Die aparte Kombination von Violine und Harfe hat am Montag bei dem letzten Sigma-Konzert vor der Sommerpause so viele Zuhörer angelockt, dass der Vortragssaal beinahe an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen wäre. Die aus Amsterdam angereisten Musikerinnen Nina Reddig (Violine) und Miriam Overlach (Harfe) boten ein kleinteiliges Programm mit Werken aus dem Barock, der Spätromantik und der klassischen Moderne.

Vielen der Werke lagen Tanzsätze zu Grunde – zum Teil war die Herkunft aus der Volksmusik deutlich zu hören, zum Teil handelte es sich um stilisierte Kunstmusik, und manchmal war die inhaltliche Fülle so überwältigend, dass sie die Tanzform beinahe sprengte. Zum Auftakt präsentierten sie mit Faurés „Sicilienne“ ein populäres, oft in der Version für Klavier und Violine gespieltes Werk, in dem die Harfe den aus Dreiklangsbrechungen aufgebauten Begleitpart mühelos übernehmen konnte. Die Violinistin spielte mit einem leichten, gleichwohl tragenden Ton und schönem Legato die außerordentlich kantable Melodiestimme.

Ein Originalwerk war Faurés Harfen-Impromptu, das beinahe klischeehaft mit einer Folge von klangrauschartigen Arpeggien und Glissandi sowie einer von reichen Figurationen umrankten Melodielinie begann. Dass die Harfe auch energisch, präzise sowie rhythmisch akzentuiert spielen und ein beachtliches Forte entfalten kann, machte Miriam Overlach im weiteren Verlauf deutlich. Zu den Hauptwerken für Solovioline gehört zweifellos die Ciaconna in d-moll aus Bachs Partita Nr. 2. Die überbordende Gedankenfülle ließ sich kaum noch in die Form einer Variationenfolge gießen. Sehr konzentriert, mit selbstverständlicher Virtuosität und expressiv aufgeladenem Ton meisterte Nina Reddig die schwierigen Akkordgriffe und Läufe.

Die rhythmischen Impulse kamen deutlich zur Geltung, während sie die singenden Passagen mit zurückgenommener Lautstärke und zartem Timbre spielte: Eine differenzierte, mit großen dynamischen Kontrasten arbeitende Wiedergabe, die aber das Barockwerk nie unangemessen romantisierte. Wie barocke Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau klang, zeigte die Harfenistin in zwei kleinen Sonaten Scarlattis, der wie kaum ein anderer die Kunst beherrschte, aus einfachen, klaren Strukturen filigrane Kunstwerke zu schaffen. Auch die klassische Moderne griff gerne auf Tanzformen zurück. Besonders deutlich wurde dies in Granados „Andaluza“, und bei Bartóks „Rumänischen Tänzen“, die mit einem gewissen rustikalen Charme, Melancholie, wilder Ausgelassenheit und virtuosen Ausflügen in höchste Violinlagen (abseits aller Klischees von schluchzenden „Zigeunergeigen“) aufwarteten. Hochkomplex hingegen ist Bartóks Solosonate für Violine, aus der Nina Reddig die beiden Sätze „Melodia“ und „Presto“ spielte: Ein herausforderndes und vielschichtiges Werk von enormem Farbenreichtum, der sogar Vierteltöne umfasste.