Zur öffentlichen Sitzung traf sich der Gemeinderat mit Forstbezirksleiter Markus Rothmund und Revierförster Wolfgang Walz im gemeindeeigenen Waldgebiet beim „Roten Kreuz“, Gemarkung Unteralpfen. Dabei ging es auch um eine grundlegende Frage: „Kann der Wald auch in Zukunft noch seine ökologischen Funktionen erfüllen?“ Jedenfalls habe die Gemeinde schon frühzeitig begonnen, den Wald umzubauen und ihn zukunftsfähig zu gestalten, so Bürgermeister Stefan Kaiser. „Ob wir dabei alles richtig gemacht haben, das wird sich vielleicht erst nach Jahrzehnten zeigen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Markus Rothmund beklagte, dass im Landkreis bereits 4000 Hektar Fichtenbestände abgestorben seien. Große Mengen wurden eingeschlagen, „zum Ende des Jahres werden es 650.000 Fm sein“. Bei der Aufarbeitung habe allerdings Covid-19 einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, die Grenzen, etwa nach Frankreich, wurden geschlossen und viele Sägewerke standen still. Wolfgang Walz, seit 2007 Revierförster in Albbruck, erklärte, er habe sich von Anfang an für eine Naturverjüngung eingesetzt, auch wenn damals niemand mit klimatischen Veränderungen dieses Ausmaßes gerechnet habe. „Jetzt ist daraus ein regelrechter Flächenbrand geworden“, so Walz.

Das könnte Sie auch interessieren

Dann habe er überlegt: „Was muss man tun, damit am Ende nicht das ganze Ökosystem kaputtgeht?“ Dabei sei für ihn von vornherein klar gewesen: „Ich will keine Kahlschläge, die Flächen trocknen aus, Hecken und Farne nehmen überhand, erschweren das Aufforsten und der Wald verliert für viele Jahre seine ökologische Funktion“. Wichtig sei, neue, klimastabilere Arten einzubringen und einen Wald aufzubauen, wie er heute etwa im Tessin anzutreffen sei.

Das könnte Sie auch interessieren

In Frage kämen rund zehn Baumarten. Aber auch die Fichte behalte in seinem Konzept eine wichtige Funktion, „sie hilft, das Unkraut klein zu halten und Schatten zu spenden“. Ist das Totholz bruchgefährdet, müssten die Wälder abgesperrt werden. Um die vorhandenen Lücken im Gemeindewald zu schließen, seien im Herbst und Frühjahr große Pflanzaktionen mit freiwilligen Helfern geplant. Dabei hilft das Land: Die Aufarbeitungshilfe wird auf sechs Euro je Festmeter verdoppelt und auch die Sätze für die Wiederbewaldung werden erhöht. Wolfgang Walz: „Unser Ziel ist es, bis 2050 einen klimastabilen Wald hochzuziehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Das neue Pflanzkonzept sieht vor: Fichten-Totholz bleibt überwiegend stehen, die Fichten-Verjüngung wird fortgesetzt, aber mit einem Ernteziel von 30 bis 40 Jahren. Neben Weißtanne wachsen auch natürliche Bestände wie Buche, Kiefer und Douglasie nach. Hinzu kommen neue, klimastabile Baumarten wie Esskastanie, Linde, Bergahorn, Roteiche sowie Elsbeere und Traubeneiche auf Kalkböden und Rot-Erle auf feuchten Standorten.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €