Im Verfahren gegen einen 26-Jährigen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verhängte des Schöffengericht eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Nachdem in erster Sitzung die Beweisaufnahme stattfand, der SÜDKURIER berichtete am 30. April, beinhaltete der zweite Verhandlungstag am Mittwoch lediglich die Plädoyers und Anträge von Staatsanwaltschaft, Nebenklägerin und Verteidigung, sowie die Urteilsfindung durch das Schöffengericht.

Im Verfahren ging es um die Nacht vom 30. Dezember 2020, bei der der Angeklagte, nach Überzeugung des Gerichts, die 22-jährige Geschädigte gegen deren Willen mit dem Finger penetrierte hatte. Dieser Situation waren allerdings mehrere Treffen der junge Leute vorausgegangen bei denen es auch zum Austausch von Küssen gekommen war. So schilderten beide Parteien die Ereignisse synchron, bis zu den entscheidenden Ereignissen in jener Nacht.

Blick auf das Geschehen

Richterin Hauser fasste in ihrer Urteilsverkündung die Geschehnisse zusammen, wie sie nach der Beweisaufnahme, nach Überzeugung des Gerichts, stattgefunden haben mussten. Danach lud der Angeklagte die Geschädigte am 30. Dezember, um 00.30 Uhr zu sich nach Hause ein. Der Kontakt fand über Messenger statt. Zu diesem Zeitpunkt war die Geschädigte davon überzeugt, dass der Angeklagte nur freundschaftliches Interesse an ihr habe. Ihre eigenen Gefühle seien wohl ambivalent gewesen, schlussfolgerte die Vorsitzende. Die jungen Leute sahen sich auf der Couch in der Wohnung des Angeklagten Filme an und redeten viel miteinander über Familie und Freunde und über die Flucht des Angeklagten, der 2015 unter schwierigen Bedingungen aus Syrien nach Deutschland gekommen war.

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Später in der Nacht legte der Angeklagte dann zunächst seien Kopf auf die Schulter der Geschädigten und dann auf ihren Bauch. Die Geschädigte streichelte ihm dann über den Kopf und durch das Haar. Dies, so die Richterin, sei eigentlich schon der Punkt gewesen, an dem eine Grenze zwischen Freunden überschritten worden sei, die die Geschädigte hätte ansprechen können. Dass sie das in diesem Moment nicht tat, so Richterin Hauser, lag wohl an ihren unterschwellig noch vorhandenen Gefühlen für den Angeklagten. Sie habe damit „ambivalente Signale“ ausgesendet, so Hauser.

Als der Angeklagte dann im Weiteren aber die Brust der Geschädigten berührte, habe sie deutlich zu verstehen gegeben, dass sie das nicht wolle. Dennoch habe sich der Angeklagte in diesem Moment nicht zurückgenommen, sondern sogar noch die Hose der Geschädigte geöffnet und seine Hand unter ihren Slip geführt. In diesem Moment sei es dann zu der Penetration gekommen.

Sexuelle Nötigung

Um sich zur Wehr zu setzen, habe die Geschädigte dann mehrfach in das Glied des Angeklagten gekniffen. Daraufhin fixierte er ihre Hand und durch seine Position über ihr, gab er ihr keine Möglichkeit sich seiner Handlung zu entziehen. Durch dieses Fixieren in Verbindung mit dem Einführen seines Fingers, gegen den erkennbaren Willen der Geschädigten, erfüllte der Angeklagte die Tatbestandsmerkmale der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung.

Bewährungszeit beträgt zwei Jahre

Der Anträge von Staatsanwaltschaft und Nebenklage auf zwei Jahre Haft auf Bewährung folgte das Schöffengericht eben sowenig, wie dem Antrag der Verteidigung auf Freispruch des Angeklagten. Richterin Hauser und die Schöffen erkannten, aufgrund der Gesamtumstände, nicht auf den „Regelfall“. Somit war es ihnen möglich die Freiheitsstrafe auf ein Jahr festzulegen. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Der Angeklagte hat zudem als Bewährungsauflage eine Zahlung von 1000 Euro an den Verein „Frauen für Frauen gegen Gewalt e.V.“ in Waldshut-Tiengen zu leisten. Ob ihm ausländerrechtliche Konsequenzen drohen, ist noch offen.