Die Rheinallee vom Kraftwerk bis zum Gallusturm wird die erste Bad Säckinger Radfahrstraße. Der Gemeinderat hat den Beschluss am Montag mehrheitlich gefasst (zwölf Ja-, neun Nein-Stimmen, eine Enthaltung). Bereits in der vorangegangenen Diskussion hatte Stadträtin Christine Oechslein für die CDU-Fraktion die Ablehnung der Fahrradstraße angekündigt.

Widerstand gab es auch aus den Rheien der Zuhörerschaft. So meldete sich ein Sprecher von mehreren Anwohnern. Er kritisierte, dass sie im Vorfeld nicht in das Verfahren miteinbezogen worden seien. Schon jetzt komme es zu gefährlichen Situationen mit Radfahrern. Die neue Straße werde dann „ein Freibrief für Radfahrer“.

Bürgermeister Guhl verwies auf das Verfahren zum Mobilitätskonzept und die Möglichkeit zur Teilnahme sowie auf den Fahrradbeauftragten als Ansprechpartner. Er versprach jedoch, die Anregung verstärkter Bürgerbeteiligung aufzunehmen. Rechtsamtsleiterin Muriel Schwerdtner sagte, es ändere sich für Anwohner nichts zum Negativen. Sie dürften die Straße nach wie vor mit Autos nutzen, müssten künftig halt mehr auf die Radfahrer achten.

Von der CDU-Fraktion erhielten die anwesenden Anwohner Schützenhilfe. Christine Oechslein bezeichnete eine Fahrradstraße als „grundsätzlich gut“, wenn Bedarf vorhanden und Aufwand im Rahmen sei. Beides sei hier jedoch nicht gegeben, sagte sie. Sie hatte eher das Gefühl, die neue Fahrradstraße solle „ein Aushängeschild“ für die Stadt sein. Das sehe wohl auch der städtische Fahrradbeauftragte Bernhard Biendl so, vermutete Christine Oechslein, da er in einem Leserbrief im SÜDKURIER von „einem Symbol“ gesprochen habe. Die Radstraße in der Rheinallee ist für Oechslein in der Tat nur Symbolpolitik, die Stadt wolle für das Label „fahrradfreundlich“ nun nach ihren Schätzungen 10.000 Euro ausgeben.

Fred Thelen, Fraktionssprecher der Freien Wähler, hielt dagegen. Es sprächen keine wirklichen Gründe gegen die Einrichtung der Fahrradstraaße. Er würde in dem Bereich sogar stärker in die Verkehrsregelung eingreifen und im weiteren Verlauf die Rheinbadstraße für den Verkehr sperren. Gerade von Schweizer Kunden sei dort mitunter ein regelrechter „Parkplatz-Suchverkehr“ und die hintere Seite des Woolworth sei zugeparkt. Guhl bestätigte die Zustände, die Stadtverwaltung habe das registriert, weshalb dort nun verstärkt durch den Gemeindevollzugsdienst kontrolliert werde.

Ruth Cremer-Ricken, Fraktionssprecherin der Grünen, hält die Einrichtung einer Fahrradstraße gerade im Zusammenhang mit Tourismus für sinnvoll. Bad Säckingen werbe mit Radtourismus, deshalb solle dieses Thema auch ausgebaut werden. Zudem sei die Rheinallee Bestandteil eines überregionalen Radweges, der auch gerne von Familien genutzt werde.

Fahrradstraße

Radfahrer haben hier Vorrang. Das heißt, sie haben Vorfahrtsberechtigung, sie dürfen auch nebeneinander fahren. Kfz dürfen die Straße mit entsprechender Berechtigung nutzen. Damit ist Anliegerverkehr erlaubt. In der Straße gilt Höchstgeschwindigkeit 30 Stundenkilometer. Sichtbar gekennzeichnet wird die Radstraße mit Beschilderung, Fahrbahneinengungen und Symbolen auf der Fahrbahn.