Seit rund einem Jahr dürfen in Bad Säckingen auch Laien und vor allem Frauen – katholische Beerdigungen vornehmen. Bisher war dies Priestern oder Diakonen vorbehalten. Vor rund drei Jahren gab es ein Umdenken in der katholischen Kirche, übertrugen Bischöfe auch Frauen derartige Aufgaben. In der Erzdiözese Freiburg gehören Beerdigungen seit 2015 zu den Aufgaben von Gemeindereferenten und Pastoralreferenten. In Bad Säckingen sind hierfür seit rund einem Jahr die Gemeindereferentin Ulrike Lebert und die Pastoralreferentin Anja Drechsle zuständig.

Seit einem Jahr

Vor rund einem Jahr nahm die gebürtige Fränkin Ulrike Lebert, die seit rund 17 Jahren in Bad Säckingen lebt, ihre Arbeit als Gemeindereferentin in Bad Säckingen für die Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg auf. Gemeinsam mit ihr startete Pastoralreferentin Anja Drechsle. Sie dürfen seit einem Jahr in ihrer Seelsorgeeinheit Beerdigungen durchführen: „Das ist etwas, was noch relativ neu in Bad Säckingen ist“, erzählen Drechsle und Lebert. Eine Begräbnisfeier sei nicht an eine Weihe gebunden, war zuvor eine Zusatzausbildung erforderlich, so sei dies zwischenzeitlich in der Ausbildung verankert, sagt Anja Drechsle.

  • Wie bereiten sich die Frauen auf eine Beerdigung vor? Anja Drechsle und Ulrike Lebert versuchen herauszufinden, wie der Verstorbene war. Was war ihm wichtig, welche Eigenschaften hatte er, wie war die Beziehung zu seinen Angehörigen, wie war seine Lebens-, Krankheits- oder Sterbegeschichte? Danach wählen Lebert und Drechsle ihre jeweiligen Bibeltexte für die Beerdigung aus. Für das richtige Gespür geht Ulrike Lebert auch gerne in das Haus der Trauerfamilie. Wie beim Pfarrer erfolgt ein Trauergespräch mit den Angehörigen, am Beerdigungstag gibt es eine Begräbnisfeier mit Wortgottesdienst, die Segnung des Grabes oder der Urne, die Verbindung zur Taufe herstellen, die Verabschiedung an Sarg oder Urne. „Es gibt keinen Unterschied zu dem, was der Pfarrer macht“, so Drechsle. „Vorgeschriebene Rituale, wie im liturgischen Buch „Die kirchliche Begräbnisfeier – Manuale“, erklären Lebert und Drechsle.
  • Werden die beiden Frauen als „Pfarrerersatz“ akzeptiert? „Manchmal stoßen wir auf Verwunderung, dass die Beerdigung nicht von einem Pfarrer gemacht wird“, erzählen Drechsle und Lebert. „Es gab auch schon Widerstand dagegen, dass ich die Beerdigung durchführe“, sagt Drechsle, was aber selten vorkomme.
  • Wie nahe gehen den beiden Frauen Beerdigungen? „Wenn es Kleinkinder sind – auch wir sind nur Menschen“, gesteht Anja Drechsle ihre Gefühlsregung bei solch einer Beerdigung. Ulrike Lebert versucht für die Hinterbliebenen Worte für den Schmerz zu finden. Schwierig sei, wenn der Tote und seine Angehörigen zerstritten waren, es nichts Gutes zu sagen gäbe. „Ich will ja keine Gräben aufreißen.“
  • Wo liegt die größte Herausforderung ihrer neuen Aufgabe? Da sind sich beide Frauen einig: „Einen guten Weg und gute Worte zu finden.“