Viele Jahre lang ist die Alte Mühle in Unteralpfen ein Anziehungspunkt für Besucher gewesen. Groß war bis zuletzt der Andrang anlässlich des „Deutschen Mühletags“. Seit dem 16. Jahrhundert war die Mühle im Eigentum der Familie Tröndlin, bis das Anwesen vor wenigen Jahren an einen Schweizer verkauft worden ist. Jetzt liegt es im Dornröschen-Schlaf; das Mühlrad ist zerbrochen und der Mühlbach umgeleitet worden.

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach: Diese Zeiten gehören für die Alte Mühle in Unteralpfen der Vergangenheit an.
Es klappert die Mühle am rauschenden Bach: Diese Zeiten gehören für die Alte Mühle in Unteralpfen der Vergangenheit an. | Bild: Manfred Dinort

Bei den früheren Mühlenführungen lud Klara Nägele zu einem Vortrag in die historische Stube ein, um aus alten Zeiten zu berichten. Danach führte Franz Landis die Besucher in das Untergeschoss, in die Mahlstube, das Zentrum der Mühle. Kernstück war das Mahlwerk mit den beiden Mühlsteinen, von denen sich nur der obere, der „Läufer“, drehte. Dann ging es zur Sache: Franz Landis setzte das Mahlwerk in Betrieb, allerdings nicht über das Mühlrad, sondern mithilfe eines Elektromotors, „um die Anlagen zu schonen und eine gleichmäßige Leistung zu garantieren“, wie er erklärte. Um sauberes und reines Mehl zu erhalten, waren in der Regel fünf Mahlgänge erforderlich. Daher habe die Tagesproduktion einer Mühle nur wenige Zentner Mehl betragen, auch wenn die Mühle vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung in Betrieb war.

Ein Besuch in der Alten Mühle war immer ein besonderes Erlebnis. Das Bild aus dem Jahr 2006 zeigt eine Schulklasse aus Unteralpfen bei der Besichtigung der Mahlstube. Rechts im Bild „Müllermeister“ Franz Landis.
Ein Besuch in der Alten Mühle war immer ein besonderes Erlebnis. Das Bild aus dem Jahr 2006 zeigt eine Schulklasse aus Unteralpfen bei der Besichtigung der Mahlstube. Rechts im Bild „Müllermeister“ Franz Landis. | Bild: Manfred Dinort

Besichtigt werden konnte auch das große Mühlrad an der Außenwand mit seinen 5,40 Metern Durchmesser, das Landis vor Jahren selbst wieder instand gesetzt hatte. Dabei war es notwendig, die morsche Schaufelgarnitur auszuwechseln und neue Schaufeln aus einem speziellen Eichenhartholz einzusetzen, das eigens aus Frankreich importiert worden war.

Historische Persönlichkeiten

Aus der Müller-Familie der Tröndlins gab es einige bedeutsame Persönlichkeiten, die zur Zeit der Salpeterer-Aufstände als Redmänner und Einungsmeister eine zentrale Rolle im Lager der „Ruhigen“ spielten. Das war keine leichte Aufgabe, da man sich gegen die radikaleren Kräfte, die „Unruhigen“, die gegen das Kloster St. Blasien revoltierten, durchsetzen musste. Die „gute Stube“ der Mühle diente als Amts- und Versammlungsraum und noch heute schmücken die Bilder dieser Männer die historische Stube.

Wunsch nach Restaurierung

In den 1970er Jahren kam der Wunsch auf, die Anlage zu restaurieren und die Mühle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1980 wurden die Arbeiten in Angriff genommen. Federführend war dabei der Mühlenbauer Albin Ebner aus Dogern. Zunächst wurde ein neues Wasserrad gebaut. Dann ging es mit öffentlichen Zuschüssen an die Außen- und Innenrenovierung. Wie bei einem Puzzlespiel wurde die Ausrüstung nach und nach vervollständigt und durch selbst gefertigten Teile ergänzt. Im April 1991 konnte die Mühle für Besucher geöffnet werden.

Wie sieht es heute aus? Vor fünf Jahren wechselte die Mühle ihren Eigentümer. Seither ist es dort still geworden. Die Mühle, an der sich das Efeu bis zum Giebel rankt, scheint im Dornröschenschlaf zu liegen. Das Mühlrad ist morsch geworden und zerbrochen. Der Mühlebach wurde umgeleitet und fließt über eine mehrstufige Wassertreppe in den Leiterbach.

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Ähnlich wie Schlösser und Burgen standen auch die Mühlen im Blickpunkt der deutschen Romantik. Ernst Anschütz komponierte um 1824 das Lied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, das früher zum Pflichtrepertoire der Schulen gehörte. Ob die Arbeit in einer Mühle wirklich Raum für romantische Gefühle ließ, darf bezweifelt werden. „Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach“, heißt es in einer anderen Textzeile – ein Hinweis darauf, dass der Arbeitstag des Müllers oft über die Maßen lang war. Die hohe Staubbelastung setzte außerdem den Atmungsorganen zu. Gesundheitliche Probleme waren der Grund, dass der letzte Unteralpfener Müller, Adolf Widmer, 1944 den Betrieb einstellte.