Bad Säckingen steht unter Schock: Zwei Menschen starben, rund 20 wurden verletzt, als Samstagmittag ein Auto in ein gut besetztes Straßencafé an der Rheinbrückstraße raste. Nach den Ermittlungen der Polizei hatte der 84 Jahre alte Fahrer Brems- und Gaspedal verwechselt.

Der Unfallort
Der Unfallort

Der tragische Unfall geschah etwa 12.15 Uhr. Ein Augenzeuge, der gerade die Volksbank aufsuchen wollte, berichtete unserer Zeitung, dass ein Fahrzeug von der Spitalstraße direkt auf die Freisitze vor der Osteria Bar Eden zufuhr, eine ganze oft mit Gästen besetzte Stuhlreihe teils streifte, teils mitnahm. Die tödlich verletzte Frau, nach Polizeiangaben eine 63-jährige Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz, saß nach Informationen unserer Zeitung an der engsten Stelle der hier beginnenden Rheinbrückstraße. Todesursache waren wahrscheinlich schwere Kopfverletzungen. Das zweite Todesopfer erlag nach Polizeiangaben in einem Basler Spital seinen schweren Verletzungen. Bislang kann die Polizei keine Angaben zu Alter oder Wohnort des Mannes machen.

Die Zahl der Verletzten beträgt rund 20. Davon wurden 13, unter ihnen der später in Basel Verstorbene, mit Rettungsfahrzeugen zur medizinischen Behandlung in verschiedene Kliniken oder zu Rettungshubschraubern gebracht. Die vier eingesetzten Helikopter gehörten ausnahmslos Schweizer Rettungsorganisationen an. Sie landeten und starteten auf der zwischen Rheinkraftwerk und Stadtgärtnerei gelegenen Wiese. In medizinische Behandlung brachten die Helfer auch den Unfallverursacher. Sein laut Polizei mit zwei weiteren Personen besetzter Skoda war vor einem Modegeschäft in der Rheinbrückstraße zum Stehen gekommen.

Nach Zeugenaussagen soll der Mann danach lange Zeit wie unter Schock in seinem Auto verharrt sein. Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem 84-jährigen Mann um einen Einheimischen. Mit ihm im Fahrzeug sollen seine Frau und eine Enkelin gesessen haben.

Die unmittelbar nach dem Unfall von mehreren Personen über die Leitstelle verständigten Polizei- und Rettungskräfte trafen wenige Minuten nach dem Notruf in großer Zahl am Unfallort ein. Gäste und Passanten leisteten dort bereits Erste Hilfe. Polizei und Feuerwehr sperrten den Unfallort sowie den Spitalplatz, einen Teil der Metzgergasse sowie einen Teil der Rheinbrückstraße ab. Um die unmittelbare Unfallstelle herum wurde ein Sichtschutz aus Planen und Wolldecken errichtet. Die Feuerwehr Bad Säckingen war mit rund 40 Personen im Einsatz. Zusätzlich zu den drei diensthabenden Notärzten und den Rettungssanitätern waren laut Feuerwehr auch fünf Ärzte spontan zur Unfallstelle gekommen. Auch Schweizer Sanitätspersonal und Grenzwache waren im Einsatz. Das Technische Hilfswerk machte mit einer Drohne Luftaufnahmen vom Unfallort. Psychologisch geschulte Helfer betreuten die Zeugen. Etwa zehn Personen wurden in einen im Feuerwehrhaus eingerichteten Ruheraum gebracht.

Bürgermeister Alexander Guhl war sofort von einer Tagung in Stuttgart zurück nach Bad Säckingen geeilt, als er von dem Unfall vernommen hatte. An der Unglücksstelle äußerte er seine Hochachtung sowohl für den professionellen Einsatz der Rettungskräfte wie für die spontane Hilfe vieler Bürger in den ersten Minuten nach dem Unfall. Feuerwehrkommandant Tobias Förster sagte, es habe keinerlei Probleme mit Gaffern gegeben.
 

Das berichten Augenzeugen

  • „Die ganze erste Reihe war wegrasiert“, berichtet Bernhard Seeger, Inhaber der den beiden Lokalen gegenüberliegenden Raumausstattung Guttmann. „Der hat Tische und Geschirr vor sich hergeschoben.“ Seeger war durch das Schreien der Menschen aufgeschreckt worden und auf die Straße gelaufen.
  • Beatrice und Gerardo Colicchio wollten, wie jedes Wochenende viele Schweizer, in Bad Säckingen einen Einkaufsbummel machen. Sie aßen im Obergeschoss einer Pizzeria zu Mittag, als sie auf der Straße Lärm hörten, den sie nicht einordnen konnten. „Es hörte sich an, wie wenn etwas runterkracht. Dann schrie eine Frau furchtbar, es hat gescherbelt. Da wussten wir, es musste etwas Furchbares geschehen sein.“ Sie eilten zum Fenster und sahen hinaus auf die Szenerie. Wenige Minuten zuvor waren die Colicchios mit ihrer Tochter hier noch vorbeigelaufen. „Es war für mich wie ein Terroranschlag“, sagt Beatrice Colicchio.
  • Eberhard Rank befand sich gerade auf dem Weg zur Volksbank, als sich das Fahrzeug rund 30 Meter von ihm entfernt in die Menschen fuhr. Es sei aus der Fabrikgasse gekommen und direkt die Osteria Bar Eden zugefahren, habe dort die ersten Stühle gestreift und auf der Weiterfahrt „an der gesamten Längsseite entlang in Richtung Alte Zunft, die dort sitzenden Menschen umgefahren“.
  • Eine Frau, die anonym bleiben möchte, saß an einem Tisch zwischen Osteria und Alter Zunft und sah das Auto auf sich zukommen: „Ich hatte das Gefühl, der ist mit Vollgas gefahren.“ Keine fünf Zentimeter sei das Auto an ihr vorbei. Sie musste mit ansehen, wie eine Frau direkt neben ihr gestreift und von dem Auto an die Wand gedrückt wurde.
  • „Es war wie eine Gasexplosion“, schildert ein Geschäftsmann aus der Rheinrückstraße, der ebenfalls anonym bleiben wollte. Als er auf die Straße lief: „Überall war Blut. Menschen lagen umher, zertrümmerte Stühle und Tische.“ Sofort hätten er selbst, Gäste des Lokals und Passanten Erste Hilfe geleistet.

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