Man ist nie zu alt, seine Träume zu leben und zu verwirklichen, egal wie der Rest der Welt darüber denkt. Nach diesem Credo lebt auch die Hauptfigur des neuesten Stückes der Festspielgemeinde Bad Säckingen, Millionärswitwe Ethel P. Savage. Am Freitagabend feierte „Eine etwas sonderbare Dame (The Curious Savage, nach der Komödie von John Patrick) Premiere vor vollbesetztem Haus. Regie zu dieser turbulenten Komödie führte einmal mehr Renate Kraus. Dass sie mit Auswahl, Umsetzung des Theaterstückes und der Besetzung der Charaktere voll ins Schwarze getroffen hatte, zeigte der lange anhaltende Beifall der Theaterbesucher, die sich köstlich amüsierten. Eine großartig agierende Hilde Butz als Ethel P. Savage hatte starke Konkurrenz erhalten von ihren ebenfalls hervorragend spielenden Kollegen.

Dr. Emmet (Günter Kraus), Jeffrey (Kaan Gökcanak), Fairy May (Anne-Kathrin Ragusa), Florence (Sandra Lutz) und Hannibal (Helmut Kaltenbach) von links, versuchen Ethel P. Savage (Hilde Butz) vorn sitzend gegen ihre raffgierigen Stiefkinder zu unterstützen. Bilder: Marion Rank
Dr. Emmet (Günter Kraus), Jeffrey (Kaan Gökcanak), Fairy May (Anne-Kathrin Ragusa), Florence (Sandra Lutz) und Hannibal (Helmut Kaltenbach) von links, versuchen Ethel P. Savage (Hilde Butz) vorn sitzend gegen ihre raffgierigen Stiefkinder zu unterstützen. Bilder: Marion Rank

Liebenswerte Charaktere sind die „Gäste“, die Bewohner der Villa Waldfriede, einer Nervenheilanstalt, mit all ihren Macken. Die überdrehte Fairy May, Hannibal (entlockt seiner Geige nur schräge Töne), Jeffrey, (ehemaliger Flieger, bildet sich ein entstellendes Überbleibsel einer Verletzung auf seiner Wange ein), Florence (kinderlos, sieht in einer Puppe John Thomas, ihren Sohn) und Mrs. Paddy (schlurft mit ernster Miene und im Schlabberlook umher, spricht nicht. Dann und wann bricht es aus ihr heraus: Ein pure Ansammlung von Worten, dann herrscht wieder Totenstille). Betreut werden „die Gäste“ von Mrs. Willi und Dr. Emmet, dem Mann mit dem „Zucker.“

Die raffgierige Brut, Stieftochter Lily Belle und die Stiefsöhne Titus und Samuel (v.li.) platzen schier vor Wut, weil Stiefmutter Ethel sich dumm stellt, was den Aufenthalt des Millionenvermögens angeht. Und manchmal liegt das Gute doch so nah. Bild: Marion Rank
Die raffgierige Brut, Stieftochter Lily Belle und die Stiefsöhne Titus und Samuel (v.li.) platzen schier vor Wut, weil Stiefmutter Ethel sich dumm stellt, was den Aufenthalt des Millionenvermögens angeht. Und manchmal liegt das Gute doch so nah. Bild: Marion Rank

In diese kleine, heile Welt kommt die reiche Millionärswitwe Ethel P. Savage, eingeliefert gegen ihren Willen von ihren Stiefkindern. Sie scheint geistig abwesend, als hätte sie nicht alle sieben Sinne zusammen, schleppt ständig einen Teddy mit sich herum. Ethel weckt das Interesse der Villabewohner, verbreitet ein Flair der großen Welt draußen. Denn „die Gäste“ leben abgeschottet von den Aufregungen der wirklichen Welt. Zeitungen gibt es erst, wenn die aufregenden Neuigkeiten nicht mehr aufregend sind, dem Radio fehlen die Batterien, was bisher niemanden störte.

