Die Anspannung im Gesicht des 32-jährigen Angeklagten wich der Erleichterung, als Margarete Basler das Urteil des Schöffengerichts verlas: eine Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen und wegen der Beschaffung und Verbreitung kinder- sowie jugendpornografischer Schriften. Er entging damit nur knapp einer Haftstrafe. Denn es war nicht das erste Mal, dass der Mann, der in einer Gemeinde am Hochrhein wohnte, wegen derartiger Vergehen vor Gericht stand. Bereits 2012 war er wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt worden. Damals erhielt der Mann eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

Etwa drei Jahre später, Ende 2015, soll der Angeklagte über den Nachrichtendienst Whatsapp wieder Kontakt mit Mädchen im Kindes- und Jugendalter aufgenommen, von ihnen Nacktbilder gefordert, erhalten und auch eigene verschickt haben. Das warf ihm die Staatsanwaltschaft zu Beginn der Verhandlung vor. Mit Gleichgesinnten habe er die Bilder ausgetauscht und im Gegenzug selber kinderpornografische Fotos erhalten. Darauf zu sehen: Mädchen im Alter von acht bis fünfzehn Jahren, leicht bekleidet oder nackt, in aufreizenden Posen oder während sexueller Handlungen mit Erwachsenen.

Nacktbilder der Nichte auf dem Handy

Im April 2016 dann durchsuchten Ermittler die Wohnung des Angeklagten am Hochrhein. Die Nichte des Mannes habe zuvor bemerkt, dass ihr Onkel heimlich Nacktbilder von ihrem Mobiltelefon gestohlen und auf seinem eigenen Handy gespeichert hatte. Das erzählte der leitende Ermittler aus Waldshut, der als Zeuge geladen war, vor Gericht. Dabei soll sie auch die Kinderporno-Sammlung des Beschuldigten entdeckt haben. Auf ihr Drängen hin habe dieser dann Selbstanzeige erstattet. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung beschlagnahmten die Ermittler das Handy sowie den Laptop des Mannes.

Angeklagter von Gerichtsverfahren unbeeindruckt

Doch noch vor Eröffnung des Hauptverfahrens beging der Angeklagte offenbar weitere Straftaten: Anfang 2017 erhielten die Waldshuter Ermittler einen Hinweis des Bundeskriminalamtes, dass über das Facebook-Profil des 32-Jährigen kinderpornografische Inhalte verschickt worden seien. Bei einer erneuten Hausdurchsuchung stellten die Beamten diese dann auf dem Mobiltelefon des Mannes sicher.

"Stimmt das, was in der Anklage steht?", fragte Richterin Basler den 32-Jährigen. "Ja", gestand dieser, betonte aber, das Alter der Mädchen nicht gekannt zu haben. Offenbar unwahr, wie sich im Verlauf des Verfahrens herausstellte: So soll der Mann die Nummern der Mädchen mit Namen und Alter in sein Mobiltelefon eingespeichert haben. Das erklärte der leitende Ermittler. Auch wehrte sich der Beschuldigte gegen den Vorwurf, er habe die Mädchen zum Schicken der Nacktbilder gedrängt. "Die haben das von sich aus getan", sagte er. Chatverläufe, die dem Schöffengericht vorlagen, widerlegten auch das, genauso wie die Aussage eines betroffenen, damals 13-jährigen Mädchens. Kennengelernt habe er die Kinder stets in speziellen "Sex-Gruppen" im Internet, in denen sich offenbar auch Minderjährige tummelten, sagte der 32-Jährige. Dabei sei es aber immer stets beim virtuellen Austausch geblieben, so der Angeklagte weiter. Angefasst habe er nie irgendwen.

Bei Hausdurchsuchung vor einer Woche wieder fündig

Doch damit nicht genug. Denn der Angeklagte war offenbar bis zuletzt erneut straffällig geworden: "Bei einer Hausdurchsuchung vor einer Woche haben wir bei ihm erneut kinder- und jugendpornografische Inhalte gefunden", klärte der leitende Ermittler die vor Gericht Anwesenden auf.

Während des Verfahrens stand auch die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten aufgrund seelischer Störungen im Raum. Mit seinem Gutachten sprach sich der forensische Psychiater jedoch gegen eine Milderung des Strafmaßes aus: "Es gibt keine krankhafte Veränderung", erklärte er vor Gericht. Dafür seien nicht alle Kriterien des Gesetzgebers erfüllt. Er empfahl dem Angeklagten dennoch eine Therapie. "Eine Neigung ist vorhanden. Ich habe die Befürchtung, dass es sich zu einer tatsächlichen Pädophilie entwickeln könnte."

Staatsanwaltschaft fordert Haft

Die Staatsanwaltschaft forderte angesichts der Beweislast eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. "Der Angeklagte hat jugendliche Mädchen wiederholt manipuliert und ausgenutzt", hieß es im Plädoyer. Die Frage der Bewährung stelle sich deshalb nicht mehr. Das sah der Verteidiger des Angeklagten anders: "Im Gefängnis wird ihm sicherlich nicht geholfen", sagte er und sprach sich deshalb für eine Bewährungsstrafe unter Auflage einer Therapie aus.

In ihrem Urteil folgten die Richter der Argumentation des Verteidigers. Neben der Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung machten sie dem Angeklagten die Teilnahme an dem therapeutischen Programm "Kein Täter werden" zur Auflage. Zudem muss er 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. "Es ist ihre allerletzte Chance", betonte Richterin Basler. "Sonst wandern sie in den Knast." Eine Nachfrage des SÜDKURIER bei der Staatsanwaltschaft Waldhut ergab, dass derzeit die Erfolgsaussichten einer Berufung oder einer Revision geprüft werden.