Herr Kaskel, wie sehr wird Ihnen die Arbeit im Kreistag fehlen?

Gar nicht, denn alles hat seine Zeit. Und für mich ist die Zeit gekommen, aufzuhören. Die Arbeit sollen jetzt Jüngere machen.

Das heißt, Sie legen Ihre Hände in den Schoß und genießen Ihren Ruhestand?

(lacht) Nein, ich habe noch genug zu tun. Ich bin immer noch im Vorstand der Bad Säckinger CDU aktiv und seit 1995 bin ich außerdem der Vorsitzende des Diakonievereins Wehr-Öflingen, dem Trägerverein des Hauses der Diakonie für 82 Menschen mit psychischen und körperlichen Schwer- und Schwerstbehinderungen.

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Im Kreistag waren Sie im Gesundheitsausschuss tätig und haben somit die Diskussionen um das Bad Säckinger Spital und dessen folgenden Schließung hautnah miterlebt. Wie ging es Ihnen dabei als Bad Säckinger und Mediziner?

Das hat mich unendlich Kraft und Nerven gekostet. Fakt ist, dass das Krankenhaus in der Trägerschaft des Landkreises Waldshut immer schon defizitär gearbeitet hat. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, hätte es ein deutlich größeres Einzugsgebiet und damit eine deutlich höhere Behandlungsfallzahl benötigt. Schon 1989 wurde in Krankenhauskreisen immer wieder betont, dass das Krankenhaus kaputtgespart würde. Insgesamt war die Bevölkerung sehr gut versorgt, so wie es der Rahmen der Möglichkeiten hergegeben hat.

Im Jahr 2004 wurde die Klinik durch den Landkreis in den Hegau-Bodensee-Verbund eingebracht, richtig?

Ja, der Landkreis als Träger wollte eine finanzielle Verbesserung erzielen, der Verbund hat sich dann in den Hegau-Bodensee-Hochrhein-Verbund (HBH) umbenannt. Ich habe damals gemeinsam mit dem Landrat Bernhard Wütz im Kerngremium des Verbundes, im Aufsichtsrat, mitgearbeitet. Der Landrat war Mitglied kraft Amtes, während ich als Delegierter des Kreisrates mitgearbeitet habe. Insgesamt 4,6 Millionen Euro wurden in den Verbund eingebracht: Zwei Millionen für die Modernisierung der Fahrstühle in der Klinik und für den Brandschutz, der Rest als Verlustausgleich. Mit dem Verbund gab es bald Schwierigkeiten, die finanzielle Situation verschlechterte sich zusehends, die von mir wiederholt angemahnten Investitionen in Bad Säckingen wurden immer weiter verschoben. In Folge dessen wurden Trennungsgespräche mit dem HBH-Verbund geführt, das Krankenhaus Bad Säckingen wurde aus lokalen Gründen mit dem Krankenhaus Waldshut zu den Kliniken Hochrhein fusioniert, mit einem Minoranteil des Landkreises von 40 Prozent an dem Verbund.

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Der Anfang vom Ende des Spitals Bad Säckingen?

Anfangs war der Wille da, beide Häuser weiterzuführen. Jedoch schon nach zwei Jahren hat die Verwaltung des Spitals Waldshut unter dem Geschäftsführer Uwe Lorenz gezielt die Situation im Krankenhaus Bad Säckingen verschlechtert und mit der Zeit Bad Säckingen gezielt runtergefahren, um es schließen zu können. Der Landkreis Waldshut als Minderheitseigner hatte keine Möglichkeit dieses Drama zu beenden. Leider hat auch die Druckkulisse der Bürger aus Bad Säckingen dem Krankenhaus eher geschadet als genutzt. Denn daraufhin hat der östliche Landkreis konsequent auf stur gestellt. Nun, das Ende der Geschichte ist bekannt und Bad Säckingen arbeitet an dem neuen Gesundheitscampus, was ich sehr begrüße.

Sie waren außerdem auch im Bau- und Umweltausschuss tätig. Was blieb Ihnen dabei besonders in Erinnerung?

Ich erinnere mich, 1988 hatten wir bald kein Mülldeponievolumen mehr. Die Prognose lautete damals, dass der Lachengraben nach acht Jahren voll sein wird. Daraufhin hat sich der Landkreis auf die Suche nach einer neuen Deponie gemacht. Es gab riesen Aufstände nach Bekanntwerden der Gutachten, denn keiner wollte die neue Deponie vor der eigenen Haustüre haben, getreu dem Floriansprinzip: Wir brauchen dringend eine Mülldeponie, aber bitte nicht bei uns. Gleichzeitig wurde die Planung einer Müllverbrennungsanlage forciert. Um diese zu vermeiden, hat unsere Arbeitsgruppe zusammen mit Siegfried Tröndle, Friedrich Borger und Heinrich Bernhard ein Konzept entworfen durch Abfallverminderung, Vermeidung und Wiederverwertung den Müll auf 40 Prozent zu reduzieren und den Restmüll zu verbrennen. Wir waren damals schon der Meinung, dass eine Verbrennungsanlage für den Landkreis Waldshut nicht notwendig sei. Und so kam es denn auch. Der Lachengraben ist uns ja dadurch zum Glück erhalten geblieben. Aber die Arbeitsgruppe hat für die damalige Zeit schon sehr visionäre Ideen entwickelt, die dann auch konsequent umgesetzt wurden.

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