In der Nähe von Buchloe bei München wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg die größte Vertriebenengemeinschaft ehemaliger Sudetendeutscher in Deutschland heran. So gut es eben ging, versuchte man an das Leben in der früheren Heimat anzuknüpfen, so auch Erich Pfeiffer, der 1940 bis 1945 als Firmeninhaber Aluminiumdruckgussteile für Motorengehäuse der Firma Sachs produzierte und nach dem Krieg, als die Firmen in der damaligen Tschechoslowakei verstaatlicht wurden, einen Totalverlust erlitten hatte. „Viele Firmen in Bayern wurden damals von Heimatvertriebenen gegründet, um sich und die Familie zu ernähren“, berichtet Peter Pfeiffer, Sohn des Firmengründers.

Die Gründerjahre von Pfeiffer & Co als „Metallwaren-Fabrikation“ lesen sich jedoch nicht als Erfolgsstory. Das erste Betriebsgebäude war keine Garage, sondern eine heruntergekommene Baracke und das Notwendigste musste mühsam organisiert werden. Mit Modeschmuck, damals noch „unedler Schmuck“ genannt, und Stricknadeln konnte sich das kleine Familienunternehmen mit zehn Mitarbeitern anfangs nachhaltig stabilisieren. Doch ein fataler Fehler von Erich Pfeiffer sorgte im Zuge der Währungsreform für den Ruin. Ausgehend davon, dass eine Umstellung von Reichsmark auf die Deutsche Mark im Verhältnis 1:1 erfolgen würde, versuchte er alle Warenbestände zu Geld zu machen. Doch als ein direkter Umtausch nicht stattfand, stattdessen jeder Bürger mit 40 DM an den Start ging, folgte die Ernüchterung. Die wertvollen Vorräte waren verkauft und das Finanzvermögen abgewertet. Fast alle Mitarbeiter wurden entlassen. Hinzu kam, dass es in der Umgebung von Buchloe und Neugablonz viele Unternehmen gab, die Schmuck herstellten, und mit diesen wollte Erich Pfeiffer nicht um den kleinen Markt kämpfen.

Schließlich wurde die Idee, die Pfeiffer & Co in die Zukunft tragen sollte, einfach aus der allgemeinen Situation heraus geboren. Für Frauen gab es in den ersten Nachkriegsjahren kaum Annehmlichkeiten. Nicht einmal die wenigen Kleider, die Erich Pfeiffers Ehefrau Elfriede und Cousine Maria Weigel in ihrem Rucksack gerettet hatten, konnten in Buchloe getragen werden. Damit hätten die jungen Frauen nur neidische Blicke bei Vertriebenen und Einheimischen geerntet. Was also lag näher, als sich ein wenig unsichtbaren Luxus zu gönnen – Parfüm zum Beispiel. Aber zur praktischen Anwendung benötigte man einen Zerstäuber, und diese Produktidee war ganz im Sinne des Firmenchefs, zumal ein Cousin seiner Frau schon vor dem Krieg Zerstäuber mit Glasflaschen produziert und man diesem schon Teile zugeliefert hatte.

1950 ließ sich die Ing. Erich Pfeiffer KG mit sieben Mitarbeitern aus Buchloe in Radolfzell nieder, wo schon Erich Pfeiffers Bruder Hans vor dem Krieg hingezogen war, und produzierte zunächst in bescheidenem Umfang Ballzerstäuber für einige Parfümhersteller in Deutschland. Das zweite Firmengebäude in der Josef-Bosch-Straße steht noch. Es dient heute Pfeiffer-Marine. Dieses ausgegliederte Familienunternehmen ist in schwierigen Zeiten aus der Idee heraus entstanden, die Firma zusätzlich als Spezialisten für die Ausrüstung von Segelbooten zu positionieren, was sich als glänzendes Geschäftsfeld erwies.

Zurück zu Erich Pfeiffer, der Anfang der sechziger Jahre als einer der ersten eine dichte Zerstäuberpumpe entwickelte. Mit dieser Neuheit eröffneten sich dem Unternehmen neue Märkte. Mit dem systematischen Aufbau einer breiten Verkaufsorganisation, dem Abschluss von Lizenzverträgen, der Gründung neuer Vertriebsfirmen und dem Aufkauf von Wettbewerbsfirmen begann ein beachtlicher Aufschwung. In relativ kurzer Zeit errang das Unternehmen in Westeuropa einen bedeutenden Marktanteil. Bald waren die Fabrikationsräume und Herstellungseinrichtungen der Nachfrage nicht mehr gewachsen. In den 70er-Jahren wurde deshalb in Böhringen eine der modernsten Zerstäuberfabriken errichtet.

Der Firmengründer starb 1971. Sein Sohn Peter stieg daraufhin ins Unternehmen ein und ließ die Ideen weiter sprühen. Er war 1993 einer der Initiatoren des Firmennetzwerkes Aptar und leitete bis 2011 den börsennotierten Aptar-Konzern mit Produktionsstätten in Böhringen und Eigeltingen. Noch heute ist er Mitglied im Aufsichtsrat.