Ende 2020 wurden die Arbeiten an der neuen Albbrucker Eisenbahnbrücke abgeschlossen. Das Brückenprojekt war in der Bevölkerung umstritten. Es gab eine Bürgerinitiative, die den Abriss der Bogenbrücke aus dem Jahr 1856 verhindern wollte und dafür sogar den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu Hilfe rief. Doch die Parlamentarier hatten nach ihrem Vor-Ort-Termin im Juli 2018 und dem dortigen Bekenntnis für den Brücken-Erhalt 2019 eine unerwartete Kehrt-Wende vollzogen.

  • Vorgeschichte: Im November 2014 informierte Bürgermeister Stefan Kaiser den Gemeinderat über die Pläne der Deutschen Bahn, die historische Brücke durch einen Neubau zu ersetzen. Die Bahn argumentierte, dass ein Neubau unumgänglich sei, da durch Auswaschungen massive Schäden an den Kalksteinen der alten Brücke entstanden seien und stellenweise bereits der Totalverlust des Fugenmaterials zu beobachten sei. Daneben sei es erforderlich, den Gleisabstand zu verbreitern und Vorkehrungen für die geplante Elektrifizierung zu treffen. Das sei mit der Brücke von 1856 nicht möglich.
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Der Gemeinderat nahm die Pläne ohne Einwände zur Kenntnis. Erst als die Bahn ankündigte, auch die an die Brücke angrenzende Unterführung für das still gelegte Industriegleis der ehemaligen Papierfabrik ersatzlos rückzubauen, regte sich Widerstand im Rathaus. „Das würde einen großen Einschnitt für Albbruck bedeuten“, so Bürgermeister Stefan Kaiser im Gemeinderat. „Wir werden auf jeden Fall versuchen, den Durchgang offen zu halten.“ Das sei im Hinblick auf die geplante Erschließung des PFA-Areals südlich und nördlich der Bahnlinie unverzichtbar. Die Bahn sicherte zu, den Durchlass offen zu halten.

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  • Bürger-Protest: In der Zwischenzeit hatte sich unter der Regie von Artur Werner eine Bürgerinitiative für den Erhalt des historischen Bauwerkes gebildet. Im Mai 2017 wurde der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages angerufen – mit Erfolg: Im Juli 2018 trafen sich die Mitglieder des Ausschusses in Albbruck; mit dabei waren regionale Abgeordnete, Vertreter der Gemeinde und der Bürgerinitiative. Am Ende lautet die einhellige Meinung der Ausschuss-Mitglieder, dass die alte Brücke erhalten werden müsse. Doch Anfang 2019 kam die große Enttäuschung: Der Petitions-Ausschuss vollzog eine Kehrtwende, und das Anliegen der Bürgerinitiative wurde abgewiesen. Damit war das Schicksal der Brücke endgültig besiegelt, die Bahn hatte freie Hand für den Abriss der 163 Jahre alten Bogenbrücke und einen Neubau.
Auf einem Areal in unmittelbarer Nähe zur B 34 lagern die Quadersteine der historischen Eisenbahnbrücke. Sie könnten im Zuge der Neugestaltung des ehemaligen Papierfabrik-Areals eine neue Verwendung finden.
Auf einem Areal in unmittelbarer Nähe zur B 34 lagern die Quadersteine der historischen Eisenbahnbrücke. Sie könnten im Zuge der Neugestaltung des ehemaligen Papierfabrik-Areals eine neue Verwendung finden. | Bild: Manfred Dinort
  • Der Neubau: Am 29. November 2019 passierte der erste Zug die neue Brücke, nachdem der neue Brückenkörper fast komplett vorgefertigt worden war, um dann in die neue Position eingeschoben zu werden. Dann wurden noch die Geländer montiert und auf den kleinen Podesten wurden die Mastkonsolen für die geplante Elektrifizierung montiert. Zur Fertigstellung fehlten dann aber noch die „Flügelwände“. Das sind die Stützwände aus Stahlbeton, die dem Bahndamm vor und hinter der Brücke Halt geben und den Geländesprung abfangen. Diese Arbeiten wurden erst vor kurzem abgeschlossen.
Die neue Bahnbrücke über die Alb, die zum Jahresende 2020 fertig gestellt worden ist. Rechts der Durchlass zum nördlich gelegenen Gelände der ehemaligen Papierfabrik.
Die neue Bahnbrücke über die Alb, die zum Jahresende 2020 fertig gestellt worden ist. Rechts der Durchlass zum nördlich gelegenen Gelände der ehemaligen Papierfabrik. | Bild: Manfred Dinort