Tod und Leben, Trauer und Freude liegen an Ostern dicht beieinander. Zahlreiche Gläubige haben an den Feiertagen in diversen Gottesdiensten des Leidens und der Kreuzigung Christi und seiner Auferstehung gedacht. Die zentrale Botschaft der Kirchen lautete, dass Ostern eine Aufforderung zu einem Aufbruch, gleichsam einer „Auferstehungsbewegung“ sei.

Einzug der Priester und Ministranten mit verhülltem Kreuz am Gründonnerstag.
Einzug der Priester und Ministranten mit verhülltem Kreuz am Gründonnerstag. | Bild: Michael Gottstein

Nachdem die Priester und Ministranten am Gründonnerstag mit verhülltem Kreuz in das Bad Säckinger St.-Fridolins-Münster eingezogen waren, erinnerte der Gottesdienst an das letzte Abendmahl, und die Fußwaschung deutete Dekan Peter Berg in einer speziell an die Kinder gerichteten Predigt als Zeichen der bedingungslosen Hingabe und Liebe Christi zu den Menschen. Während die Karfreitagsliturgie, bei der keine heilige Wandlung stattfand, des Leidens und Sterbens Christi gedachte, standen die Feiern der Osternacht bereits im Zeichen der Vorfreude auf die Auferstehung.

Vor der Kirche St. Peter und Paul wurde die Osterkerze entzündet.
Vor der Kirche St. Peter und Paul wurde die Osterkerze entzündet. | Bild: Michael Gottstein

Die Osternacht feierten Altkatholiken und Protestanten gemeinsam in der St.-Peter-und-Pauls-Kirche auf dem Aufriedhof. Der evangelische Stadtpfarrer Winfried Oelschlegel dankte für die eucharistische Gastfreundschaft: „Da sieht man, was in der Ökumene bereits möglich ist.“ Nach dem Entzünden der Osterkerze hielt die Gemeinschaft der Gläubigen Einzug in die verdunkelte Kirche, die erst mit der Lesung aus dem Lukas-Evangelium und dem Halleluja-Ruf, auf den man seit dem Aschermittwoch verzichtet hatte, in Licht getaucht wurde. In seiner Predigt ging der altkatholische Pfarrer Armin Strenzl auf die Ratlosigkeit der Apostel nach der Kreuzigung und den Berichten vom Verschwinden des Leichnams ein.

Doch der Evangelist erwähnt zwei Frauen, die den Leichnam nicht fanden, dafür aber zwei Männern begegneten, von denen sie aufgefordert wurden, sich an die Worte Christi zu erinnern: „Da ging ihnen ein Licht auf, sie machten sich daraufhin auf den Weg, und die Ratlosigkeit verwandelte sich in Bewegung“, so Pfarrer Strenzl. Wo aus Ratlosigkeit ein Aufbruch werde, wo es den Menschen nicht egal sei, wie sich das Zusammenleben in der Gesellschaft entwickle, wo sie die Gewissheit bekämen, dass Jesus lebe, da könne jeder Morgen ein Ostermorgen werden.

Die Pfarrer Winfried Oelschlegel und Armin Strenzl (von links) bei der ökumenischen Osternachtsfeier in der Kirche St. Peter und Paul.
Die Pfarrer Winfried Oelschlegel und Armin Strenzl (von links) bei der ökumenischen Osternachtsfeier in der Kirche St. Peter und Paul. | Bild: Michael Gottstein

In dem vom Münsterchor festlich umrahmten Hochamt am Sonntag ging Dekan Peter Berg auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris ein: „Er ist das Symbol für eine Kirche, in der es heftig gebrannt hat und brennt“, meinte er in Anspielung auf die Missbrauchsfälle und den daraus resultierenden Vertrauensverlust der Institution Kirche. Der Brand habe zwar die Schönheit der Schatulle zerstört, nicht jedoch deren Inhalt, nämlich das Wort Christi und seine Botschaft der Liebe. Dass die Kirche schon früher in Schwierigkeiten gewesen sei, solle keine Entschuldigung sein, „aber ein Hinweis, wie man mit dieser Situation umgehen kann“.

Dekan Peter Berg bei der Predigt.
Dekan Peter Berg bei der Predigt. | Bild: Michael Gottstein

So habe die junge Gemeinde nach der Kreuzigung Jesu zunächst ihre Mitte verloren. „Doch dann geschah das Menschen-Unmögliche: Die Frauen blieben nicht in Depression zurück, sondern machten sich auf den Weg, um das Grab zu besuchen, mit einem Funken Hoffnung und der Erinnerung an die Worte Jesu im Herzen“. Den Karfreitag brauche man, um sich des Wertes jener Mitte des christlichen Glaubens bewusst zu werden, ohne den die Kirche nur eine Schatulle sei. Ostern sei daher eine Einladung an die Menschen, nicht in Angst zu verharren, sondern sich in festem Vertrauen auf Christi Zusage und Botschaft auf den Weg zu machen. „Dann können wir auch anderen Menschen eine Orientierung geben.“

Protestanten und Altkatholiken feierten gemeinsam die Osternacht in und vor der Kirche St. Peter und Paul.
Protestanten und Altkatholiken feierten gemeinsam die Osternacht in und vor der Kirche St. Peter und Paul. | Bild: Michael Gottstein
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