524 Seiten umfasst der Haushaltsplan 2019, fast doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. „Schuld“ daran ist das Neue Kommunale Haushaltsrecht (NKHR), das den Gemeinden vom Land „aufs Auge gedrückt“ wurde, wie es Bürgermeister Stefan Kaiser in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses formulierte. Erstellt hat das umfangreiche Zahlenwerk Rechnungsamtsleiterin Sonja Dahlmann, die sich alle Mühe gab, die neue Form der Haushaltsführung verständlich zu machen und auch die positiven Aspekte herauszustellen.

Während bisher zwischen Verwaltungs- und Vermögenshaushalt unterschieden wurde, sind es jetzt drei Komponenten: Ergebnishaushalt, Finanzhaushalt und die Vermögensrechnung (Bilanz). Mit der neuen Form der Rechnungsführung hängt es auch zusammen, dass der Ergebnishaushalt ein Minus von 1,25 Millionen Euro aufweist. Der Ausgleich dieses Defizits erfolgt über das „Basiskapital“, die Rücklagen, die zum Ende des Jahres 14,9 Millionen Euro betrugen.

Neue Zahlen zeichnen ganz anderes Bild

Bisher galt als Maßstab für eine gesunde Haushaltsführung die „Zuführungsrate“, das war der Betrag, der als Überschuss aus dem Verwaltungshaushalt an den Vermögenshaushalt überwiesen wurde. Im vergangenen Jahr waren das 2,2 Millionen Euro. Jetzt steht ein Minus im Plan, also ein Warnsignal? Kaiser sagte: „Wenn sich diese Zahlen auf Dauer so einpendeln, dann zeigt das an, dass wir über unsere Verhältnisse leben.“ Man könne das aber auch als Beweis dafür werten, dass Albbruck zu den finanzschwachen Gemeinden des Landkreises zähle.

Andererseits, so Stefan Kaiser, könne mit der neuen Form der Haushaltsführung eine bessere Generationengerechtigkeit garantiert werden, dass nicht die Einen über ihre Verhältnisse leben und die nachfolgenden Generationen die Zeche zahlen müssen. In dem Plan wird auch ausgewiesen, dass die Gemeinde rund 450 „Produkte“ anzubieten hat, Dienstleistungen, auf die die Bürger zurückgreifen können.

Laufend investiert die Gemeinde auch in den Breitbandausbau. Dazu werden bei allen Kanalbaumaßnahmen Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt, hier sind Leerrohre zu sehen, die auf der Gemarkung Unteralpfen zwischengelagert wurden.
Laufend investiert die Gemeinde auch in den Breitbandausbau. Dazu werden bei allen Kanalbaumaßnahmen Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt, hier sind Leerrohre zu sehen, die auf der Gemarkung Unteralpfen zwischengelagert wurden. | Bild: Manfred Dinort

Eine wichtige Rolle käme, so Kaiser, dem Rechenschaftsbericht am Ende des Jahres zu: „In dieser Bilanz wird sich künftig zeigen, auf welchem Weg wir sind.“ Ziel sei es daher, möglichst viel in die Infrastruktur zu investieren, um die Bilanz auf Dauer positiv zu gestalten. Der Plan sieht Investitionen in Höhe von 11,2 Millionen Euro vor. „Allerdings“, so schränkte Kaiser ein, „wie viel wir am Ende tatsächlich davon umsetzen können, hängt von der Gewährung von Zuschüssen und anderen Faktoren ab.“ Der Ausschuss stimmte dem Plan 2019 zu und fasste einen Empfehlungsbeschluss für den Gemeinderat.

Zahlen zum Haushalt und zur Gemeinde

  • Ausgaben: Personalkosten 4,73 Millionen Euro, Unterhalt von Grundstücken und Bauwerken 1,52 Millionen, darunter 370 000 Euro für den Straßenunterhalt, 350 000 Euro für die Sanierung des Kanalnetzes und 250 000 Euro für Feldwegeunterhalt.
  • Steuereinnahmen: Grundsteuern 932 000 Euro, Gewerbesteuer 2,0 Millionen Euro, Verwaltungs- und Benutzungsgebühren 1,96 Millionen Euro, Einkommensteueranteile 4,83 Millionen Euro, Umsatzsteueranteile 349 000 Euro, Schlüsselzuweisungen des Landes 2,87 Millionen Euro.
  • Abgaben: Finanzausgleichsabgabe an das Land 2,23 Millionen Euro, Kreisumlage 2,82 Millionen Euro.
  • Investitionen: Umlage für die Kläranlage 1,3 Millionen Euro, Innensanierung der Grundschule Buch 650 000 Euro, Erweiterung der Gemeinschaftsschule 500 000 Euro, Erschließung neuer Baugebiete 600 000 Euro, Straßenbeleuchtung 430 000 Euro, Verlegung von Leerrohren 620 000 Euro, Restarbeiten an der Halle Unteralpfen 500 000 Euro, Erweiterung des Bauhofs 220 000 Euro.
  • Erschließung Neubaugebiete: „Eichhölzle II“ in Albbruck, „Schindelbuck II“ in Birkingen, Bächle“ in Buch und „Steinbachacker II“ in Unteralpfen, je 150 000 Euro.
  • Die Gemeinde Albbruck zählt 7300 Einwohner. Rund 80 Vereine bereichern das kurturelle und sportliche Angebot. Zur Gemeinde gehören die Bergdörfer Schachen, Buch, Birndorf, Birkingen und Unteralpfen, die während der Gemeindereform Anfang der 70er Jahre eingemeindet wurden. Im Tal liegen die Ortsteile Alb, Albert und Kiesenbach. Es gibt zwei Schulen, die Grundschule Buch mit 82 Schülern und die Grund- und Gemeinschaftsschule Albbruck mit 413 Schülern. Der Zentralort Albbruck liegt verkehrsgünstig an der B 34 und an der Bahnlinie Basel/Singen/Ulm. Hier ist auch der Ausgangspunkt für den Albsteig, der zum Feldberg führt.