Eltern sind in der Regel ratlos, wenn sie feststellen müssen, dass ihr Kind sich plötzlich nicht mehr „normal“ verhält. „Was haben wir bloß falsch gemacht?“, ist oft die erste Reaktion. Dann kommen Angst oder Vorwürfe. Für die Familie ist es schwierig zu akzeptieren, dass eins ihrer Mitglieder an einer psychischen Erkrankung leiden könnte, die professionelle Hilfe erfordert. Das gilt ganz besonders für die Eltern: Denn ihre Kinder bleiben – auch wenn sie längst erwachsen sind – für sie „Kind“, ein Leben lang. Ganz gleich, wie alt sie sind.

Die Oberberg Fachklinik Rhein-Jura konzentriert sich unter anderem auf die Behandlung junger Erwachsener. Die Psychotherapie, die auf der kognitiven Verhaltenstherapie basiert, wurde speziell für Menschen entwickelt, die sich vom Leben überfordert fühlen und Unterstützung zur Bewältigung ihres Erwachsenwerdens benötigen.

„Je nach individueller Diagnose und Schweregrad der Krankheit kombinieren wir bewährte und innovative psychotherapeutische, pharmakologische Behandlungsverfahren mit beispielsweise bewegungs- und kreativ-therapeutischen Bausteinen. Außerdem arbeiten wir eng mit Ärzten vielfältiger Fachrichtungen und Kliniken vor Ort zusammen, um unseren Patientinnen und Patienten eine umfassende medizinische Betreuung bieten zu können“, erklärt Privat-Dozent Dr. med. Andreas Jähne, Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie, Oberberg Fachklinik Rhein-Jura.

„Die Synthese aus wissenschaftlich fundiertem Grundkonzept und patientenorientierter Behandlung hat sich als erfolgreiche Behandlungsstrategie bewährt. Daran werden wir in der Fachklinik Rhein-Jura in Bad Säckingen festhalten und unser Behandlungskonzept stets anhand neuester Erkenntnisse weiterentwickeln.“ Das gilt für erwachsene Patientinnen und Patienten jeder Altersstufe.

„Depressionen treten in jedem Alter auf“

<p>Andreas Jähne ist seit drei Jahren der ärztliche Direktor der Oberberg-Fachklinik Rhein-Jura. <br /><em>Bild: Susanne Kanele</em></p>

Andreas Jähne ist seit drei Jahren der ärztliche Direktor der Oberberg-Fachklinik Rhein-Jura.
Bild: Susanne Kanele

Drei Fragen zur Depression an Andreas Jähne, Ärztlicher Leiter der Rhein-Jura-Klinik.

Herr Jähne, wer wird depressiv?

Depressionen treten in jedem Alter auf. Es kann junge Menschen treffen, Menschen mit Midlife Crisis, aber auch Menschen, die ihre aktive Arbeitszeit bereits hinter sich haben. Auch die vermeintlich Starken bilden keine Ausnahme.

Wie erkennt man eine Depression?

Wir kennen Patienten, die nach außen immer lächeln, obwohl sie sich innerlich zerbrochen fühlen. Im beruflichen Umfeld ist es schwer, eine Depression zu erkennen. Und auch im Privaten sieht die Familie nicht unbedingt, ob es sich um eine Depression handelt. Häufig wird das Verhalten fehlinterpretiert. Vorschläge, vielleicht einmal abzuschalten und in den Urlaub zu fahren, sind zwecklos. Ebenso kontraproduktiv sind Sprüche wie „Nun reiß‘ dich doch mal zusammen!“ oder „Ich verstehe gar nicht, wieso du so depressiv bist – uns geht es doch gut!“, denn das würde die vorhandenen Schuldgefühle mit ziemlicher Sicherheit nur verstärken. Dasselbe gilt auch für ständige Aufmunterungen wie „Du musst einfach mal positiv denken!“ oder „Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer!“ All das hilft nicht.

Wie lautet Ihr Rat?

Wir können nur empfehlen, bei einem begründeten Verdacht so rasch wie möglich einen Arzt oder einen Therapeuten aufzusuchen, um die Anzeichen oder auch das eventuell geänderte Verhalten in bestimmten Situationen abklären zu lassen. Damit verringert der Patient die Gefahr, dass sich eine eventuell bereits bestehende Depression verstärkt, weitere psychische Erkrankungen wie etwa Zwangs- und Angststörungen auslöst oder sich zu einer schweren chronischen Depression entwickelt. Wichtig ist auch, dass der Betroffene die Diagnose akzeptiert, die Depression als ganz „normale“ Erkrankung wertet und keine Schuldgefühle wegen des Leidens entwickelt. Eine Depression ist immer unverschuldet. Depression ist keine Schwäche.

Fragen: Susanne Kanele

Zur Person

Andreas Jähne, arztlicher Direktor der Klinik und Leiter der Abteilung Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie, hat vor drei Jahren die ärztliche Leitung übernommen.