Er ist bekannt durch die ZDF-Satiresendung "heute-show" und die Figur Gernot Hassknecht, wurde mehrfach ausgezeichnet: Goldene Kamera, Bambi, Adolf Grimme Preis, Deutscher Comedy Preis. Im Gloria-Theater in Bad Säckingen schlüpfte Hans-Joachim Heist am Dienstag- und Mittwochabend, vor ausverkauftem Haus, in die Rolle des 1979 verstorbenen Komikers, Musiker, Komponisten und Schauspielers Heinz Erhardt. Mit seinem Programm "Noch´n Gedicht" präsentierte Heist einen Querschnitt durch die schönsten Wortspielereien und Reime Heinz Erhardts aus den Wirtschaftswunderjahren.

Sie war für Heinz Erhardt zum Markenzeichen geworden: Die Hornbrille, mit dickem Fensterglas bestückt, um Erhardt, der kurzsichtig war, durch das verschwommene Sehen die Angst vor dem Publikum und das damit verbundene Lampenfieber zu nehmen. Heist plaudert mit den Zuschauern, dreht sich unvermittelt um, zieht die Brille an und wird mit schief gelegtem Kopf und spitzbübisch, schelmischem Grinsen zu Erhardt. Heist rezitiert eine Auswahl aus dessen Gedichten, darunter "Warum die Zitronen sauer sind" oder "Die Made". ("Meine Made hat nichts mit der Made in Germany zu tun"). Als das Klatschen vor dem Ende kommt, gibt's einen Rüffel für das Publikum und es bleibt nicht bei dem einen: "Sie sind nicht zum Vergnügen hier, Sie müssen schon aufpassen", rügt er. Alles lacht. Aus dem "Ei des Kolumbus: "Noch eine Sache von einem Bus, der nach Amerika fuhr, Kolumbus hieß der.." oder aus "Warum ich ein Dichter wurde": "Als ich das elektrische Licht der Welt erblickte, das war im Jahr Schalke 04, ich lag zu Hause Cognac, ich lag zu Hause rum, rum.." Der nassen Windeln wegen wollte er "vor allem dichter werden."

Heist sucht im Publikum einen albern klingenden Wohnort. Bei der Nennung von Häkelberg und Hogschür wird er fündig: "Ist es schlimm, wenn man da wohnt? Das hört sich albern an." Das Publikum kringelt sich vor Lachen. An der Reaktion des Publikums bei der Nennung von Waldshut, merkt sogar ein Ortsfremder wie Heist die Spannung: "Ihr mögt Euch nicht so?" Heist bohrt noch ein bisschen tiefer in der Wunde: "Zwei Stück haben sich hierher getraut. Wie sind Sie hergekommen? Mit Visum?" Der Lacher des Abends. Heist widmet also Waldshut das alberne Gedicht, wird dabei unterbrochen von einem Waldshuter: "Kreisstadt", betont dieser unter dem Hohn der Zuschauer. Nun ja, es scheint wohl mittlerweile besser zu sein, sich nicht als Bewohner dieser Stadt zu outen. Das denkt sich wohl auch Heist, wenn er scherzt: "In der Pause möchte ich nicht in Ihrer Haut stecken." Heist schlenkert in bester Erhardt-Manier die Arme, gibt dessen Sprüche zum Besten, wie "Falls fallend du vom Dach verschwandest, so brems, bevor du unten landest", "Frauen sind die Juwelen der Schöpfung. Man muss sie mit Fassung tragen", "Keine Frau ist so schlecht, dass sie nicht die bessere Hälfte eines Mannes werden kann", "Liebschaften sind wie Pilzgerichte, ob sie ungefährlich waren, weiß man erst später." Das Publikum amüsiert sich über "Wenn ich ein Bier geshakert habe, bin ich dann ein Shakespeare? oder "Weinbrand, Rembrandt, die haben auch Radierungen – in den Büchern." Am Ende des Abends halten sich die Zuschauer den Bauch vor Lachen, fordern mehrere Zugaben ein und danken mit lang anhaltendem Applaus. Ein brillanter Abend im Gloria, den keiner so schnell vergessen wird.