Einen großen Auftritt hatte der Kirchenchor Birndorf, der unter der Leitung von Melanie Bächle in der Albbrucker St. Josefs Kirche das Theater-Oratorium „Psalm 2016“ von Gregor Linßen aufführte. Damit gelang dem Verein, nach wochenlangen Proben und zwei Probewochenenden, eine brillante Inszenierung.

Dabei sorgten die 55 Sänger, die sechs Instrumentalisten und das Theater-Duo für ein beeindruckendes Szenario. Weil die Aufführung mit einem großen technischen Aufwand verbunden war, fand die Veranstaltung in der größeren Kirche in Albbruck statt.

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Die ersten Kontakte mit dem Komponisten wurden vor mehr als zehn Jahren geknüpft. Seitdem gehören seine Stücke immer wieder zum Repertoire des Kirchenchores. 2018 besuchten drei Chormitglieder den Komponisten an seinem Wohnsitz in Lingen/Emsland. Zurück kamen sie mit der Originalpartitur des Theater-Oratoriums „Psalm 2016“.

Eigentlich gibt es im Alten Testament nur 151 Psalme. Dass der Komponist einen Psalm 2016 kreierte, steht im Zusammenhang mit dem Entstehungsjahr: Der Psalm entstand auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise und wurde 2016 uraufgeführt.

Zwei Menschen im Zwiegespräch

Die Komposition besteht aus einem Zyklus von Liedern, in denen acht alte Psalme verarbeitet sind, die vom Komponisten in einen Kontext mit der modernen Zeit gestellt wurden. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei junge Menschen (Petra Haggenmiller und Björn Schupp): Er ist stark von sich eingenommen und vertritt ein pessimistisches Weltbild. Der bedrohliche Drache auf dem Kulissengemälde ist für ihn das typische Symbol der modernen Zeit.

Mit Theaterszenen und zahlreichen Dialogen wurde den Besuchern in der St. Josefs Kirche ein abwechslungsreiches Szenario geboten. Im Bild Petra Haggenmiller und Björn Schupp.
Mit Theaterszenen und zahlreichen Dialogen wurde den Besuchern in der St. Josefs Kirche ein abwechslungsreiches Szenario geboten. Im Bild Petra Haggenmiller und Björn Schupp. | Bild: Manfred Dinort

Sie ist mit einem Migranten verheiratet und strahlt „trotzdem“ Zufriedenheit und Zuversicht aus. Er: „Das kann ja nicht gut gehen.“ Sie zitiert diverse Bibelstellen und beklagt seinen Mangel an Gottvertrauen: „Schade, dass Du nicht an Gott glaubst.“ Er reagiert mit Unverständnis. Erst als Sie bereits die Bühne verlassen hat, zeigen ihre Worte Wirkung: Sein schräges Weltbild gerät ins Wanken.

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Untermalt wurde das bewegende Szenario durch den Chor, die Solisten und das Orchester mit sechs Musikern, die ihr Instrumentarium wirkungsvoll einsetzen. Eine Faszination übte auch die Dirigentin aus, die es verstand, alles aus dem Chor herauszuholen.

Faszinierend aber auch der Chor, der sich voll auf seine Dirigentin einließ. Jedenfalls war das Publikum tief beeindruckt, nach dem finalen Lied „Gott sende Deinen Geist“ wurde stehend applaudiert.