Frau Schäfer, wer 40 Jahre im selben Beruf arbeitet, der hat sicherlich seinen Traumberuf gefunden, oder?

Ja, zwischenzeitlich schon. Eigentlich wollte ich nach der Schule Goldschmiedin werden. Damals hätte ich zur Berufsschule nach Pforzheim gehen sollen, was mir bei meinem befürchteten Heimweh unmöglich erschien. Im Büro zu sitzen, hatte ich immer abgelehnt und so entschied ich mich, Erzieherin zu werden.

Hätten Sie sich in jungen Jahren vorstellen können, fast täglich von vielen Kindern umgeben zu sein?

Nach meiner ersten Woche im Anerkennungsjahr war ich völlig ausgepowert und dachte, so nicht weitermachen zu können. Doch mit jedem Tag machte es dann mehr Spaß. So blieb ich insgesamt drei Jahre im Kinderhaus St. Josef in Wehr.

Entsprach Ihre Ausbildung den späteren beruflichen Herausforderungen?

Absolut. Da die damalige Klassenstärke keine weiteren Schülerinnen mehr zuließ, sammelte ich während zwei Jahren im Vorpraktikum meine Erfahrungen. Schließlich hatten wir in unserem Jahrgang genügend Lehrer mit vielen praktischen Ideen.

Was hat sich in all den Jahren an den Rahmenbedingungen verändert?

Früher standen Kindergärten viel mehr unter kirchlicher Trägerschaft. Auch in Wehr lag die Leitung bei einer Nonne. Es gab keinen Austausch mit anderen Kindergärten. Spielsachen und Beschäftigungsmaterial wurden viel weniger angeschafft als heute. Früher waren die Beaufsichtigung der Kinder, Streit zu schlichten und die Kleinen mit Ideen zu motivieren, die Hauptaufgaben. In den 1980er Jahren wurde die Kinderbetreuung pädagogisch aufgewertet.

Mehrere Generationen von Kindergartenkindern kreuzten Ihren Berufsweg. Wie haben sich die Kinder verändert?

Kinder kommen heute immer früher in den Kindergarten, sodass automatisch die Erzieherinnen auch echte Erziehungsaufgaben übernehmen müssen. Jedes noch so kleine Kind ist eine individuelle Person mit persönlichen Eigenschaften. Kinder sind viel stärkere Persönlichkeiten geworden. Die meisten wissen ganz genau, was sie nicht machen müssen. Gerade in der vorpubertären Phase, so kurz vor dem Schuleintritt, zeigt sich dies ganz deutlich.

Sind die Kontakte zu den Eltern heute noch die selben wie früher?

Eigentlich bestand immer ein guter Kontakt zu den Eltern. Im Großen und Ganzen ist die Hilfsbereitschaft bei den meisten auch heute noch vorhanden.

Vier Jahrzehnte im Öffentlichen Dienst bedeuten für Sie auch, weit über 30 Jahre bei der Gemeinde Albbruck beschäftigt zu sein. Was hat Sie bewogen, ihrem Arbeitsplatz so lange treu zu bleiben?

Der Kindergarten in Schachen ist längst eine Herzensangelegenheit und mein zweites Zuhause geworden. Dazu haben auch meine Kolleginnen und Praktikantinnen beigetragen, mit denen langjährige Kontakte entstanden sind.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

In einer Zeit, in der Kolleginnen bereits in den Ruhestand gegangen sind, möchte ich beruflich etwas kürzer treten und die freie Zeit für Gesundheit und Hobbys nutzen.