Um die Begrüßung und Vorstellung des Betriebs nicht zu trocken zu gestalten, entschied sich Geschäftsführer Daniel Morath dazu, beides auf Alemannisch zu halten.

Gleich im Anschluss nutzte er die Chance, in einer Diskussionsrunde mit dem hohen Besuch ein brennendes Thema aus der Region anzusprechen: Die Sperrung der Albtalstraße. „Wenn Sie schon hier sind, müssen Sie jetzt auch zuhören“, erklärte Morath augenzwinkernd. Angefangen hat alles mit einem Steinschlag im Jahr 2015. Seitdem ist ein Abschnitt der Straße gesperrt. „Wir waren hier in Birndorf von Anfang an hautnah dabei.“

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An vorderster Stelle kritisierte der Unternehmer die Bürokratie, die die Wiederöffnung der Straße immer weiter nach hinten schiebe. „Stand jetzt soll sie frühestens im Jahr 2028 wieder geöffnet werden. Dann wäre sie 13 Jahre geschlossen. Zum Vergleich: Gebaut wurde sie damals mit mehreren Tunnels und von Hand in nur fünf Jahren.“

Naturschutz wird zur Ausrede

Wenn er zusehe, wie viel Geld in Gutachten für die Albtalstraße fließe, werde ihm schlecht. „Sind wir doch mal ehrlich, die wollen die Albtalstraße einfach zulassen und hoffen, dass wir hier unten ruhig sind. Das werden wir aber nicht sein.“ Daniel Morath ist sich sicher, dass es in der Region genug Menschen gebe, die sich dafür einsetzen würden, zur Not die erforderliche Summe selbst zusammenzulegen, um die Arbeiten an der Straße aus privater Tasche zu bezahlen.

„Sind wir doch mal ehrlich, die wollen die Albtalstraße einfach zu lassen und hoffen, dass wir hier unten ruhig sind. Das werden wir aber nicht sein.“ Daniel Morath, Geschäftsführer
„Sind wir doch mal ehrlich, die wollen die Albtalstraße einfach zu lassen und hoffen, dass wir hier unten ruhig sind. Das werden wir aber nicht sein.“ Daniel Morath, Geschäftsführer | Bild: Nico Talenta

„Wir haben in unserer Firma ja genau die Geräte, um den Hang von der Straße aus zu sichern. Als ich das vorgeschlagen habe, hieß es nur, die Arbeiter würden dann Trampelpfade im Naturschutzgebiet hinterlassen und ihre Sicherungsseile am Hang die Gräser verletzen und damit die Flora verändern“, erklärte der Unternehmer. Seiner Ansicht nach ist die Debatte um die Albtalstraße ein Politikum, „ein Machtspiel von Herren in Freiburg, nichts anderes.“

Technisch sei der aktuelle Stand jedenfalls nicht begründbar. Und auch Fakten würden vertauscht werden: „Als ob wir einen 100 Meter langen Streifen eines Naturschutzgebiets einfach mit Beton zupflastern würden. Genau das aber wurde, um abzuschrecken, behauptet.“ Dabei gebe es zehn bis 15 verschiedene Techniken, die ein Unternehmen wie das von Daniel Morath stattdessen anwenden könne.

Er fasste zusammen: „Ich bin stolz hier zu wohnen. Wenn ich in den Graben fahre, kommt die Feuerwehr, der Krankenwagen oder das Technische Hilfswerk. Wir zahlen gerne Steuern, arbeiten hier, wollen uns sozial in der Region engagieren, die Jugend voran bringen. Wir haben hier zwölf Millionen Euro für unseren Neubau investiert und da hinten im Albtal diskutiert man wegen zwei Millionen herum. Da hört es bei mir als Unternehmer einfach auf.“

Gemeinsam mit dem Geschäftsführer Wolfgang Morath gab es nach der Begrüßung und Diskussionsrunde eine Führung durch das Familienunternehmen.
Gemeinsam mit dem Geschäftsführer Wolfgang Morath gab es nach der Begrüßung und Diskussionsrunde eine Führung durch das Familienunternehmen. | Bild: Nico Talenta

Bereits vor ihrem Besuch bei dem Traditionsunternehmen sei die Bundesumweltministerin mit dem Thema in Berührung gekommen. „Die Albtalstraße war das Erste, auf das ich angesprochen wurde, als ich hier bei ihnen in der Region angekommen bin“, sagte sie. Dann nahm sie Stellung zu den Äußerungen des Geschäftsführers.

„Es ärgert mich, dass der Naturschutz bei solchen Debatten oft vorgeschoben wird.“ Die Regeln seien andere – es werde so lediglich vertuscht, dass man kein Geld ausgeben möchte. „Aber eines verstehe ich nicht: In dieser Sache ist der politische Druck doch schon lange da.“

So kann es nicht weitergehen

„Das ist ein Spiel auf Zeit“, antwortete Rita Schwarzelühr-Sutter. Sie habe den Eindruck, das Regierungspräsidium habe kein großes Interesse an der Wiederöffnung des Straßenabschnitts. „In einer Stellungnahme hieß es einmal, dass es nur wenige Kilometer seien und dort kaum Autos fahren – im Prinzip lohnt es sich also nicht, die Straße zu öffnen.“

Momentan werde jedenfalls ein neues Gutachten erstellt, da im Kreistag aufkam, das Alte sei nicht rechtssicher. „Wie schon erwähnt, ein Spiel auf Zeit, damit sie am Ende sagen können, die Natur habe sich das Gebiet zurückgeholt und jetzt dürfe man nichts mehr machen.“

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Auch verstehe Schwarzelühr-Sutter Daniel Morath in dem Punkt, dass bei ihm wegen des langen Verzugs Politikfrust bei ihm einsetze. Trotzdem könne sie momentan nichts unternehmen und müsse erst auf das neue Gutachten warten.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete vermutete: „Das Regierungspräsidium hat die Aufgabe auf das Landratsamt abgeschoben. Ich weiß es nicht, aber meine Theorie ist, dass die drauf warten, dass das Gutachten nachher sagt, es ist nicht zulässig.“

Besonders in einem Punkt waren sich alle Beteiligten des Gesprächs einig: So wie mit der Sperrung der Albtalstraße aktuell umgegangen wird, kann es nicht weitergehen. Und: Die Sanierungskosten müssten vom Land übernommen werden, schließlich handele es sich ja um eine Landesstraße. Nach der hitzigen Debatte endete der Vormittag mit einem Rundgang durch das Unternehmen.

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