„Mehr als ein Wanderverein“ überschrieb der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Storz sein Grußwort zum 100-jährigen Bestehen der Naturfreunde-Ortsgruppe im Jahr 2012. Und tatsächlich würde diese Charakterisierung deutlich zu kurz greifen, reduzierte man die sozialdemokratische Bewegung auf die Freizeitbeschäftigung.

Ini tiiert wurde sie bereits 1895 von dem sozialistischen Lehrer Georg Schmiedl, der sich zum Ziel gesetzt hatte, den Arbeitern Bildung und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu vermitteln. Von Wien aus verbreitete sich die Bewegung schnell über München und die Schweiz bis nach Singen. Die Singener Mitglieder waren zunächst eine Zahlstelle im Gau Ostschweiz. Weil die Naturfreunde die Arbeiter aus den Kneipen holen wollten, sprach man vom Singener Bierkrieg. Es entwickelte sich eine eigenständige Arbeiter- und Tourismuskultur. Heinrich Weber, Fritz Langer, Fritz Vallendor, Max Porzig oder Jakob Kahn, nach denen Singener Straßen benannt sind, kümmerten sich um die Vermittlung von Wissen durch Vorträge, Lichtbilder oder die Schaffung einer Bibliothek. Sport und Kultur spielten eine große Rolle. In Markelfingen gelang es Heinrich Weber, ein Grundstück am See für das Naturfreundehaus zu erwerben. Deutlich erweitert bietet es noch heute den Naturfreunden Herberge.

Doch mit der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten war es zunächst einmal vorbei. Die Naturfreunde wurden in ganz Deutschland verboten. Jakob Schäufele berichtete, wie Besteck, Wolldecken und anderes vom Markelfinger Haus zu den Naturfreunden nach Schaffhausen gebracht wurde. Im Dritten Reich waren die SPD-nahen Naturfreunde nicht willkommen. Das Leben wurde gefährlicher. Nach dem missglückten Hitler-Attentat wurden die Mitglieder Jakob Kahn, Max Porzig, Jakob Strauch, Karl Jäckle, Fritz Vallendor und Heinrich Weber 1944 ins KZ Mauthausen eingeliefert. Fritz Vallendor und Heinrich Weber überlebten das nicht.

Im Jahr 1945 ruhte das Vereinsleben, auch wenn Ludwig Kämper, Karl Prutscher und Fritz Langer das Naturfreundehaus in Markelfingen am 1. Mai 1945 symbolisch wieder in Besitz nahmen. Erst ein Jahr später, am 17. Mai 1946, wurde es ihnen offiziell von den französischen Besatzern zurückgegeben. Unzählige Singener verbrachten hier ihre Ferien am See.