"Inspiration" nennt Heidemarie Schottmüller ihre Ausstellung im Haus Fischerzunft, in der sie das Publikum an ihren künstlerischen Visionen teilhaben lässt. Dabei macht sie keine Interpretationsvorgaben, sondern überlässt die Deutung dem Betrachter, der aufgefordert wird, "das Bild auf sich wirken zu lassen und zu beobachten, was es mit ihm macht."

Kunst bildet nicht einfach ab, sondern verdichtet, deutet und transzendiert die Realität – sie führt also in eine Sphäre der Freiheit, und dies kam in den drei Liedern zum Ausdruck, mit denen Sonja Schulz die Vernissage am Sonntag umrahmte – eines davon mit einem selbst verfassten Text auf Alemannisch. Sie handelten von der Freiheit und dem Traum vom Fliegen, und diese Themen bestimmten eines der Bilder, für das sich Heidemarie Schottmüller die "musizierenden Engel" des Frührenaissance-Malers Melozzo da Forlì zum Vorbild genommen hatte. Das im Profil wiedergegebene, feine Gesicht wirkt verträumt und zeigt, wie der Engel dem Spiel der Musik hingegeben ist. Mit Goldpaste spielt die Künstlerin auf den für mittelalterliche Bilder typischen Goldgrund an, der die Figuren in eine überirdische Sphäre entrückt.

Die Vorsitzende des Vereins Haus Fischerzunft, Martina Hofmann, lobte die Vielfalt der Formen, Stilrichtungen und Farben, mit denen die Künstlerin das "pralle Leben" wiedergebe, und zwar sowohl realistisch wie auch abstrakt. Zu sehen sind Acrylbilder in Spachteltechnik, wobei Heidemarie Schottmüller die Inspiration aus der Schöpfung und der eigenen Mitte bezieht. Es gelang ihr, das Thema der vier Elemente jeweils in einem einzigen Bild zu vereinen. Verbrannte Landschaften stehen für Feuer und Erde, und die in dominanter blauer Farbe gemalten Elefanten symbolisieren das Wasser (weil Elefanten Wasser aufspüren können) und die Art, wie sie in die Landschaft hineinkomponiert sind, lässt das Element der Luft erahnen. Ein Elefant stürmt beinahe aus dem Bild auf den Betrachter zu, in einem anderen Gemälde schwebt ein blauer Elefantenkopf surreal über der Landschaft.

Ein weiteres Thema der Schopfheimer Künstlerin ist der heimische Schwarzwald, denn "abheben kann man nur, wenn man feste Wurzeln hat". In einer kleinformatigen Serie zeigt sie typische Schwarzwaldhäuser mit ihren schwer lastenden Dächern, wobei die Farbe zum Träger der Stimmungen wird. Einmal erscheinen die Dächer in unwirklichem Rot, dann wieder in den orangebraunen Tönen der Landschaft, was ein Gefühl der Verborgenheit vermittelt, schließlich in tiefem Schwarz, wodurch Gefühle von Enge und Bedrohung evoziert werden.

Zu ihren Lieblingsbildern zählt sie "Mondin", symbolisiert durch eine Frauenfigur, oder das ornamentale Werk "Kalibration", deren Entstehung sie in einem Begleitbuch dokumentiert. Zunächst legt sie die Konturen mit einem großen Schwung fest, dann trägt sie die übrigen Farben und schließlich die Details auf. "Dieser erste Schwung wird oft übermalt, ist aber immer im Bild präsent". Wer sich auf die Reise durch die Etagen des Altstadthauses begibt, kann außerdem Beispiele klassischer Aktmalerei, Landschaftsbilder, surreal anmutende Gemälde oder abstrakte Kompositionen entdecken.