamp und Ronald Spiess interpretieren den Song „Shotgun“ von George Ezra: Das Spiel, wer der Beifahrer sein darf, auf der Reise per Auto durch Australien, von Kamp und Spiess unterhaltsam interpretiert mit Lenkrad, Badekleidung, Flossen und Plüschkrokodil.
Humorvoll: Alexandra Kamp und Ronald Spiess interpretieren den Song „Shotgun“ von George Ezra: Das Spiel, wer der Beifahrer sein darf, auf der Reise per Auto durch Australien, von Kamp und Spiess unterhaltsam interpretiert mit Lenkrad, Badekleidung, Flossen und Plüschkrokodil. | Bild: Marion Rank

Ein Psychologe riet Ava Max, darüber zu schreiben, was sie nicht verarbeiten könne. Mit „November Rain“ von Guns N ´Roses setzen Kamp und Spiess einen beklemmenden Schlusspunkt: „Liebe kommt und Liebe geht.“ Das begeisterte Publikum fordert eine Zugabe: Kamp als Olivia Newton John, Spiess als John Travolta aus „Grease“ und „You´re the one that I want.“ Klamauk pur: Spiess ist eher Hape Kerkeling und dessen Kultfigur Horst Schlämmer.