Die Vorselektion und die Jurierung der Gastbeiträge hat der Gruppenausstellung „Polygon und Gäste“ gut getan. Selten war eine Jahresausstellung von verschiedenen Künstlern so übersichtlich, harmonisch und doch spannend sowie kontrastreich gestaltet wie diese im Kunsthaus Villa Berberich. Von gegenständlich, figürlich, abstrahiert bis abstrakt finden sich viele Positionen in der Auswahl. Spannend sind vor allem die Gegensätze im gleichen Raum.

Beim Rundgang sieht man, wie groß überhaupt das Spektrum in der Kunst sein kann. Man steht staunend vor den Faltbildern von Gabriele Menzer, aus denen sich Gestalten herausbilden. Oder man überlegt sich, was wohl die „fremden Welten“ sein könnten, die sich Johanna Lietz als Thema gesetzt hat.

Man bewundert mythologische Beiträge wie das alte Ehepaar Philemon und Baucis aus der griechischen Antike, das sich im Alter in Bäume verwandelt, und jetzt in zwei Marmorskulpturen von Bernd Warkentin dasteht.

Bezüge zur italienischen Kunst der Vergangenheit, zur Renaissance, zu Raffael bis hin zu einer Hommage an De Chirico greift Santo Maria Mazza auf. Der Basler Gast benutzt dabei eine ganz moderne Technik: er druckt seine digitalen Bilder aus und übermalt sie.

Eine feste Größe in der Künstlergruppe sind langjährige Mitglieder wie Barbara und Peter Franke. Sie hat wieder große Papierrollen bearbeitet und Collagen, er zeigt witzig-poetische Skulpturen aus Papier und Holz. Von Dieter Linxweiler kennt man seine Figurenpaare, die noch dynamischer in der Bewegung geworden sind.

Interessante zylinderartige Objekte und Formkörper aus Papier und Karton mit räumlichen Strukturen sind von Harmut Siemon zu sehen. Das Künstlerpaar Marianne Wachberger (abstrakte Malerei) und Hannes Wachberger (Holzobjekte) bringt eine harmonische Konstellation zum selben Thema „Keime“, aber jeder auf seine Art, ein.

Das dritte Künstlerpaar, das in Karlsruhe eine eigene Galerie hat, sind Helmut Jungk mit speziell bearbeiteten Fotografien und Gaby Jungk mit gemalten Räumen und Licht. Wolf D. Creutzberg bringt seine Farbholzschnitte in der ihm eigenen Technik mit Räumen und „einfachen Landschaften“.

Ausstellungsmacherin Silvia Seifert ist sowohl als Malerin mit abstrahierten, lichtdurchfluteten Landschaften (aus ihrer Serie „Spiegelung“) wie auch als Bildhauerin mit kontrastreichen, glatt geschliffenen und rau belassenen Marmorköpfen zu entdecken. Künstlerisch eindrucksvoll geht es weiter mit Bernard Chevassus Hommage an Mondrian, Chantal Ferroussiers modernen Keramikarbeiten, Brigitte Prothmanns symbolistischen Figurenbildern und Bruno Siegenthalers Mischtechniken in abstrakt-informeller Richtung.

Von der sparsamen und professionellen Präsentation dieser Gruppenschau zeigte sich der Kunstverein Hochrhein als Veranstalter auf der ganzen Linie begeistert. Vorsitzender Frank van Veen wollte bei der Vernissage aber nicht speziell auf die Lebensdaten der Ausstellenden eingehen, sondern generell „über Kunst reden“.