Zu Beginn des Frühjahrs, wenn die Temperaturen steigen und es Regenwetter gibt, beginnt die Wanderung der Amphibien, also Molche, Frösche und Kröten, die von ihren Winterquartieren hin zu den Laichgewässern unterwegs sind. Dazu müssen die Tiere oftmals stark befahrene Straßen überqueren.

Zeiten, in denen die Ortsgruppen des BUND in Alarmbereitschaft stehen, um die Tiere vor dem Verkehrstod zu retten. Das rief Verkehrsminister Winfried Hermann auf den Plan, der an die Verkehrsteilnehmer appellierte: „Fahren Sie im Bereich der Amphibienwanderungen bitte vorsichtig und mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit, einmal zum Schutz der Amphibien, in besonderem Maße aber auch zum Schutz der zahlreichen Helferinnen und Helfer, die mobile Fangzäune aufstellen und die Tiere auf die andere Straßenseite bringen. Eine aufwendige Arbeit, da die Zäune und Eimer täglich kontrolliert werden müssen.“

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Hans Jürgen Bannasch aus Eschbach, Mitglied des BUND Waldshut-Tiengen, beschreibt die Situation so: Bekannt ist die Tatsache, dass die meisten Amphibien zur Fortpflanzung und zum Ablaichen an stehende oder sehr ruhig fließende Gewässer gebunden sind, in denen sie sich selber entwickelt haben. Nach der Verwandlung von der Kaulquappe zum Frosch oder zur Kröte verlassen sie ihre Laichgewässer und suchen für ihre weitere Entwicklung bis zum geschlechtsreifen Tier einen artgerechten Lebensraum auf.

Die Lebensräume

Dazu gehören feuchte Laubwälder und naturnahe, von Bächen durchflossene Wiesentäler. „Nadelwälder und intensiv genutzte Kulturlandschaften eignen sich nicht“, so Bannasch. Vom Winterquartier brechen sie im Frühjahr zur Laichwanderung auf, hin zu den Gewässern, in denen ihre Jugendentwicklung stattgefunden hat. Auch der BUND Waldshut-Tiengen hat früher auf dem Aarberg Fangzäune eingerichtet, Arbeiten, die mit dem Rückgang der Wanderbewegung eingestellt wurden.

Der Schwerpunkt

Einer der Hotspots der Amphibienwanderung ist ein Straßenabschnitt der L 154 bei Unteralpfen. Hier legt der BUND Albbruck seit mehr als 30 Jahren Fangzäune an. Auch jetzt ist es wieder so weit: Es ist sonnig, aber es weht ein kalter Wind. Kein guter Tag für Frösche und Kröten. Trotzdem sind zehn Mitglieder im Einsatz, um die rund 50 Zentimeter hohen Schutzzäune an den Straßenrändern zu verankern und die Fangeimer in den Boden einzulassen.

Die Amphibienzäune sind rund 50 Zentimeter hoch und müssen unten beschwert werden.
Die Amphibienzäune sind rund 50 Zentimeter hoch und müssen unten beschwert werden. | Bild: Manfred Dinort

Es werden Pfosten eingeschlagen, an denen die Netze aus Kunststoff befestigt werden. Die Zäune müssen am Boden anliegen und beschwert werden, damit sie gut gegen Sturm und Fahrtwind gesichert sind. Regie führt Helmut Pfeiffer aus Etzwihl: „Im letzten Jahr kam nochmals Schnee und der Schneepflug hat uns alles wieder weggerissen.“ In diesem Straßenabschnitt wurden erstmals 1988 Zäune angelegt. Anlass waren die Hiobsbotschaften über die vielen totgefahrenen Frösche und Kröten. „Da müssen wir was machen“, lautete die Parole beim BUND.

Auch kleine Helfer waren willkommen: Urs Gassmann hat seine Tochter Hannah mitgebracht.
Auch kleine Helfer waren willkommen: Urs Gassmann hat seine Tochter Hannah mitgebracht. | Bild: Manfred Dinort

Beim ersten Mal wurden 400 Frösche und 50 Kröten eingesammelt. Ein Rekordjahr war 2015, als 1000 Frösche und 1100 Kröten eingefangen und zu ihren Laichplätzen auf der anderen Seite gebracht werden konnten. Anfangs waren die Laichplätze stark begrenzt, es gab nur einige Gräben und daneben die Kläranlage. „Viele landeten auch in der Kläranlage und kamen nicht mehr raus“, erinnert sich Helmut Pfeiffer. Andere fallen in Gullys oder Abflüsse, da werde zu wenig gemacht, um die Tiere zu schützen, beklagt er.

Zu beiden Seiten der ehemaligen Kläranlage bei Unteralpfen liegen die Tümpel, die den Amhibien als Laichplätze dienen. Links Helmut Pfeiffer.
Zu beiden Seiten der ehemaligen Kläranlage bei Unteralpfen liegen die Tümpel, die den Amhibien als Laichplätze dienen. Links Helmut Pfeiffer. | Bild: Manfred Dinort

Dann begann die Ortsgruppe, weitere Mini-Teiche anzulegen, erst von Hand, später mit dem Bagger, auch am Steinbach, am Stieg und in Schachen. „Eigentlich wäre es die Aufgabe unserer Gesellschaft, sich zu kümmern“, sagt er, stattdessen seien es immer „die gleichen Trottel“, die sich jedes Jahr damit abmühten. Langfristig müsste es das Ziel sein, Durchlässe für die Tiere in die Straßen einzuarbeiten. Das sei auch für die Rückwanderung wichtig, „da viele Tiere erst mit der Rückkehr beginnen, wenn wir die Zäune bereits wieder abgebaut haben.“ Weiter wies Helmut Pfeiffer auch auf Änderungen im Verhalten der Tiere hin. So gab es früher starke Wanderbewegungen an der Straße von Dogern nach Birkingen. Dann ging hier die Zahl der Tiere so stark zurück, dass es keinen Sinn mehr hatte, Zäune aufzustellen.