Wohin mit der Trauer um einen geliebten Menschen? Etwa wenn ein Kind stirbt, vielleicht noch ganz jung an Jahren, an einer schweren Krankheit vielleicht, ein tragischer Unfalltod die Liebsten zu früh hinweggerafft hat? Was, wenn die einzige Bezugsperson im Alter – der Ehepartner – gestorben ist? Jeder, egal ob jung oder alt, der einen geliebten Menschen verliert, fällt erst einmal in ein tiefes Loch. Einsamkeit, Schmerz, Verzweiflung. Die Frage nach dem Warum? Und jetzt? Sich im Schmerz begraben oder sich wieder aufrappeln? Doch wie? Ohne fremde Hilfe oft ein langwieriger Prozess. Genau hier setzt das Trauercafé an: Gegründet von der Bad Säckinger Pastoralreferentin Anja Drechsle, Theologin, Klinikseelsorgerin und Trauerbegleiterin und den beiden ausgebildeten Trauerbegleiterinnen Carmen Horvatic aus Bad Säckingen und Martina Brosda aus Murg.

Einmal pro Monat

Am Freitag, 15. März, 16 Uhr, öffnet das Trauercafé zum ersten Mal seine Türen im Café im Seniorenzentrum St. Franziskus in Bad Säckingen. Geleitet wird das Trauercafé von einem Team von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Trauerbegleitern, die dem Tod, der damit verbundenen Trauer und dem Leid regelmäßig ins Gesicht schauen, die dafür ausgebildet wurden, anderen in ihrem Leid beizustehen. Das Trauercafé wird ab März einmal pro Monat geöffnet sein, der Besuch ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Eingeladen, das Trauercafé zu besuchen, ist jeder, der seine eigenen Erfahrungen mit anderen teilen möchte oder andere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen kennenlernen will.

Hilfe durch Erfahrungsaustausch

Die Idee für ein Trauercafé entstand aus den Erfahrungen während den Trauerbegleitungen, erzählt Anja Drechsle. „Ich sehe den Bedarf eines Trauercafés bei Beerdigungen und möchte den Menschen etwas geben, damit sie nicht so allein gelassen sind.“ Auch Carmen Horvatic weiß, was Trauer bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren. Die zweifache Mutter verlor ihren Sohn vor 14 Jahren, er war damals sechs Jahre alt, durch eine lebensbedrohliche Erkrankung. Doch der Tod ihres Kindes traf sie nicht unvorbereitet: Noch während dessen Krankheit knüpfte sie „rechtzeitig und bewusst“ Netzwerke, nahm die Hilfe dankbar an, nutzte Angebote wie Selbsthilfegruppen. „Das hat geholfen, die Trauer zu bewältigen“, sagt Horvatic. Anja Drechsle, Carmen Horvatic und Martina Brosda hatten sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie das Trauercafé aussehen sollte: Der bereits vorhandenen Logistik wegen sollte es ein Café sein, aber eben nicht überfüllt, einen geschützten Raum für die Trauernden bieten. Es sollte zentral gelegen sein, über ausreichend Parkplätze verfügen. Bei ihrer Suche fündig wurden sie beim Altenheim St. Franziskus in Bad Säckingen und dessen Café im Eingangsbereich. Ruhig, eine gemütliche Atmosphäre. Obwohl ein öffentliches Café nicht überfüllt, bietet den benötigten, geschützten Raum. „Das Thema Sterben hat hier seinen Raum“, erklärt Carmen Horvatic. Wichtig ist Brosda, Drechsle und Horvatic, dass ihr Trauercafé ein offenes Angebot darstellt. Anders als in Trauergruppen, Selbsthilfegruppen, wo eine verbindliche Anmeldung erforderlich ist, ist genau dies bei ihrem Trauercafé nicht erforderlich. Trauercafés gibt es zwar auch schon in Laufenburg und in Klettgau, doch jenes in Bad Säckingen unterscheidet sich in einem Punkt von den anderen: Es ist ein neutraler Ort und kein Gemeinderaum. Anja Drechsle erklärt, warum: „Wir haben alle drei einen Bezug zur Kirche, doch wir wollten einen neutralen Ort. Das ist der Grund, warum wir das Café des Altenheimes St. Franziskus ausgesucht haben. „Uns ist ganz wichtig: Jeder kann kommen, konfessionsunabhängig, ob er ein Mitglied der Kirche ist oder ob nicht oder Muslim.“ Horvatic ergänzt: „Einfach jeder, der sich angesprochen fühlt, kann kommen.“

Vertrauen schaffen

Vorgesehen ist, dass jeweils mindestens eine von ihnen, wenn nicht sogar zwei oder alle drei vor Ort sind, wenn die Trauercafés stattfinden. „Das Gespräch untereinander wird großen Raum einnehmen. Wir werden Impulse geben“, sagt Anja Drechsle. „Eventuell ergeben sich aus den Gesprächen Schwerpunktthemen, die für das nächste Trauercafé vorbereitet werden können“, ergänzt Martina Brosda. „Wir wollen schauen, was die Menschen, die kommen, brauchen. Zuerst einmal wollen wir Vertrauen schaffen“, so Carmen Horvatic. Sie und Drechsle gehen davon aus, dass vermehrt Frauen den Weg in das Trauercafé finden werden. Horvatic: „Frauen sind offener, sprechen eher darüber. „Doch Brosda weiß: „Wenn sie den ersten Schritt gemacht haben, merken Männer, dass es ihnen gut tut.“