Die Arbeiten für den umstrittenen Neubau einer Eisenbahnbrücke über die Alb in der Albbrucker Ortsmitte sind von der Bahn unterbrochen worden. Nach Auskunft des Stuttgarter Pressesprechers Roland Kortz verzögert sich die gesamte Baumaßnahme um ein Jahr: „Nach derzeitigem Stand wird sich die die Inbetriebnahme des Bauwerkes von Sommer 2018 auf Sommer 2019 verschieben.“

Eigentlich hatte die Bahn bis Anfang September besonders Lärm intensive Bauarbeiten am Albufer geplant, die mit einer zehntägigen Streckensperrung einher gehen sollten. Bei einer Info-Veranstaltung im Juli hatte Projektleiter Menes Khalil-Meister eröffnet, dass ab Ende August auch lärmende Nachtarbeit erforderlich sei, um in den Zeiten des ruhenden Schienenverkers die Baumaßnahme voranzutreiben. Den Anwohnern war in Aussicht gestellt worden, dass sie sich auf Kosten der Bahn in Hotels oder Pensionen einquartieren können.

Das Fiasko im Zusammenhang mit der beschädigten Gleistrasse bei Rastatt infolge des missglückten Tunnelbaus hat nun auch Auswirkung auf den Brückenneubau in Albbruck: „Infolge der Unterbrechung der Rheintalbahn bei Rastatt hat die DB Umleitungsstrecken gesucht. Dazu gehört auch die Strecke am Hochrhein. In diesem Zusammenhang hat die Bahn entschieden, die geplante Sperrung abzusagen“, so Roland Kortz. Wann mit Wiederaufnahme der Arbeiten in Albbruck zu rechnen ist, stehe derzeit noch nicht fest. „Zurzeit sind wir in der Prüfung, da insgesamt mehrere Bauprojekte betroffen sind. Hier müssen neue, aufeinander abgestimmte Termine gefunden werden“, so die Auskunft des Bahn-Sprechers.

Die Frage, inwieweit sich der Brückenneubau durch die einjährige Pause verteuert – etwa durch Schadensersatz-Zahlungen an beauftragte Firmen – beantwortet die Bahn nicht: Man gebe keine Auskünfte zu internen Geschäftsbeziehungen mit Auftragnehmern, so Roland Kortz. Derzeit werden noch Erdarbeiten durchgeführt und die Baustelleneinrichtung abgeschlossen. „Es ist geplant, noch in diesem Jahr weitere Arbeiten durchzuführen, welche unabhängig von der entfallenden Sperrpause ausgeführt werden können, zum Beispiel Erkundungsbohrungen im Baugrund“, so Roland Kortz.

Derweil setzen die Gegner des Abrisses der historischen Eisenbahnbrücke ihre Hoffnungen auf den Petitionsausschuss des Bundestages. Artur Werner hatte namens der Bürgerinitiative für den Erhalt der historischen Eisenbahnbrücke Ende Mai eine Petition eingereicht, um die Zerstörung der denkmalgeschützten Bogenbrücke von 1856 doch noch verhindern zu können.

Nach Einschaltung eines Schweizer Fachmanns für die Sanierung historischer Eisenbahnbrücken steht für Werner und seine Mitstreiter fest: „Ein Brückenneubeu ist vollkommen überflüssig, denn eine Sanierung wäre für ein Fünftel der Neubaukosten machbar!“ Deshalb soll der Petitionsausschuss die Verschleuderung von Steuergeldern für den Brückenneubau unterbinden, der auf rund 20 Millionen Euro veranschlagt ist. Die erforderlichen Informationen seien eingeholt worden, die Beratung der Petition erfolge aber erst durch die Abgeordneten des neuen Bundestags, informiert der Bescheid aus Berlin.