Nach der Entscheidung zur Schließung des Spitals knirscht es zwar noch immer ordentlich im Gebälk und es herrscht allenthalben bei den Akteuren erhebliche Verärgerung über den Ausgang der Kreistagssitzung. Gleichwohl gewinnt der Pragmatismus allmählich die Oberhand. Zähneknirschend sagen CDU und der Förderverein Pro Spital ihre Bereitschaft zu Mitarbeit bei der Umsetzung des Gesundheitscampus' zu. Bürgermeister Alexander Guhl steckt derweil die Grenzen der Zuständigkeit gegenüber der Spitäler Hochrhein GmbH ab.

Nach wie vor ist Guhl davon überzeugt, dass mit dem Campus-Beschluss des Kreistages das "bestmögliche Ergebnis für Bad Säckingen erzielt wurde". Unter anderem sei dies die einzige Möglichkeit gewesen, eine Anlaufstelle im Bereich Notfallversorgung für die Bürger zu erhalten – und zwar dauerhaft: "Wir dürfen auch nicht vergessen, dass so ein Campus nicht an jeder Ecke gebaut wird", sagt Guhl. Noch dazu sei es gelungen, "entgegen aller Widerstände" auch einen stationären Bereich herauszuholen. Andere Klinikstandorte, etwa Rheinfelden oder Schopfheim, verlören ihre Krankenhäuser ersatzlos.

Gleichzeitig weist Guhl ein Mitspracherecht der Spitäler Hochrhein GmbH in Sachen Gesundheitscampus zurück. "Das ist die Sache von Landkreis und Stadt Bad Säckingen." Äußerungen von Spitäler-Chef Hans-Peter Schlaudt zu Art und zeitlicher Planung des Vorhabens seien folglich dessen "persönliche Meinung". Dessen Einschätzung, das bestehende Spitalgebäude könne keinesfalls für den Campus genutzt werden, weist Guhl zurück. Die Bausubstanz werde zunächst geprüft. "Unser Ziel ist, in anderthalb bis zwei Jahren den Betrieb aufzunehmen", stellt Guhl klar. Arbeiten an einem Konzept seien im Gange, vordringliches Ziel sei es, einen Campus-Manager zu finden. "Das soll noch möglichst dieses Jahr erfolgen", so Guhl weiter. Gesucht werde ein Gesundheitsökonom. Auch Akteure in der Region seien aufgerufen, geeignete Leute vorzuschlagen.

In Bad Säckingen haben Verbände und Parteien noch längst keinen Frieden mit der Spitalschließung gemacht. "Den Schaden für den Landkreis vermögen wir heute noch nicht abzuschätzen", konstatiert Beatrix Köster, Vorsitzende des Fördervereins Pro Spital. Der CDU-Stadtverband und die Gemeinderatsfraktion konstatieren: "Wir hätten uns in aller Deutlichkeit gewünscht, dass es zum Schwur kommt." Gleichzeitig kritisieren sie Guhls Kompromissvorschlag, der dies verhindert habe.

Dennoch signalisieren beide Gruppierungen die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, um schnellstmöglich zu einer tragfähigen Lösung für den Campus zu kommen. Beide fordern aber auch eine sichere Übergangslösung, die noch vor Schließung des Spitals in trockene Tücher gepackt sein müsse.