Neue Hoffnung für die alte Eisenbahnbrücke: Auf Betreiben der Abrissgegner hat das Landesamt für Denkmalpflege in Aussicht gestellt, noch einmal beim Eisenbahnbundesamt vorstellig zu werden. Voraussetzung ist, dass die Gruppe um Artur Werner ein Gutachten vorlegt, das belegt, dass die von der DB Netze AG vorgelegten Zahlen zur Instandhaltung der alten Brücke überzogen sind.

„Wenn sich herausstellt, dass die Voraussetzungen, die seitens der DB Netze AG im Verfahren angeführt worden sind, nicht korrekt sind und sich eine deutlich kostengünstigere sowie denkmalverträgliche Variante realisieren lässt und dennoch die Anforderungen an die Verkehrssicherheit und Elektrifizierung erfüllt werden können, sichere ich Ihnen die Unterstützung seitens des Landesamtes für Denkmalpflege zu“, heißt es im Schreiben von Konservator Hendrik Leonhardt an Artur Werner.

Im Auftrag der Abrissgegner hat die Firma Fretus aus Bad Zurzach die Albbrucker Brücke in Augenschein genommen. Dieses Ingenieurbüro hat ähnliche historische Bogenbrücken saniert – und zwar zu erheblich geringeren Kosten als den von der Bahn dargelegt: „Laut unserem Schweizer Kontaktmann sind dabei durchschnittlich Kosten von 12 000 bis 20 000 Franken pro laufendem Meter Brücke entstanden. Das ergibt für die Albbrucker Brücke bei etwa 30 Metern Länge einen Betrag von 340 000 bis 570 000 Euro“, rechnet Artur Werner vor.

Selbst wenn die Verbreiterung in Albbruck zu höheren Kosten führt, käme keinesfalls die von der DB behauptete Summe zusammen, so der pensionierte Diplom-Ingenieur weiter. Die Bahn geht von 6,7 Millionen Euro aus, die angeblich alle 20 bis 25 Jahre fällig werden. „Und die im Planfeststellungsbeschluss genannten Kosten von rund elf Millionen Euro für die Sanierung und Modernisierung der alten Brücke sind für den Schweizer Fachmann in keiner Weise nachvollziehbar“, so Artur Werner.

Als weiteres Beispiel für zweifelhafte Angaben der Bahn führt der streitbare Pensionär die Oberleitungen für die geplante Elektrifizierung an: Hier hat die Bahn angegeben, dass das Brückendeck u. a. deshalb modifiziert werden muss, weil dort Masten für die Oberleitung installiert werden müssen. „Wie sich aber jetzt herausgestellt hat, beträgt der übliche Mastabstand 65 bis 80 Meter – auf der alten Brücke muss daher überhaupt kein Mast stehen“, so Artur Werner.

Der 80-Jährige ist froh, dass inzwischen auch Allbrucks Bürgermeister Stefan Kaiser seine Unterstützung für den Erhalt der 161 Jahre alten Brücke im Ortszentrum bekundet hat – auch wenn der Planfeststellungsbeschluss für den Abriss und den Neubau im Juli 2016 schon erfolgt ist.

Am kommenden Mittwoch, 8. März, soll es im Albbrucker Rathaus einen Runden Tisch geben, bei dem das Gutachten des Schweizer Fachbüros vorgestellt wird. „Dazu ist es allerdings erforderlich, dass die DB Netze AG ihre Kostenberechnungen offenlegt und detaillierte Angaben zu den geplanten Sanierungsmaßnahmen macht“, sagt Artur Werner.

Ob die Abrissgegner eine einstweilige Verfügung gegen den bereits erfolgten Baubeginn für eine neue Eisenbahnbrücke in Albbruck erwirken, soll nach Vorlage des Schweizer Gutachtens geklärt werden.