Seit Montagabend darf sich Bad Säckingen nun offiziell „Fairtrade-Stadt“ nennen. Dass sich bürgerschaftliches Engagement auszeichnen kann, bewies einmal mehr die Auszeichnung der Stadt durch die Zertifizierungsorganisation Transfair. Im Trompeterschloss in Bad Säckingen erfolgte in feierlichem Rahmen die Auszeichnung, Transfair-Ehrenbotschafter Manfred Holz überreichte Bürgermeister Alexander Guhl die Urkunde. Bad Säckingen setze mit dem Engagement für den fairen Handel vor Ort ein konkretes Zeichen für eine gerechtere Welt und leiste einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Produzentengruppen im globalen Süden, so der Wortlaut der Urkunde.

Kommunen in 26 Ländern bewerben sich um den Titel Fairtrade-Stadt, so Manfred Holz. Deutschlandweit ist Bad Säckingen nun an Stelle 456, in Baden-Württemberg die Nummer 97. Doch die Stadt kann sich damit nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Der Titel wird nur für zwei Jahre verliehen, danach muss er neu erworben werden. Mit dem Trompeterkaffee fing vor zwölf Jahren alles an, seit 2015 gibt es die faire Stadtschokolade, deren Absatz angekurbelt werden soll. Dabei hofft man darauf, den Preis reduzieren zu können, wie der Umweltbeauftragte der Stadt Bad Säckingen, Ralf Däubler, erklärte.

Däubler hatte die Kampagne für die Auszeichnung maßgeblich begleitet, gemeinsam mit der Steuerungsgruppe. Sie haben viel auf der Agenda für 2017 und 2018: Im nächsten Jahr soll es wieder ein Faires Stadtfest geben, ein Fairtrade-Führer soll entwickelt werden, faire Produkte auf dem Wochenmarkt angeboten, eine Schule als Fairtrade-Schule 2017 ausgezeichnet werden. Vorstellbar wären auch faire T-Shirts für Vereine, als Arbeitskleidung oder für Schulen.

Die Urkunde wurde feierlich überreicht im Beisein zahlreicher Gäste, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Bild: Marion Rank
Die Urkunde wurde feierlich überreicht im Beisein zahlreicher Gäste, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Bild: Marion Rank

„Die Zeit ist reif für ein Umdenken“, sagte Transfair-Ehrenbotschafter Manfred Holz. „Wir brauchen keine Globalisierung der Gleichgültigkeit. Alle haben ihren Beitrag zu leisten.“ Und Willi Moosmann vom Weltlädeli Murg fügte hinzu: „Wir brauchen eine globale Verantwortung. Arme Leute wollen keine Geschenke, sie brauchen eine Chance. Fairtrade-Gemeinden schaffen Räume, wo globale Verantwortung gelebt wird.“

Helmar Burkhart, Rektor der Kinderuni, überreichte Sponsoren, Unterstützern, Vertretern von Schulen und Vereinen fair gehandelte Fuß- und Trainingsbälle, handsigniert vom ehemaligen Fußballspieler und Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld, der als regionaler Fairtrade-Botschafter gewonnen werden konnte. Musikalische Beiträge gab es von der Klasse 9b des Scheffel-Gymnasiums und vom Trompeter von Bad Säckingen, Heinz Blum.

Der Weg zum Titel

Für den Titel Fairtrade-Town muss eine Kommune fünf Kriterien erfüllen, die das Engagement für den fairen Handel in allen Ebenen einer Kommune widerspiegeln: Der Ratsbeschluss, der besagt, dass in allen öffentlichen Sitzungen fair gehandelter Kaffee und ein weiteres fair gehandeltes Produkt ausgeschenkt wird. Die Bildung einer Steuerungsgruppe zur Koordination der Aktivitäten vor Ort, davon müssen drei Personen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sein. Gemessen an der Einwohnerzahl müssen Einzelhandel, Floristen, Cafés und Restaurants mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Öffentliche Einrichtungen, wie Kirchen, Schulen und Vereine müssen Produkte aus fairem Handel verwenden. Begleitende Unterstützung der Medien.