Hilde Butz spielt im neuesten Stück der Festspielgemeinde Bad Säckingen "Eine etwas sonderbare Dame" die Hauptrolle der Millionärswitwe Ethel P. Savage. Dr. Emmet (Günter Kraus), der Leiter der Villa Waldfriede, versucht der älteren Dame schonend beizubringen, dass ihre Stiefkinder sie in eine Nervenheilanstalt abgeschoben haben. Bild: Marion Rank
Hilde Butz spielt im neuesten Stück der Festspielgemeinde Bad Säckingen "Eine etwas sonderbare Dame" die Hauptrolle der Millionärswitwe Ethel P. Savage. Dr. Emmet (Günter Kraus), der Leiter der Villa Waldfriede, versucht der älteren Dame schonend beizubringen, dass ihre Stiefkinder sie in eine Nervenheilanstalt abgeschoben haben. Bild: Marion Rank

Ethel reißt alle aus ihrer Lethargie heraus mit ihrer Lebensfreude und ihrem Mut, Dinge zu tun, um über sich hinauszuwachsen, die eigenen Grenzen immer weiter zu stecken. Sie färbt sich die Haare, erst wie ein Streifenhörnchen, dann knallig blau, schauspielert, erfüllt sich Träume. Mit dem Geld ihres verstorbenen Mannes plant sie, eine Stiftung zu gründen, um anderen Menschen ungewöhnliche Wünsche zu erfüllen. Das passt den Stiefkindern nicht, sie wollen ans Geld der Stiefmutter. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Doch Ethel ist gewitzt. Sie spielt die raffgierige Brut gegeneinander aus – als da wären etwa die blasierte Lily Belle, die nur zwei Sorgen kennt: Bloß keine Falten im Gesicht und nicht arm zu werden oder Richter Samuel Savage und Senator Titus Savage. Ihr Geld hat Ethel längst in Staatsobligationen angelegt, die Papiere versteckt. Die Habgier bringt die Brut schließlich dazu, Ethel auf den Leim zu gehen, die peinlichsten Dinge zu tun, die sie in der Öffentlichkeit bloßstellen. Am Ende scheint die Verwandtschaft geläutert und einsichtig geworden zu sein, Ethel könnte Waldfriede verlassen. Tja, könnte...

Hilde Butz spielt im neuesten Stück der Festspielgemeinde Bad Säckingen "Eine etwas sonderbare Dame" die Hauptrolle der Millionärswitwe Ethel P. Savage. Bild: Marion Rank
Hilde Butz spielt im neuesten Stück der Festspielgemeinde Bad Säckingen "Eine etwas sonderbare Dame" die Hauptrolle der Millionärswitwe Ethel P. Savage. Bild: Marion Rank

Die Darsteller

  • Mitwirkende: Ethel P. Savage (Hilde Butz), Titus Savage (Gerald Hacker), Samuel Savage (Detlef Bengs), Lily Belle Savage (Luisa Böhler), Fairy May (Anne-Kathrin Ragusa), Florence (Sandra Lutz), Hannibal (Helmut Kaltenbach), Jeffrey (Kaan Gökcanak), Mrs. Paddy (Heike Bengs), Miss Willi (Carla Langer), Dr. Emmet (Günter Kraus), Organisation Sektbar (Heike Bengs), Vorverkauf und Abendkasse (FSG), Technik (Günter Kraus, Peter Heinemann), Souffleuse (Monika Kruse), Bühnenbild (Renate Kraus, Hermann Stöger), Maske (Ruth Nowack), Plakat, Programm, Internet (Detlef Bengs), Fotos (Roberto Pugliatti), Sektbar (Freunde und Mitglieder)
  • Weitere Vorstellungen: Freitag, Samstag und Sonntag, 16., 17. und 18. März; Freitag, Samstag und Sonntag,23., 24. und 25. März, jeweils um 19.30 Uhr. Eintrittspreis: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro (Schuler, Studenten und ALG Ii- Empfänger).

Abendkasse und Sektbar: An den Aufführungstagen ab 18.45 Uhr geöffnet. Kartenbestellungen telefonisch: 07761/99 875 60 nur montags bis freitags von 17 bis 19 Uhr.

Kartenbestellungen Online: Direkt über das Bestellformular. Karten müssen am Auffuhrungsabend bis spätestens 19 Uhr abgeholt und bezahlt werden.