Flexibel, vernetzt und nicht mehr an einen Ort gebunden – der Arbeitsplatz der Zukunft wird mit dem unserer Großeltern kaum noch etwas gemeinsam haben. Computer und Smartphone, früher noch Luxus für wenige, sind längst fester Bestandteil unsere Arbeitswelt, man ist fast überall erreichbar. Neben mehr Technik wird die Digitalisierung in Zukunft aber auch unsere Art, zu Arbeiten grundlegend verändern.

Für viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) klingt dezentrales und vernetztes Arbeiten allerdings noch nach ferner Zukunftsmusik, weiß IT-Fachmann Rolf Gallmann aus Wehr. "Dabei ist die Auslagerung verschiedener Dienste in die Cloud schon jetzt ein großer Trend", sagt Gallmann. Daten und mittlerweile auch Software können auf Servern verfügbar gemacht werden und sparen den Unternehmen so teure Eigenanschaffungen. Gerade bei KMUs erlebe er aber oft eine große Skepsis gegenüber diesen neuen Möglichkeiten, obwohl die Server großer Anbieter meistens viel besser gesichert seien als der kleine Rechner im Betrieb, stellt Gallmann fest. Die Verfügbarkeit von Software und Daten sei zudem Grundlage für einen weiteren großen Trend, das dezentrale Arbeiten. In seinen neuen Geschäftsräumen besteht etwa für Gallmanns Mitarbeiter die Möglichkeit, dank Laptop und Internettelefonie problemlos den Schreibtisch zu wechseln: "Der Kunde merkt überhaupt nicht mehr, ob der Techniker daheim oder im Büro sitzt."

Auch im Handwerk hat diese Flexibilisierung bereits Einzug gehalten, etwa wenn der Mitarbeiter für den Kundendienst seine Informationen digital erhält und die notwendigen Ersatzteile per Post. "Viele müssen dann gar nicht mehr den Betrieb selbst aufsuchen", erklärt der Wehrer Elektroinstallateurmeister Benjamin Rüttnauer. Er selbst hat in seinem Betrieb von Anfang an auf digitale Technik gesetzt und seine vier Mitarbeiter mit Tablets ausgestattet. "Der Kunde unterschreibt auf dem Tablet, die Daten gehen dann per E-Mail ans Büro", so Rüttnauer. Auch die Zeiterfassung laufe nur noch digital. Die Arbeitseinsparung muss aber bezahlt werden, vom Mobilfunkvertrag für die Mitarbeiter bis hin zur Software im Büro. "Man kauft sich die Zeitvorteile", fasst es Rüttnauer zusammen.

Ist sein vernetzter Betrieb derzeit eine Ausnahme, wird es zukünftig wohl nicht mehr ohne digitale Technik gehen: "Mit den zusätzlichen Möglichkeiten der Datenerfassung wächst auch schon seit Jahren die Dokumentationspflicht", stellt Rüttnauer fest. Absolute Kontrolle, sowohl des Arbeitnehmers als auch des Arbeitgebers sei bereits jetzt möglich. Eine Kontrolle, die für den Arbeitnehmer auch einen Schutz bedeutet, so Rolf Gallmann, etwa hinsichtlich korrekter Lohnzahlungen. Zudem müsse man als Arbeitgeber auch ein angenehmes soziales Umfeld und entsprechende Freiräume bieten, um gute Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, erläutert der Unternehmer. Hier beobachtet er eine stärkere Vermischung von Arbeit und Privatem, was dem Arbeitsklima zugutekomme.

Der Einsatz von mobilen Rechnern, Telefonen und E-Mails beeinflusst auch die Art, wie wir künftig arbeiten, weiß Thorsten Huber. Gestartet hat der gebürtige Augsburger als Berater für Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen. Heute betreut er unter anderem große Unternehmen bei der Projektgruppenentwicklung. "Die bisher klassisch hierarchische Projektleitung ist in vielen großen Unternehmen schon längst nicht mehr aktuell", weiß Huber. Durch globalisierte Märkte müssen auch Mittelständler schnell auf Marktentwicklungen reagieren, mit langen internen Abstimmungsprozessen gerate man schnell ins Hintertreffen. "Im IT-Bereich ist es mittlerweile üblich, dass sich eine Gruppe projektbezogen zusammenfindet. Das können Festangestellte oder auch Freiberufler sein, die mit viel Freiraum nah am Kunden arbeiten", erläuter Huber. Damit werde auch die klassische Arbeitszeitentlohnung in vielen Bereichen verschwinden. Wichtiger sei dann der Mehrwert, den eine Person für das Unternehmen bringt.

Huber selbst lebt bereits den Trend Dezentralisierung. Für seine Familie ist er ins ländliche Wehr gezogen, für Vorträge und Projekte reist er jeweils zu Unternehmen oder arbeitet auch gleich von daheim aus. Eine Flexibilität, die Vor- und Nachteile hat, weiß Huber aus persönlicher Erfahrung. "Wenn ich für zwei Monate an einem Projekt in Oldenburg arbeite, wäre es schon toll, Frau und Kind mitnehmen zu können. Auf einen kurzfristigen Schulwechsel ist man in Deutschland allerdings nicht eingestellt", sagt Huber.

Dass der Arbeitsmarkt vor einem großen Strukturwandel steht – vom postindustriellen Zeitalter hin zur Industrie 4.0 – stellte bereits die Studie "Arbeitsmarktprognose 2030" im vergangenen Sommer im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) fest. Deutlich wurde in der Studie aber auch, dass positive Effekte auf den Arbeitsmarkt nur durch deutlich mehr Qualifizierung und Weiterbildung bei Arbeitskräften sowie durch die entsprechenden technischen Voraussetzungen zu erreichen ist.

"Viele Betriebe werden sich darum spezialisieren müssen, man kann gar nicht mehr alles anbieten", sagt Elektromeister Rüttnauer. Regelmäßige Weiterbildungen sind für ihn und seine Mitarbeiter schon jetzt ein Muss. Und auch die Infrastruktur müsse mitwachsen, so die IT-Spezialisten Gallmann und Huber. "Hinsichtlich des Ausbaus der Internetverbindungen liegt man in Deutschland einfach deutlich zurück", bedauert Rolf Gallmann.

Industrie 4.0 und Arbeit 4.0

Der Begriff Industrie 4.0 bezieht sich auf den aktuellen Wandel in der Industrie, auch vierte industrielle Revolution genannt. Die erste industrielle Revolution geschah durch die Nutzung von Wasser- und Dampfkraft. Mit der zweiten industriellen Revolution wird die Massenfertigung mithilfe von Fließbändern und Elektrizität beschrieben. Die dritte Revolution erfolgte durch den Einsatz von Elektronik und Computern zur Automatisierung der Produktion. Mit Industrie 4.0 wird mit Bezug auf diese historischen Entwicklungen die zukünftige Entwicklung hin zu Dezentralisierung und digitaler Vernetzung beschrieben werden. Mit dem Begriff Arbeit 4.0 wird dementsprechend die Diskussion über die Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse der Zukunft zusammengefasst.