Herr Rüde, bis heute ist Ihr Interesse an den Ausstellungen ungebrochen groß. Wie kam es überhaupt dazu?

In Albert gab es eine kleine Galerie Sommerfeld, die 1976 geschlossen wurde. Damals reifte in mir der Gedanke, die Möglichkeit zu schaffen, Kunst auch außerhalb von Museen sichtbar zu machen. Gleichzeitig war mir auch wichtig, ein zusätzliches Angebot zu schaffen, dass andere Gemeinden nicht haben.

Wie kam es dann zur Realisierung Ihrer Gedanken?

Der damalige Bürgermeister Gernot Strohm zeigte sich sofort aufgeschlossen und war bereit, die Räumlichkeiten im Rathaus zur Verfügung zu stellen. So entstand die Reihe „Kunst im Rathaus“ mit der ersten Ausstellung, bei der im Dezember 1976 der Künstler Leo Gavazzi dabei war. Eines seiner Werke ging im letzten Jahr zur 60. Ausstellung aus meinem Privatbesitz an die Gemeinde über.

Wie sieht es mit Ihrem künstlerischen Talent aus?

Kunst ist vielseitig. Für mich persönlich hat der Umgang mit dem Wort besondere Bedeutung. Dennoch habe ich Freude an den Bildern.

Wie konnten Sie die Reihe „Kunst im Rathaus“ mit ihren Ausstellern bisher beeinflussen?

Dies ist nur bedingt möglich. Zum Einen wird man auf die Kunstschaffenden selbst aufmerksam oder es entstehen Kontakte über andere Kunstfreunde.

Hätten Sie je gedacht, dass „Kunst im Rathaus“ so lange Bestand hat?

Ich hatte es gehofft, aber, um ehrlich zu sein, bin ich doch positiv überrascht, dass das Interesse daran bis heute so groß ist. Immerhin gibt es unter den Künstlern eine Warteliste über das Jahr 2020 hinaus.

Was hat sich in den vier Jahrzehnten geändert?

Anfangs stellte in der Regel nur ein Künstler seine Werke aus, während später immer wieder Gruppenausstellungen das Publikum ins Rathaus lockten. Durch die Erweiterung des Rathauses durch ein weiteres Geschoss ergab sich auch mehr Ausstellungsfläche. Verändert haben sich auch die Techniken, die heute hauptsächlich zur Anwendung kommen. Waren es früher vornehmlich Öl, Grafik und Holzschnitte, so dominiert heute die Acrylmalerei.

Unzählige Male haben Sie als Laudator bei den Vernissagen Kunst und Künstler den Besuchern näher gebracht. Was bedeutet Ihnen die Auseinandersetzung mit den Werken und den Kunstschaffenden?

Es kommt immer wieder zu ganz interessanten und erlebnisreichen Kontakten. Zeitgenossen mit ganz profanen Berufen öffnen sich in der Malerei durch ihre Auswahl an Inhalten und Farben. Es ist faszinierend festzustellen, was die Kunst aus eigenwilligen und eigenständigen Personen macht.

Wie groß ist Ihre Unterstützung und wie groß ist für Sie der zeitliche Aufwand vor jeder Ausstellung?

Glücklicherweise ist auch Bürgermeister Stefan Kaiser „Kunst im Rathaus“ gegenüber sehr aufgeschlossen. Hauptamtsleiter Ralf Kulmey, der sich vornehmlich um praktische Dinge kümmert und Ansprechpartner vor Ort ist, und ich teilen uns die Aufgabe. Die direkten Kontakte zu den Ausstellern laufen über mich, lange bevor die Kunstwerk im Rathaus hängen und summieren sich bestimmt, ohne es genau festgehalten zu haben, so gegen 20 Stunden pro Ausstellung.

Was wünschen Sie sich als „Freizeitgalerist“ für die Zukunft?

Dass der Erfolg weiterhin anhält. Es ist wichtig, dass Leute bereit sind, zu zeigen, was möglich ist und damit für andere den Anreiz schaffen, kreativ tätig zu werden.

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