Rein äußerlich erfüllt er so einige Klischees. Doch der arabisch aussehende Mann ist in Bielefeld geboren, aufgewachsen, spricht bestes Deutsch. Der Gute wird pausenlos verkannt, fragt sich, ist er ein deutscher Marokkaner oder ein marokkanischer Deutscher? Etwas von allem wohl.

Wie er mit diesem Dilemma umgeht, zeigte Abdelkarim, der Stand-Up-Comedian aus der Bielefelder Bronx, mit marokkanischen Wurzeln, auf humorvolle Weise am Donnerstagabend im Gloria-Theater in Bad Säckingen. Der Gewinner des Deutschen Fernsehpreises 2018, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Kabarettpreis, bekannt aus zahlreichen Kabarett- und Comedy Sendungen in TV und Radio, präsentierte sein aktuelles Programm „Staatsfreund Nr. 1“.

Abdelkarim ließ das Publikum teilhaben an seinem humoristisch verarbeiteten Leben als Migrant. Die Angst der Menschen vor dem Islam: Abdelkarim erzählt von der Wirkung, die er auf Bahnhöfen erzeugt, wenn er dort mit einem Koffer unterwegs ist.

Hautfarbe und Aussehen machen ihn und auch andere Dunkelhäutige aus eigener Erfahrung immer wieder verdächtig. Er erzählt von der Schwierigkeit, als Muslim einen Lastwagen für einen Umzug zu bekommen, erklärt, warum so viele Muslime Türsteher seien: „Dass wir in die Klubs nicht reinkommen, das wissen wir.“

Kulturschock im Kinderzimmer

Und er berichtet von seiner Kindheit und der Liebe für das St. Martinsfest und den Laternenumzug: „22 Türken und ich in der Dunkelheit, vier deutsche Kinder mit Laternen.“

Zu sehen, dass deutsche Kinder ein eigenes Zimmer hätten und die Eltern vor dem Betreten des Raumes anklopfen würden, hätten bei ihm einen Kulturschock ausgelöst. Abdelkarim, der Junge aus der Bielefelder Bronx, traut sich kaum zu fragen, ob Bad Säckingen eine Bronx hätte: „Gibt es eine Stelle, wo..?" – „Der Bahnhof“, ruft es aus dem Publikum.

"Habt Ihr eine eigene Straßenbahn? Habt Ihr Pferde?" Großes Gelächter. Das Publikum versucht, Abdelkarim zu erklären, was eine Servela ist. Ein Muslim und Wurst? „Man muss Schwein einatmen, ob man will oder nicht“, beschreibt er den Geruch von Wurststullen bei Zugfahrten. „So ne Art Zwangsintegration“, nennt er es. Als Kind kaufte ihm sein Vater einmal versehentlich einen Bifi-Snack, in der Annahme, es sei etwas Süßes, erzählt Abdelkarim.

Am Ende eines sehr vergnüglichen Abends versucht Abdelkarim, eine Bresche zu schlagen für das Zusammenleben mit Migranten: Es geht darum, wie wir miteinander umgehen, wenn wir mal nicht einer Meinung sind. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur der Humor des Abends, sondern auch die leisen Untertöne bei den Zuschauern hängen bleiben werden.