Herr Albiez, wie sind Sie zur Musik gekommen?

Ich kam bereits im frühesten Kindesalter mit der Musik in Berührung. Beide Familien meiner Eltern sind musikalisch aktiv. Mein Vater spielt seit fast 50 Jahren beim MVU, meine Mutter singt beim Gemischten Chor in Buch mit, wo ihr Vater Franz Kuttruff, also mein Opa, Dirigent ist. Meine beiden Brüder spielen ebenfalls Instrumente. Fast könnte man sagen, mir wurde die Musik in die Wiege gelegt.

Haben Sie eine besondere musikalische Ausbildung genossen?

Besonders würde ich nicht sagen, aber vielfältig. Mit sechs Jahren habe ich Klavier auf der Musikschule gelernt, mit zehn kam das Schlagzeug dazu und mit vierzehn die Trompete. Auf dem Weg zum Musik-Abitur habe ich dann auch viel Theorie erlernen müssen und dürfen. Sehr viel habe ich gelernt, als ich Blasmusik-Stücke für die Gupfe-Fläxer arrangiert habe, deren Dirigent ich 15 Jahre war. Auch die Zeit im Verbandsjugendorchester hat mir viel gebracht. Und jede Band, in der ich gespielt habe oder immer noch spiele, hat mir was gebracht, weil man dabei andere Musiker kennen lernt und ihre Art, Musik zu machen. Ich habe schon immer nach pragmatischen Wegen gesucht und dabei viel ausprobiert. Dabei habe ich weniger auf die Liedtexte der Chart-Hits gehört, sondern viel stärker auf die Akkorde. So habe ich auf den unterschiedlichsten Kanälen versucht, Musik zu erlernen. Damit bin ich aber noch lange nicht fertig, zum Glück.

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Wann haben Sie zum ersten Mal beim MVU dirigiert?

Als ich 18 Jahre alt war, in Vertretung unseres Ehrendirigenten Markus Hoppe. In der Zeit habe ich auch das Amt des Vizedirigenten übernommen.

Warum haben Sie vor drei Jahren nicht direkt die Nachfolge von Markus Hoppe angetreten?

Nach der erfolgreichen Zeit mit Markus war es für den Verein wichtig, eine externe Lösung zu suchen, um einen neuen Input rein zu bringen. Ich selber wäre ja nicht neu gewesen, weil ich 17 Jahre Vizedirigent war. Außerdem hatte ich riesigen Respekt vor den großen Fußstapfen, die Markus hinterlassen hatte. Man darf nicht vergessen, unter seiner Leitung sind wir zu einem tollen Orchester herangereift, das es beim Jahreskonzert immer schaffte, an zwei Tagen eine volle Hütte zu haben. Ich habe mir das damals einfach noch nicht zugetraut.

Nun haben Sie Gottfried Hummel abgelöst. Und trotz Corona musste geprobt werden, um sich auf das Jahreskonzert vorzubereiten. Das war sicher nicht einfach.

Nein, einfach war es nicht. Allerdings hatten wir das Glück, dass wir im Sommer einen schönen Einstieg hatten und eine Musikerhochzeit mitgestalten durften, bevor im September die Vorbereitungen für das Jahreskonzert losgingen. Zudem gab es mit mir ja auch einen Dirigenten-Wechsel. Aus dieser Mischung resultierte ein wahnsinnig guter Probenbesuch. Das muss ich meinen Musikern hoch anrechnen. Ich bin froh über diese Entwicklung und den großen Vertrauensvorschuss. Es war auch total schön zu erleben, dass wir keine Abmeldung hatten. Darüber war ich sehr erleichtert, denn es hätte ja auch sein können, dass der eine oder andere sagt, „wenns der Albiez macht, komm ich nicht mehr. Und das war offensichtlich nicht der Fall.

Sicher ist es nicht leicht, ein passendes Programm zusammen zu stellen. Auf was kommt es dabei an?

Wie bereits erwähnt, ist mein Opa Chor-Dirigent. Wer den Chor aus Buch kennt, der weiß, dass der Fokus auf der Unterhaltung liegt. Damit bin ich aufgewachsen und deshalb steht bei mir die Unterhaltung der Zuhörer und auch der Musiker im Vordergrund der Programmauswahl. Ich hätte gerne etwas mehr Stücke aus den aktuellen Charts dabei, aber da gibt es leider nur sehr wenige Arrangements. Die Noten-Verlage hinken hier noch etwas hinterher. Mit dem Erfolg neuer Blasmusik-Bands, wie zum Beispiel den Fäaschtbänklern, habe ich aber Hoffnung, dass sich das ändert. Bei der Programm-Zusammenstellung ist es mir auch wichtig, viele Meinungen einfließen zu lassen. Mit Markus, mit meiner Vize-Dirigentin Tamara Hoppe oder mit befreundeten Dirigenten habe ich hier auch kompetente Ansprechpartner. Der MVU war noch nie eine One-Man-Show und wird es auch nie sein. Da finde ich es toll, wenn viele Team-Mitglieder der Meinung sind, die Titel passen, denn dann ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie wirklich den Geschmack des Publikums treffen.

In den letzten Jahren gab es immer schöne Einlagen aus aktuellen Musicals, die von den Jungmusikern inszeniert wurden. Ist das diesmal auch geplant?

Die angesprochenen Jungmusiker sind mittlerweile gar nicht mehr so jung. Aber ja, absolut, ich setze wieder darauf. Das ist Teil unseres Erfolgs und wieso soll ich etwas Erfolgreiches ändern, zumal wir eine tolle kreative Gruppe haben.

Jetzt haben Sie die Konsequenzen aus den steigenden Corona-Zahlen gezogen und das Jahreskonzert verschoben. War es ein schwerer Entschluss?

Es war insofern nicht sehr schwer, weil es ein richtiger Entschluss war. Andrerseits war es sehr schade, weil wir uns alle auf die Konzert-Tage gefreut hatten. Dabei war ich mir mit meinen beiden Vorständen einig.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wir planen das Konzert im Frühjahr nachzuholen. Einen Termin gibt es noch nicht, da wir Rücksicht auf die traditionellen Frühjahrskonzerte anderer Vereine nehmen möchten. Am 4. Adventssonntag möchten wir, sofern es die Corona-Lage erlaubt, an verschiedenen Stellen im Dorf ein paar Weihnachtslieder spielen.