Wenn Kinder und Jugendliche begeistert vor dem Computer- oder Konsolenspiel sitzen, schauen Eltern oftmals ratlos dabei zu. Diese Ratlosigkeit führt vermehrt zu Missverständnissen zwischen den Generationen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digital Normal“ des Kinder- und Jugendhauses „Altes Gefängnis“ in Bad Säckingen hatten Pädagogen am Montag die Möglichkeit, selbst in die digitale Spielwelt jüngerer Generationen einzutauchen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Das von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) angebotene Format der „Eltern-LAN“ ermöglicht einen geschützten Raum für Menschen, die das erste Mal in Kontakt mit der digitalen Spielwelt treten. „Jugendliche fühlen sich oft missverstanden“, erläuterte Tim Clemenz einer der beiden eingeladenen freien Bildungsreferenten der bpb. Dieses Format helfe Eltern und auch Fachpersonal in die Welt der digitalen Spiele einzutauchen.

Erziehung im Wandel der Zeit

„Anstatt den Kindern und Jugendlichen aufgrund der eigenen Wissenslücke Verbote zu erteilen, sollte man sich mit dem Thema beschäftigen“, betonte Benjamin Götz, freier Bildungsreferent. Es gehe darum, die ältere Generation zu befähigen und ihnen aufzuzeigen, dass sich auch die Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit der Zeit verändert. Medienerziehung wird immer wichtiger. Die digitale Spielewelt ist stets im Wandel und birgt Gefahren, die pädagogisch gesehen lediglich den Weg von der realen in die virtuelle Welt gefunden haben. Denn ob sich die Kinder mit ihrem Taschengeld eine gemischte Tüte am Kiosk kaufen oder etwas in ihrem Videospiel, stellt für Benjamin Götz pädagogisch gesehen keinen Unterschied dar. „In beiden Fällen lernen Kinder mit Geld umzugehen. Unnötig kann man beide Käufe nennen“, so der Referent. Der einzige Unterschied ist, dass die Eltern des Kindes höchstwahrscheinlich selbst ihr Taschengeld am Kiosk ausgegeben haben, aber bisher keinen direkten Kontakt mit der digitalen Welt vorweisen können.

Faszinationskraft von Videospielen

Um diese Lücke zu schließen, haben sich mehr als 15 Fachkräfte dazu entschlossen, an der Eltern-LAN teilzunehmen. Über vier Stunden durften sie selbst Zeuge der Faszinationskraft von Videospielen werden, mit Tastatur und Maus am Laptop ihre Feinmotorik testen und neues Vokabular lernen. Andrea Zimmermann von der Pro Juve Jugendhilfe konnte sich zwar noch an das von Atari in den 70er Jahren veröffentlichte Spiel „Pong“ erinnern, die neue digitale Welt ist ihr jedoch fremd.

„Aufgrund meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es mir wichtig, auch diese Welt kennenzulernen“, so Zimmermann. Katja Mülhaupt, leitende Sozialpädagogin des Bildungszentrums Christiani, stellte sich die Frage, inwieweit sich der Fokus der Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen verändert hat. „Früher ist man noch in einen Verein gegangen. Heute treffen sich Jugendliche vermehrt online“. „In diesem Workshop geht es darum, dass die Teilnehmer selbst aktiv spielen und so auch selbst reflektieren“, erläutert Clemenz.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.