Ruhe haben und im Grünen wohnen. So stellt man sich das Leben auf dem Lande vor. Aber auch hier expandieren Gewerbegebiete und das kann zu Problemen führen, wie das derzeit in Unteralpfen der Fall ist.

Hier hat sich eine Nachbarschaftsinitiative formiert, um den Ausbau des Gewerbegebietes „Lehhalde“ in Grenzen zu halten. Als Sprecher der Initiative erklärt Anlieger Rolf Kuttruff: „Wichtig ist mir, mich von den anonymen Briefen zu distanzieren, die inzwischen in Umlauf gebracht wurden.“ Stein des Anstoßes sind die Erweiterungspläne für das Gebiet „Lehhalde“, das ursprünglich als Mischgebiet ausgewiesen war.

„Scheibchentaktik“, formulieren es die Anlieger. Geplant sind eine weitere Lagerhalle und ein mehrstöckiges Bürogebäude mit Wohnung. Die entsprechenden Pläne wurden vom Bauherrn an die Gemeindeverwaltung eingereicht und in der Sitzung am 27. April vom Gemeinderat gebilligt. „Wünschenswert wäre ein stufenförmiger Übergang vom Wohngebiet unterhalb zum Gewerbegebiet“, so Kuttruff.

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Zudem würden die geplanten Gebäude, aufgrund der Hanglage, noch höher wirken als sie tatsächlich seien. Traufhöhen von sieben Metern für die Hallen und von zehn Metern für das Bürogebäude, das sei aus seiner Sicht völlig überzogen. „Warum hier eine Hallenhöhe von sieben Metern eingeplant wurde, ist eigentlich nicht nachvollziehbar, da der Altbestand, der sich in dieser Form harmonisch in das Gesamtbild einfügt, deutlich niedriger ist.“ Ausgleichsmaßnahmen seien offenbar nicht vorgesehen, eine Bepflanzung sei jedoch geeignet, die langen Hallenfronten aufzulockern, so Kuttruff. Auch das geplante Bürogebäude könnte in Flachbauweise realisiert werden.

Kritisiert wird von der Initiative auch die Zufahrtsstraße, die viel zu schmal sei, um den künftigen LKW-Verkehr aufzunehmen. Für Fußgänger könne es dann sehr eng werden. „Mit den aktuellen Erweiterungsplänen geht der ursprüngliche Charakter eines Mischgebietes endgültig verloren“, beklagt Kuttruff.

Die Planung hätte auch massive Auswirkungen für die östlich und nördlich angrenzenden Wohngebiete, denn hier werde, so die Sorge der Anlieger, die Wohnqualität deutlich beeinträchtigt, einhergehend mit einem Wertverlust der Immobilien. Unverständlich sei auch, dass hier, an den Hängen des Estelberges, große Gewerbeflächen ausgewiesen werden, obwohl weiter unten im Dorf noch genügend freie Gewerbeflächen zur Verfügung stünden. Rolf Kuttruff: „Es geht uns nicht darum, mit einer Blockadehaltung alles zu verhindern, sondern einen Kompromiss zu finden, der für beide Seiten akzeptabel ist.“

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Bürgermeister Stefan Kaiser erklärte zum Verfahrensablauf: „Der Gemeinderat hat bisher lediglich beschlossen, ein Änderungsverfahren einzuleiten und in der Offenlage die zuständigen Behörden, Träger öffentlicher Belange und Bürgerinnen Bürger zu beteiligen“. Die Auswertung der Rückläufe werde noch einige Zeit dauern.

Antragsteller will Anwohner und Verwaltung über Pläne informieren

Auf Anraten der Verwaltung werde der Vorhabensträger eine Informationsveranstaltung für die Anwohner durchführen. Die Gemeindeverwaltung sei dabei vertreten, um mögliche Fragen zu beantworten. „Nach Auswertung der eingegangenen Anregungen und Bedenken werden diese dem Gemeinderat zur weiteren Beratung und Entscheidung vorgelegt“. Dies werde frühestens im Herbst der Fall sein. Stefan Kaiser: „Das Verfahren läuft, der Ausgang ist offen.“ Daniel Moser, Antragsteller und Eigentümer des Gewerbeareals, kündigte für Mittwoch, 15. Juli, 17 Uhr, eine Infoveranstaltung für die Nachbarn, Gemeinderäte und Verwaltung an.

In einer öffentlichen Sitzung am 27. April 2020 beschloss der Gemeinderat, den Bebauungsplan Lehhalde im beschleunigten Verfahren zu ändern. Die Begründung: Ein ansässiger Gewerbebetrieb benötigt Platz für die Erweiterung der Produktions- und Lagerhallen sowie des Bürogebäudes. Beschlossen wurde auch, das bisherige Mischgebiet, das so nicht mehr haltbar gewesen wäre, in ein eingeschränktes Gewerbegebiet zu ändern.

Für den Bereich des Bürogebäudes ist in der Neuplanung eine dreigeschossige Bebauung vorgesehen. Dabei wurde von der Verwaltung festgestellt: „Die Bebauungsplanänderung führt nicht zu städtebaulichen Spannungen, da überwiegend die bisherigen Vorgaben übernommen werden und vom Gewerbegebiet keine Emissionen ausgehen, die über die in einem Mischgebiet zulässigen Grenzwerte hinausgehen.“