Herr Kaiser, 142 Jahre lang hat die Papierfabrik dem Ort Albbruck den Stempel aufgedrückt. Jetzt ist das Werk Geschichte, und die Abriss-Bagger machen tabula rasa. Was ist heute das Identität stiftende Merkmal für Albbruck?

Das ist eine gute Frage – nachdem die Albtalstraße wegen der Sperrung derzeit ja auch entfällt. Das Aus für die Papierfabrik war natürlich ein schwerer Schlag. Aber ich denke, es ist auch eine Riesen-Chance, die wir ergriffen haben. Wir befinden uns in einem Strukturwandel weg von eine Industrie-Gemeinde hin zu einer Wohngemeinde mit starkem Gewerbe. Und wer weiß: Vielleicht sind wir ja in ein paar Jahren auch das Gesundheits-Zentrum des Landkreises, vorausgesetzt, wir werden Standort für das geplante Zentral-Klinikum...

Wie muss man sich nach der Überplanung des einstigen Papierfabrik-Areals die neue Ortsmitte von Albbruck vorstellen?

Es soll kann dort neben Gewerbeflächen auch attraktiver Wohnraum entlang der Alb für rund 1000 Menschen entstehen. Außerdem möchten wir dort auch ein touristisch interessantes Angebot machen. Es ist in der Nähe der alten Alb-Brücke ein Albufer-Platz mit Wasserzugang und einem Hotel geplant. Außerdem wollen wir den denkmalgeschützten Pferdestall der Papierfabrik zu einem Info-Zentrum für den Albsteig und einer Erinnerungsstätte an die PFA ausbauen. Der Einstieg in diese neue Wanderroute wird spektakulär: Es gibt dort einen Stolleneingang, der etwa 100 Meter unterirdisch verläuft und hinter der alten Eisenbahn-Brücke ans Tageslicht kommt.

Bis dort die ersten Wanderer marschieren, muss aber noch ziemlich viel bewegt werden...

Das ist richtig. Der Albsteig soll im Endausbau auf der Trasse des einstigen hölzernen Werkskanals der Papierfabrik bis kurz vor Tiefenstein verlaufen. Auch die Wanderer müssen auf diesem Abschnitt durch mehrere kleine Fels-Tunnels. Auf Höhe des alten Stauwehrs ist der Bau einer Hängebrücke über die Alb zur Schachener Seite angedacht.

Und wann glauben Sie, das Band zur Eröffnung dieser romantischen Wanderstrecke durchschneiden zu können?

Wenn es optimal läuft, vielleicht in drei bis fünf Jahren. Wir müssen für das Gelände der Karl-Gruppe ja auch noch eine Eigentums-, oder andere vertragliche Regelung treffen und brauchen starke Tourismus-Partner, insbesondere den Landkreis als Unterstützer.

Man darf sich also auf positive Schlagzeilen aus Albbruck freuen. Zuletzt sah es damit ja eher schlecht aus, denken wir nur an den drohenden Abriss der Eisenbahnbrücke, gegen den sich jetzt auch der Petitionsausschuss des Bundestages ausgesprochen hat. Dies ist das Verdienst einer Bürgerinitiative. Hätten Sie und der Gemeinderat nicht massiver gegen die Bahn-Pläne vorgehen müssen?

Nein, wir haben schon das richtige Rad gedreht, denn wir waren im förmlichen Verfahren die Einzigen, die Einspruch gegen den Abriss eingelegt und damit die rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Was jetzt zur Sanierung der Brücke im Raum steht, entspricht ja genau dem, was wir vorgeschlagen haben und die Bahn ursprünglich geplant hatte. Aber das war vom Denkmalamt abgelehnt und in der Folge die Brücke zum Abriss freigegeben worden. Im Übrigen gibt es viele positive Nachrichten aus Albbruck, etwa neue Baugebiete, und Millionen-Investitionen in die Infrastruktur.

Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten der Petition, nachdem die Bahn ja baurechtlich grünes Licht für einen Brücken-Neubau hat?

Aus meiner Sicht sind die Mehrkosten, die durch ein neues Planfeststellungsverfahren und Schadenersatz-Forderungen der jetzt engagierten Baufirmen entstehen, der springende Punkt. Es hängt davon ab, in wie weit hier die Bahn die Kosten trägt oder der Bund und das Land finanziell in die Bresche springen werden.