Die Zukunft seines eigenen Betriebs kann nur sichern, wer Fachkräfte selbst ausbildet. Das würden wohl die meisten Unternehmen so unterschreiben. Doch nur wenige von ihnen setzen diesen Gedanken so konsequent um wie die EGT Unternehmensgruppe aus Triberg. 35 Auszubildende und drei duale Studenten sind derzeit in dem Unternehmen beschäftigt, das früher Elektrizitäts-Gesellschaft Triberg hieß. „Bei 230 Mitarbeitern kommen wir damit auf eine Ausbildungsquote, die sich sehen lassen kann“, sagt Alexander Stockburger.

Er ist verantwortlich für die Bereiche Personalmarketing/-entwicklung und Ausbildung im Unternehmen. Seine Einschätzung bestätigt der Berufsbildungsbericht 2020, der jährlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben wird. Während bundesweit bei vergleichbar großen Betrieben nur 4,7 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Auszubildende sind, sind es bei der EGT mehr als dreimal so viele. Allein im Herbst 2020 haben 13 junge Frauen und Männer hier ihre Ausbildung beziehungsweise ihr Studium angefangen.

EGT ist auf die technische Entwicklung ihrer Mitarbeitenden angewiesen

Mehr als andere ist die EGT in der sich ständig wandelnden Branche darauf angewiesen, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den technischen Entwicklungen Schritt halten. Nur so kann sie auch in Zukunft den Service für ihre Kunden gewährleisten. Das geht schon bei den Auszubildenden los. Also hat das Unternehmen im September sein bisheriges Angebot um vier neue Ausbildungsberufe erweitert. Im Hauptsitz in Triberg lernen ab sofort Fachinformatiker für System-
integration und Kaufleute für Digitalisierungsmanagement, Betriebssysteme und Netzwerke für Kunden zu installieren und einzurichten.

Sabrina Hugel gehört als duale Studentin zu den Auszubildenden beim Energieversorger EGT in Triberg. Der setzt mehr auf seinen Nachwuchs als viele vergleichbare Unternehmen.
Sabrina Hugel gehört als duale Studentin zu den Auszubildenden beim Energieversorger EGT in Triberg. Der setzt mehr auf seinen Nachwuchs als viele vergleichbare Unternehmen. | Bild: Egt

In der Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung dreht sich alles rund um die Entwicklung von Software, die beispielsweise von Kunden vorgegebene Funktionen erfüllen soll. Um den Digitalisierungsprozess weiter zu unterstützen, werden bei der EGT außerdem eigene Softwareprodukte entwickelt. Am neuen Standort der EGT Gebäudetechnik in St. Georgen, wo derzeit für die Lehrlinge eine eigene Werkstatt mit Equipment im Wert von 30 000 Euro ausgestattet wird, können sich Jugendliche jetzt zum Elektriker für Gebäudesystemintegration ausbilden lassen.

Digitalisierung spielt in der Ausbildung maßgebliche Rolle

Letzterer weiß als Geselle, wie sich smarte Gebäudetechnologien – darunter zum Beispiel Licht- und Jalousiekonzepte – planen, installieren und programmieren lassen. Und die Kaufmänner und -frauen für Büromanagement erfahren alles über Buchhaltung, Kundenkommunikation und alles, was für die Organisation eines Büroalltags nötig ist.

So unterschiedlich die Ausbildungsberufe auch sein mögen, eines haben sie alle gemeinsam: Die Digitalisierung spielt inzwischen eine maßgebliche Rolle. „Mit diesem Thema haben unsere Lehrlinge in allen Berufen täglich zu tun. Hier liegt unser Schwerpunkt, aber es geht natürlich auch um andere Sparten wie die Energiewende, die Elektromobilität, die intelligente Vernetzung von Gebäuden oder das Energiedatenmanagement“, zählt Alexander Stockburger auf.

„Umgang ist so familiär wie in einem Förderbetrieb“

Davon profitieren auch Jan Storz, der aktuell mitten in seiner Ausbildung zum Kaufmann für Digitalisierungsmanagement steckt, und Sabrina Hugel. Die 25-Jährige hat 2018 ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei der EGT abgeschlossen und studiert jetzt im fünften Semester BWL-Industrie an der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen. „Ich habe mir die EGT als Ausbildungsbetrieb ausgesucht, weil sie dazu beiträgt, dass die Digitalisierung auch entlegenere Gegenden des Schwarzwalds erreicht“, sagt die junge Frau.

„Wir werden auf dem neuesten Stand der Technik ausgebildet und haben so viel mit innovativen Techniken zu tun wie in großen Unternehmen, gleichzeitig ist der Umgang unter den Kolleginnen und Kollegen so familiär wie in einem Familienbetrieb“, kann sie nach inzwischen jahrelanger Erfahrung berichten. Außerdem weiß sie die Förderung durch ihren Arbeitgeber zu schätzen. Dass sie nach der Ausbildung ein duales Studium anhängt, war zunächst nicht ihre Idee, sondern der Vorschlag ihres Ausbilders.

Eigene Laptops für die Auszubildenden

Vor kurzem hat die EGT damit begonnen, ihren Auszubildenden eigene Laptops zu stellen, die sie sowohl im Unternehmen als auch in der Berufsschule nutzen dürfen. „Das erleichtert den Umzug von einer Abteilung in die nächste sehr, weil ich sofort mit dem Arbeiten loslegen kann, ohne, dass vorher ein Rechner für mich eingerichtet werden muss“, sagt Sabrina Hugel.

Auch Jan Storz trägt zur guten Ausbildungsquote bei der EGT bei. Er lässt sich zum Kaufmann für Digitalisierungsmanagement ausbilden.
Auch Jan Storz trägt zur guten Ausbildungsquote bei der EGT bei. Er lässt sich zum Kaufmann für Digitalisierungsmanagement ausbilden. | Bild: Egt

Auch die Ausbildung im technischen Bereich wird immer digitaler, nicht nur in Bezug auf An- und Unterweisungen. Durch die Anforderungen, die sich aus der Digitalisierung ergeben, entstehen hier ganz neue Ausbildungsberufe. „Seit wir mit Corona konfrontiert werden, haben wir auch verstärkt Online-Tools im Einsatz, mit denen unsere Auszubildenden digital lernen können. So vertiefen sie Berufsschulthemen oder können sich auf Prüfungen vorbereiten“, erklärt Stockburger. Ausbilder können über die entsprechenden Programme für alle Azubis gezielt ein Lern-Paket schnüren, mit dem sie dann üben und eventuell bestehende Wissenslücken schließen können.

Im kommenden Jahr feiert die EGT ihr 125-jähriges Bestehen. „Uns gibt es schon eine ganze Weile“, sagt Alexander Stockburger, „aber wir wären heute nicht mehr hier, wenn wir uns über die Jahre nicht kontinuierlich weiterentwickelt hätten.“ Auch das ist ein Satz, der auf die meisten Unternehmen mit Historie passt. Doch auf Unternehmen, die seit 125 Jahren in der Energiebranche erfolgreich sind, passt er ganz besonders.